Datscha-Project: Messer Chups, Pakava It


Messer Chups, Kesselhaus 22/1/2005

Januar 30th, 2005 | 0 Kommentare ...  

Datscha-Project: Messer Chups, Pakava It
Messer Chups, Kesselhaus 22/1/2005, Photo by Frollein K.. © Dorfdisco 2005

Von Frollein K

Das Datscha-Projekt aus Hamburg ludt mit zwei nicht mehr ganz unbekannten russischen Bands zum Tanz, die im Rahmen ihrer Westeuropa-Tourneen im Kesselhaus einschlugen.

Los ging’s mit den Messer Chups, die am Vortag schon im CCCP-Club anzutreffen waren: Sexy, vampiresk, okkult, irgendwie kriminell und verboten. Die St. Petersburger kombinieren Surf, Elektro und russisch-englische Zitate aus Trash-Movies der 60er zu einem sehr klaren Stil, den sie ‚Äěpost-easy-listening” nennen. Messer Chups sind seit 1998 das in Hamburg geborene Parallelprojekt von Messer für Frau Müller mit Gitarrist Oleg Guitarkin als Kopf. Diesmal steht er zusammen mit Bassistin Zombie Girl auf der Bühne. Eine kurze Begrüßung und das aufregend morbid wirkende Duo erstarrt zu fremdgesteuerten Gitarrenrobotern, beginnt zu spielen, hinter ihnen die Leinwand blutrot.

Das Publikum im gut gefüllten Kesselhaus war vom ersten Moment ab gebannt, denn Messer Chups sind ein Bühnenkonzept. Die bezeichnenden Soundbits der Stücke, die schon von Konserve für eine sehr klare Bilderzeugung im Kopf sorgen, wurden noch einmal durch projizierte Filmschnipsel, Comics und selbstproduzierten Elemente aus den unglaublichsten SciFi-Horror-Erotica-Filmen verstärkt: dreiäugige Monster, psychedelische Spiralen, Riesenmenschen, ohnmächtige Frauen, Drogenerfahrungen und Sex. Das alles synchronisiert mit rotem und blauem Licht und dem präzisen Zusammenspiel von Oleg und Zombie Girl, die sich nicht ein einziges Mal anschauten. Also zuschauen und tanzen. Nach nur ca. 45 Minuten färbte sich die Leinwand wieder rot. Oleg und Zombie Girl liessen die Instrumente sinken, eine kurze Verabschiedung in Russisch: Vielen Dank, liebe Freunde!

Leider gibt es keinen CD-Merch, was sehr bedauerlich ist, denn Messer Chups-CDs sind eher schwer zu bekommen. Zwei Singles gibt es auf dem unabhängigen Label Comfort Stand, die insgesamt 7 LPs sind bei Solnze Records erschienen. Auf einigen spielt Lydia Kavina mit und das, liebe Freunde, ist die Enkelin von Leo Theremin. Ansonsten hält der Internet Mailorder von Stora das (fast) komplette Programm vor.

In der Umbaupause gabs eine halbe Stunde fröhliche Balkan-Beats vom Plattenteller für ein ebenso fröhliches Publikum, dass binnen kürzester Zeit, man kann’s nicht anders sagen, epileptisch tanzte.

Die danach aufspielenden Pakava It, was übersetzt soviel wie die Fanfaren Moskaus heisst, sind ein fröhlicher Haufen russischer Musiker, der aus ca. sieben bis zwanzig Leuten besteht und vornehmlich auf Festivals auftritt. Diesmal stürmten sieben Männer und eine Frau mit Tuba, Saxofon, Trommeln, Banjo, zwei Posaunen, einer Akustik-Gitarre und diversen Percussion-Instrumenten die Bühne. Nein, das ist keine Musik, die man allein und von CD hören möchte. Man würde wahrscheinlich wahnsinnig wegen des ganzen Frohsinns gepaart mit Kopfschütteln darüber, wie man’s denn nennen sollte. Karibik-Ska im Russendisko-Outfit vielleicht . In jedem Fall lustige Musik mit wechselnder Instrumentierung, super bläserdominiert und durchweg tanzbar. Bombenstimmmung im Kesselhaus also, nicht zuletzt auch wegen Pakava It’s eingeschworener Fangemeinde, die wohl jeder Geschwindigkeit stand hält und 90 Minuten ohne Unterbrechung klatscht und pfeift. Irgendwie klar, dass die Fanfaren Moskaus auch auf den Russendisko-Hits 2-2022 drauf sind.

Gute Unterhaltung war das – und irgendwie erwachsen. Schließlich war ich schon gegen 3.00 zu Hause!



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