Dee Dee Ramone


Dee Dee Ramone live im Knaack, 26.3. 2001

März 29th, 2001 | 0 Kommentare ...  

Dee Dee Ramone
Dee Dee Ramone Pics: Dorfdisco 2001

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Da ist er, hörte ich neben mir noch schnell geflüstert, und zack-zack, wantoofreefoo –
Dee Dee Ramone steht in alten Turnschuhen auf der Bühne und brüllt ‘Rockaway Bäätch’.

Innerhalb Minuten folgen Lobotomy, dann Cretin Hop, dann I Don’t Wanna Go Around With You undsozweiviersofort bricht das Eis, das die lokale Vorgruppe bei den Knaack-Leutchens hinterlassen hatte. Ich fand sie ja ganz süss, spielten ‘Baby, Baby’ von den Vibrators, aber Lobotomy, also Lobotomy, der Dj aus dem Roten Salon kam als einziger Bekannnter noch auf mich zu und meinte: Irgendwie zu spiessig. Mag sein. Aber Dee Dee natürlich nicht!

Wer jemals auf einem, manche sagen je früher desto besser, Ramones Konzert gewesen war, weiss natürlich was jetzt passiert. Wer dies Vergnügen bislang nicht gehabt hat, kann das bei Dee Dee nachholen. Schließlich befindet man sich hier bei der ersten Adresse des für damalige Verhältnisse nur schneller gespielten Rock’n’Rolls, das 1974 noch irgendwie ‘Teenage Music’ war, und weit entfernt von Begriffen wie Punk.

Zu dem Zeitpunkt spielten die vier Ur-Ramones um Dee Dee, Tommy, Johnny und Joey noch vor Freunden im CBGB’s, etwas einfältig so o-o- der Finger muss noch ein bischen höher auf C, machten Aufnahmen mit Haushaltsgeräten und Bilder mit Farbe aus Speiseresten, oder schritt wie Joey den Broadway auf 12cm Plateausohlen im pinkfarbenen Dress mit Boa ab.

Als es dann nicht lange brauchte dass man für sowas eins in die Fresse kriegte war das Fundament für den bissigen Humor um Gesellschaft und jung sein gelegt. Das nannte ein Legs McNeil dann Punk. Und seitdem hiessen sie alle Punk-bands und die Ramones, die sich nach Paul McCartneys frühen Künstlernamen ‘Ramon’ benannten, hatten gerade die erste Platte draussen.

Dee Dee Ramone    Photos © Dorfdisco 2001

Dee Dee Ramone Photos © Dorfdisco 2001

Hey Ho, Let’s Go! Der übernommene Ruf der Vietnam Krieger klingt denn aber schon etwas merkwürdig aus einer Horde Zwanzigjähriger, Blitzkrieg Bop, auch so eine Anspielung die Dee Dee aus seinen Kindheitstagen aus Bitburg mitnahm, wird befreiend mitgeschrien und 53rd’n 3rd, ich will ja nicht zynisch sein, aber ob die wussten, dass der Song von einer New Yorker Strassenecke handelt, an der man seinen A…. für ein paar Dollar an Schwule verkaufte, um damit die tägliche Heroinportion zu bezahlen?

Dee Dee hatte davon nicht früh genug und als er nach so vier fünf Stücken sein verschwitztes T-Shirt auszog entblösste er seinen alten Gladiatorkasten, übersät mit Tätowierungen samt dem Skorpion, der den Affen im Griff halten soll, so wie heute. Als Stormtroopers des Rock’n Roll und fit bis in die Haarspitzen waren die gut 30 Songs nach anderthalb Stunden routiniert und mit Energie abgeballert, als in der Zugabe nach ‘Pet Sematary’ mit ‘Pills‘ (New York Dolls) und ‘Chinese Rocks’ (Dee Dee/ Jhonny Thunders) noch ein paar giftige Bonbons New Yorker Endsiebziger Gitarrenschule serviert wurden.

Please Mr. Postman, mein Gott, das hab ich doch schon mal mit 6 gehört, war eine der Zugaben. Es klang ein bischen wie Sinatra. Aber weil Dee Dee diesen Ramones Sound gemacht hat schafft er es noch aus einem Sinatra Stück einen Pogokracher zu machen. Ziemlich geübt für den, der keinen Unterschied zwischen Strophe, Refrain oder Chorus zu kennen vorgab.

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Diese traurige Nachricht erreicht uns am 16. April:

Joey Ramone, Sänger der Ramones verstarb am 15.4. um 14 Uhr 40 in einem New Yorker Krankenhaus an Lymphkrebs.

Wir trauern um den coolsten Typen in Rock der letzten 25 Jahre!

Joey R.I.P

Joey R.I.P



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