Cat Pack: Wired Stuff


April 25th, 2005 | 0 Kommentare ...  

Cat Pack: Wired Stuff
Vordere Reihe: Miss Le Bomb, Heidi Mortenson... im Barbie Deinhoffs, Photo © Dorfdisco 2005

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Eigentlich wollte-sollte ich mich über’s Wochenende auf eine Einladung in den Flieger nach Amsterdam setzen, aber dann war die Maschine (natürlich) schon wieder ausgebucht, und dann kam wieder mal alles anders. Denn kein bischen frustriert (hust) schaue ich so über unseren hauseigenen Gigkalender und siehe da, im Barbie fugidiva Deinhoffs, diesem berüchtigten Männeraufsturz und Mädchenabsturzladen im hinter-hintersten Kreuzberg sitzend unter einer breiten, roten Neonreklame traten an dem Abend ein paar merkwürdig anmutende Geschöpfe mit Damenbezeichnungen auf: Heidi Mortenson, Miss Le Bomb, Monotekktoni, Chicks on the Street, Dj Mysterious Girl…

Kurz zuvor musste-wollte ich auf Einladung eines guten Freundes noch seine neue Band im Bassy, übrigens ein berüchtigter Mädchenaufsturz und Männer- absturzladen anhören, zu dem frühen Zeitpunkt waren aber erst 5 müde Leute gekommen, also traf ich erst gegen 12 Uhr im Deinhoffs ein und musste schon einiges verpasst haben. Denn ein untrügliches Zeichen für eine gute Party ist wenn auch noch welche draussen vor der Tür stehen um sich laufend von einem gewissen Sauerstoffmangel drinnen zu erholen.

Und drinnen war es nicht nur undurchdringlich voll, im hinteren Raum in der Grösse eines mittleren, mit einigen Sofas ausgestatteten Räumchens tobte zu dem Zeitpunkt schon der Bär in Gestalt von Miss Le Bomb, einer heiteren Furie mit Kindergeburtstagsattitude. Was sag ich da? Kindergeburtstag? Also, ich möchte mich hier nicht gerade festlegen, wer einmal die Worte Miss Le Bomb eingoogelt wird noch auf ganz andere Spiränzchen von ihr stossen, u.a. mehrere Auszeichnungen für bildende Kunst, aber dieser Abend schien doch ganz in diese Richtung zu gehen. Die ganze Zeit trällerte und hüpfte Missi Le Bomb auf der bunten Bühne auf und ab, forderte unablässig die Aufmerksamkeit der Zuhörer- und schauer in Form von Aufrufen mitzusingen oder irgendwas anders zu machen, hauptsache irgendwas zu machen!

Miss Le Bomb, Photo © Dorfdisco 2004

Miss Le Bomb, Photo © Dorfdisco 2005

Und damit das auch nicht auf der Bühne abriss war gegen Ende ihres Auftritts ihr Auftritt darin gekommen, auch schonmal alle ihre Freunde auf die Bühne zu bitten um den Chorus irgendeines Casiogeschwängerten Stückes aufzu-singen, als ich da erkannte Janine Rostron von Planning to Rock, Kevin Blechdom von Kevin Blechdom, zwei weitere Gutgelaunte die unte dem Titel Girls (oder Chicks?) on the Street firmierten und Heidi Mortenson eben, deren Präsenz so unübersehbar ist wie ein tätowiertes Märchen auf Speed.

Also diese Heidi, deren Aufgabe es ist alle möglichen elektronischen Kindersachen zu einer Party umzufunktionieren und als One-woman-band Elektro-folk mit schmutzig-dröhnenden Basslinien auf verdrehten Popappeal zu einer full-power-Performance kumbiniert, ist für viel muskalische wie leibhaftige Überraschung gut. Am Ende war es ihrer Lange-Herrenunterhosen-manie zu verdanken, dass die ganze Nummer in einer Kissenschlacht endete. Dazu aber erst später, spääter, ja.

Zunächst trat nämlich auch noch Monotekktoni auf, übrigens ein Namenspiel auf Tonia spielt mono Techno, oder so. Jedenfalls besitzt Monotektoni die Gabe scheinbar schier widersprüchliches musikalisch zusammenzuhalten, Bruchstücke live übereinanderzuschichten und dennoch einen tanzbaren Tanzbeat dazu zu zaubern. Und in ihren kurzen, goldenen Raumfahrerleggings mit der Packung PS im Ausschnitt sieht sie dann auch noch aus wie Spider from Venus. Monotekktoni a.k.a. Tonia Reeh ist überhaupt eine der leuchtenden Gestalten des Berliner Musiklebens, früher noch mit Das Zuckende Vakuum und heute noch mit Masonne unterwegs, hat sie schon einige verstörend schöne Alben released.

Zum Grand feel-good-factor Finale packten die wildgewordenen Katzen zu John Lennon’s Jealous Guy als “die falschen Musiker in der richtigen Musikszene” die Schlafzimmerschlacht aus, schmissen mit dem Charme einer Sitcom mit Kissen um sich und selbst aufeinander und gaben der kleinen Bühne einmal mehr ihre Bedeutung als Spielwiese zurück.

Unter dem Titel “Wired Stuff” gastiert das Cat Pack zur Zeit monatlich in verschiedenen Berliner Clubs. Wird es wieder so luschtig als wie im Deinhoffs? Wer weiss. Bei dieser Energie werden die Sympathiefunken sicherlich auch noch woanders zünden.



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