D.A.R.L.I.N.G.s of Ceremony


Beach House im Lido, 1. Juli 2010

Juli 2nd, 2010 | 0 Kommentare ...  

D.A.R.L.I.N.G.s of Ceremony

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Stell dir vor, du kommst von einer Party. Du hast dort langweiligen Smalltalk mit einer Soziologiestudentin gehalten, während die hübsche Person deines Interesses mit jemand anderem den Raum verlässt. Du bist genervt und gelangweilt, gehst nachhause, stellst fest wie schön die Stadt bei Nacht ist und beschließt, nicht auf den Bus zu warten, sondern am Wald entlangzulaufen. Auf einmal galoppiert ein Zebra vorbei, du springst auf und du wirst in den Wald getragen, wo es dich dich an einer Lichtung abwirft. Dort hängen glitzernde, lamettabestickte Oktaeder in den Bäumen, aus der Ferne kommt ein leises Rasseln näher und plötzlich vernimmst du ein stakkatohaftes Hauchen.

Das wäre der perfekte Vorlauf für ein Beach House Konzert wie es gestern Abend im Lido stattfand. Der Temperatur zufolge befindet man sich eher im Äquatorgebiet denn im Treptower Park, aber das tut der Show von Victoria Legrand, Alex Scally und ihrem Drummer keinen Abbruch, sondern intensiviert das intensive Zusammenspiel von Orgelkeyboard, E-Gitarre und beckenlastigem Drumset. Victoria Legrand wirkt hinter ihrem Keyboard wie eine Zeremonienmeisterin: erhaben, aber auch so unter Spannung, dass man meint, sie könnte zu jeder Zeit in unbändige Wut ausbrechen. Jede Handbewegung, jedes Beugen über die Tasten hat eine Wirkung auf die Musik und auf das Publikum. Man wohnt hier keinem normalen Konzert bei, Beach House sind eins mit ihren Songs und verlieren sich zeitweise in den schwelgerischen Melodien, die sie herzaubern. Das geht bis zum Headbangen der schönsten braunen Locken der Welt.

Beach House spielen beinah alle Stücke ihres neuen Albums Teen Dream vor, was wie bei den ersten Takten von Used To Be und der ätherischen Steigerung aus Beachgitarre und majestätischer Stimme bei Zebra Jauchzen und Freudensrufe im Publikum bewirkt. Und genau wie auf Platte bilden die Songs getragen von der einzigartigen, tiefen Stimme Legrands live ein fesselndes Ganzes.

Die Hitze, die den Raum füllt, erzeugt weitgreifende Konzentration im Saal. Es gab schonmal eine ähnlich schwüle Atmosphäre. Letztes Jahr im August bei dem vierten ihrer heute sechs Berlinkonzerte wünschte man sich, Beach House würden ewig weiterspielen. Damals bekam man den Wunsch nicht erfüllt, heute folgen glücklicherweise Real Love und schließlich 10 Mile Stereo als Zugabe. Ein berauschender Abschluss nach einem beeindruckend einnehmenden Konzert, eines der besten dieses Sommers.

http://www.beachhousebaltimore.com/

http://www.myspace.com/beachhousemusic

Setlist (unter Vorbehalt)

  1. Norway
  2. Used To Be
  3. Walk In The Park
  4. Lover Of Mine
  5. Silver Soul
  6. Master Of None
  7. Unbekannt/Neues Lied
  8. Gila
  9. Astronaut
  10. Zebra
  11. Heart Of Chambers
  12. Take Care
  13. Real Love
  14. 10 Mile Stereo


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