Das Glitzern in den Augen von Dave Day


The Monks Live in der Volksbühne, 23.10.2006

Oktober 30th, 2006 | 0 Kommentare ...  

Das Glitzern in den Augen von Dave Day
The Monks, Live in der Volksbühne, 23.10.2006, Photo © by Tanja Krokos

Von Kurt Kreikenbom

Großer Bahnhof mit Stargästen am Rosa-Luxemburg-Platz, als die MONKS ihr erstes Konzert auf deutschem Boden nach knapp 40 Jahren geben. Anlaß für die Party: der nach acht Jahren fertiggestellte Dokumentarflm ” Monks – the transatlantic feedback” von Dietmar Post und Lucia Palacios (zugleich erster Programmpunkt des Abends) und die parallel veröffentlichte Doppel-CD “Silver Monk Time – a tribute to The Monks”, für die die Filmemacher eigens ein Label gründeten.

The Transatlantic Feedback

Interviews mit den fünf Bandmitgliedern, Zeitzeugen und prominenten Fans und beeindruckendes Archivmaterial aus den Sixties lassen die Atmosphäre im muffigen Deutschland Mitte der Sechziger wieder lebendig werden, vor allem aber die Mittel und Wege der Monks, dem mit Nachdruck etwas entgegenzusetzen. Da sitzen die alten Knaben und erzählen von früher und können es selbst kaum fassen, daß ihre Band Jahrzehnte später noch im Gespräch ist, während ihnen seit damals das Leben ziemlich mitgespielt hat. Schlagzeuger Roger Johnston fasst nach seiner Zeit als Monk nicht mehr Tritt in der bürgerlichen Welt, ist lange obdachlos; erst spät bekommt er als Kirchendiener wieder einigermaßen Boden unter die Füße. Aber er bereut nichts – wenigstens ist er nicht in Texas geblieben und wurde ein Redneckarsch wie die meisten seiner Schulfreunde. Er starb 2004. Dave Day sieht man an, daß er mit den Monks etwas erlebt hat, was ihm die Welt draußen nie wieder geben konnte. Sichtlich gezeichnet von mehr downs als ups hat er dennoch dieses Gltzern in den Augen, wenn er von seiner Zeit in der Band erzählt.

Eine Platte zum Film liegt ja nah bei einer Musik-Doku, und als Mark E. Smith vorschlug, statt bereits veröffentlichter Monks-Covers doch gleich was neues einzuspielen, war die Richtung klar. Für alle Beteiligten war es eine Ehrensache, da mitzumachen. Ich erspare mir und Euch an dieser Stelle die beeindruckende Liste der Mitwirkenden und verweise auf die Homepage des Labels.

It’s Monk Time

Am Merch-Stand treffe ich neben den Gastgebern Post und Palacios auch die Ehefrauen zweier Monks. Sherrie Shaw beeindruckt mich mit ihren Ohrringen mit eingravierten Monks-Texten (rechts “I hate you”, links “but call me”) und genießt sichtlich den Trubel – die Volksbühne ist ausverkauft.

The Monks Gäste: Mark E. Smith Photo © Tanja Krokos

The Monks Gäste: Mark E. Smith Photo © Tanja Krokos

Anhand der Lacher im Publikum während der Filmvorführung lässt sich erahnen, daß der Laden voller Musiker ist, die auch schon mal ihre Vision gegen widrige Umstände behaupten mussten. In der Pause bestätigt sich mein Verdacht – vor lauter hallo und kurzem Austausch neuester Nachrichten verpasse ich im Theater die kurze Diskussion über den Film.

Alec Empire sorgt mit einem sehr geschmackssicheren DJ-Set für Pausenentertainment, bis gegen elf der Gong ertönt und alle wieder ihre Plätze im Saal einnehmen. Die drei Original-Monks Gary Burger, Eddie Shaw und Dave Day, der neue Drummer Len Curiel und Keyboarder Mike Fornatale werden zur Begrüßung bejubelt. Die ersten 15 Minuten des Auftritts sind dennoch verhalten, mag sein, es liegt am Mix (zu leise!) oder an den komischen Gitarrenverstärkern (Fender? Vox? Nix da: Marshalltürme!).

Dann kommt Mark E. Smith als erster der geladenen Spezialgäste auf die Bühne. Unnachahmlich stiftet er Verwirrung, singt sehr präsent und etwas unleidlich seinen Part und ist nach knapp 2 Minuten mit einem Grinsen wieder verschwunden. Danach dreht die Band sichtlich auf. Die Monks klingen 2006 zwar nicht mehr wie die Revolution in Person, aber die Volksbühne haben sie fest im Griff; Gitarre und Banjo zeigen Tanzschritte, Mike Fornatale ist als Sänger und Organist gleichermaßen beeindruckend. Das hier ist keine Oldieshow. Während Eddie Shaw und Gary Burger gut gelaunt, aber eher zurückhaltend agieren, gibt Dave Day alles und hat offenbar die Zeit seines Lebens.

Peter Hein glänzt bei “We Do Wie Du” (Heimvorteil: die Eröffnungsnummer bei der letzten Fehlfarben-Tour), die Band ist sichtlich gerührt davon, daß er sich ziemlich ‘reinhängt. Schorsch Kamerun kommt im Nonnenkostüm, sein Auftritt wird dadurch aber auch nicht zwingender. Egal: mit den Raincoats Ana Da Silva und Gina Birch und dem “Monk Chant” folgt gleich darauf der Höhepunkt des Abends. “The Monks don’t do encores, we’ll play one more and that’s it” erklärt Gary Burger anschließend, und nach einem mitreißenden “I Hate You” geht die Band von der Bühne. Minutenlanger Applaus, lediglich Dave Day kommt nochmal wieder, strahlt über’s ganze Gesicht und schwenkt triumphierend seinen Banjokoffer. Dieses Glitzern in den Augen. Heul.

Alec Empire hatte anschließend leider nur kurz Gelegenheit zu zeigen, daß er eine astreine Blues-Sammlung hat, die Party wurde wegen zu hoher Lautstärke schnell beendet. Dafür hatte ich noch Gelegenheit, jemand zu sprechen, der die Monks bereits 1966 in Euskirchen gesehen hat. Sollen musikalisch nicht so gut, aber lauter, härter und schneller gewesen sein damals. Ich glaub’s gern.

www.the-monks.com

www.playloud.org



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