Der Fluss, das Festival und der Kater


Auf dem Down by the River-Festival im Kater Holzig, 23.07.2011

Juli 24th, 2011 | 0 Kommentare ...  

Der Fluss, das Festival und der Kater
Sänger Dagobert auf dem Down by the River Festival 2011, Foto: Dorfdisco

Von Benjamin Cries

Samstag, etwa 23:00: Veranstalter Ran Huber dankt den Besuchern des Down by the River-Festivals 2011. Mit dem Fourtrack-Team ist es ihm nach 2009 und 2010 erneut gelungen, ein charmantes Musikevent an der Spree auf die Beine zu stellen. Diesmal auf dem Gelände des neuen „Kater Holzig“. Der Veranstalter war dabei nicht der Versuchung erlegen, das große Interesse an dem als Bar 25-Nachfolger gehandelten Ort zu nutzen, um übervolle Spielstätten zu vermeiden. Vielmehr war das Festival bereits am frühen Abend „ausverkauft“, obwohl die beiden Konzertstätten – Indoor Bühne und Bar am Fluss – noch freie Kapazitäten offenbarten.

Dies gab Gelegenheit, sich in Ruhe der musikalischen Darbietungen zu widmen. Schnell wurde klar, dass es sich hier um eine geschmackvoll zusammengestellte Mischung auch außerhalb des Singer-/ Songwritertums und des Folks handelte.

Gut gefielen zunächst „Blue In The Face“ mit einer feinen Mischung aus Noise und ein paar Popelementen. Eine kurzfristig auszufüllende Vakanz an der Gitarre führte bei dieser Berliner Formation zu einer zusätzlichen, erfreulich ungestümeren Note. Derweil erfreute der Berliner Crooner Dagobert die Besucher mit fantasievollen Texten zu noch ausbaufähiger Stimme.

Photos: Down by the River, 23.7.2011

Große Solo-Folkkunst zelebrierte anschließend Johnny Houx aus New York, der es tatsächlich schaffte, die alte Tante Folk aus den 60ern blitzsauber zu intonieren. Ob sich Bob Dylan in Berlin jemals in so guter Form präsentiert hat wie Johnny Houx solo, ist nicht bekannt. Zum Höhepunkt des Sets führte er mit einem hübschen, an das Traditional „Motherless Children“ (remember Sister Double Happiness?) angelehnten Song auf das Thema „River“ und damit auf den Festivalslogan zurück.

Der unter „Viking Moses“ musizierende Brendon Messel hatte sodann unter anderem noch einige an respektable Soulgrößen erinnernde Schreie zu bieten, bevor „Chinawoman“ belegten, dass sie nicht nur in Osteuropa zur neuen Popsensation taugen könnten. Der Zugang zur Indoor-Bühne musste jedenfalls limitiert werden, nachdem sich das Publikum zunächst noch etwas auf dem Areal verlaufen hatte.

Überhaupt die Location – Kater Holzig: prima Lage, toller Ort, Industriecharme, professionell in Szene gesetzt. Über den Vorläufer Bar 25 konnte man ja ganz geteilter Auffassung sein; dass sich da über die Jahre ein ganz „berlineigenes“ Feierszenario an der Spree entwickelt hatte, war indes unbestritten. Die neue, in monatelanger Fleißarbeit erstellte Location dagegen erinnert doch – zumal im Sonnenlicht – an reißbrettentworfene Erlebnisgastronomie. Sie führt auf den ersten Blick in die Vergangenheit: Berlin in den 90ern revisited.

Geschichte aber wiederholt sich nicht; im prachtvoll gammelnden Industriemauerwerk stecken statt postwendischer Improvisation nun fachmännisch verarbeitete Installationen, und es lockt ein hochpreisiges Restaurant. Das Ganze gemahnt ein wenig an das White Trash, allerdings mit dem Unterschied, dass hier nicht eine ferne amerikanische Redneck-Kultur zu Distinktionszwecken nachgestellt wird, sondern ein Berlin, wie es noch allzu gut bekannt ist. Fühlt sich an wie der Eimer mit Dachterrasse – und das bedarf dann doch noch der Gewöhnung.

Wohlgemerkt: der Ort ist gut gelungen und bietet reichlich Platz für allerlei buntes Treiben. Daher Daumen hoch für den Kater! Dem Publikum wäre aber noch zu wünschen, dass sich zukünftig eine etwas gelassenere Einlasspolitik durchsetzt. Hektische Gestalten, die sich in den Weg werfen, sind doch eigentlich unnötig.



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