Der Erfinder, sein Plüschtier und der Erfolg


Mr. Oizo live in der Fluc Wanne, Wien, 23.10.2008

Oktober 30th, 2008 | 0 Kommentare ...  

Der Erfinder, sein Plüschtier und der Erfolg
Quentin Dupieux aka Mr. Oizo ohne Flat Eric in der Fluc Wanne, Wien, Foto: PBrugner Dorfdisco 2008

Von Philipp Brugner

Quentin Dupieux war bis zum 20. März des Jahres 1999 ein noch relativ unbeschriebenes Blatt. Versuche, sich als Regisseur zu verwirklichen, machten schließlich viele und sind daher auch nichts Besonderes – auch nicht, wenn sich das französische Staatsfernsehen dieser annimmt.

Der Mann ergänzte sein Repertoire, wollte seine bewegten Bilder auch mit solcherart bewegender Musik unterlegen. Was dann passierte, kann man sich aufgrund seiner erwähnten Neigungen ausmalen – Musikvideo auf Musikvideo folgte. Vor allem Laurent Garnier, seines Zeichens immerhin einer der bekanntesten Techno-DJs Frankreichs, griff auf den produktiven Output seines Landsmannes Dupieux zurück.

Auf seine eigene Berühmtheit musste der Franzose bislang noch immer vergeblich warten. Bis dann plötzlich aus all seinen Filmen, Videos und Songs auf einmal eine gelb getränkte Plüschfigur ihren Kopf erhob, um den guten Quentin Dupieux, der seine Musik unter dem Synonym „Mr. Oizo” veröffentlichte, vor allem unter diesen Namen bekannt zu machen.

Flat Eric und sein Geburtstagslied „Flat Beat” waren geboren. Die filmische Leistung beim Clip zu Flat Beat war Dupieuxs Erfolg dabei weniger dienlich, es war das Lied selbst, das den bärtigen Franzosen schlagartig in die Laufbahnen des Disco-Kosmos beförderte. Zur kurzen Vorstellung: die Plüschfigur Flat Eric am Beifahrersitz eines Ford, während der House-Beat ihren Kopf in ein rhythmisierendes Auf und Ab versetzt. Also wahrlich keine Offenbarung des Regisseurs Dupieux, als vielmehr ein Goldgriff Mr. Oizos, dem Musiker Dupieux.

Mit diesem Präzedenzfall in Sachen „Wie macht man einen guten Jeans-Werbesong” wurde damals nicht nur dem schwächelnden Label von „Levi’s” neues Leben eingehaucht, sondern auch eine Welle der Begeisterung für Mr. Oizo und seinen treuen, gelben Stoffkumpanen ausgelöst. Auch wenn zweiter in der Fluc Wanne an diesem Abend nicht gesichtet wurde, besagte Welle ließ die ehemalige Fußgängerpassage des Clubs bei der von – wie konnte es anders sein – Levi’s gesponserten Nacht zu einer einmaligen Stehangelegenheit werden.

P.Brugner Dorfdisco 2008

Die Sektflasche: Mr. Oizo in der Fluc Wanne Wien, Pic: P.Brugner Dorfdisco 2008

Hatte man nämlich ausnahmsweise den Platz zum Stehen, war man fast gezwungen auch Selbiges zu tun. Wer sich Hoffnung auf mehr Platz machen wollte, der versuchte es mit Tanzen – für alles andere war es zu voll.

Dann tauchte er auf, der Franzose, dessen Glück mit einem Stofftier begonnen hatte. Hört sich irgendwie nach Kindergeschichte an, ist aber in Wahrheit nur die polarisierende Kraft einer simplen Werbefigur, die viel und oft rezipiert wurde und wird.

Das Set wurde von einer strikten Bass-Line getragen, welche immer wieder ihr Heil in der musikalischen Vielfalt der elektronischen Musik suchte – allein wäre sie doch ziemlich puristisch dagestanden. Dort mal Minimal-Einsprengsel, da mal eine Referenz an den guten alten Techno. Dass Quentin Dupieux gewisse Grenzen an den DJ-Pults gesteckt sind, kommt daher, dass er die großen Skills des Plattendrehens nicht beherrscht. Dafür geht er locker als umso begnadeterer Hedonist durch.

Aufgrund dessen, dass er stets eine Sektflasche bei sich hatte, müsste man es ihm ja eigentlich verzeihen, dass er seine Teller nicht ganz so intensiv bediente und immer wieder einfache Loops hernahm, um das Publikum bei Laune zu halten. Dafür reichte das aber allemal, hatte man manchmal doch das Gefühl, ihre Ausgelassenheit würde sie vor Tagesanbruch überhaupt nicht mehr nach Hause lassen.

Ob sich einige aus Angst davor, man würde im Laufe des Abends nun doch kontrollieren, ob auch alle Besucher Levi’s-Jeans tragen, vorzeitig auf den Weg machten, bleibt leider unbeantwortet.

Es wäre mir aber auch nicht aufgefallen, dass man meinen Hosenbund unter die Lupe genommen hätte.

Davon wäre Mr. Oizo da oben so und so verschont geblieben, nicht aber von einigen fragenden Blicken aus dem Publikum, die ihm immer wieder zugeworfen wurden. Die Frage, mit der er sich dabei konfrontiert sah, war eindeutig:”Hast du Flat Eric mitgebracht?”

Da dieser aber nach all den Jahren immer noch fröhlich in seinem Ford durch die Gegend kutschiert, war er erstens an diesem Abend nicht in Wien und ist zweitens der beste Beweis dafür, dass der Mann, der ihn geschaffen hat, ungebrochene Popularität genießt – Mr. Oizo.

http://www.myspace.com/oizo3000


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