Blumen und Knutschfleck


Jens Friebe im Festsaal Kreuzberg, 4.10.2005

Oktober 12th, 2005 | 0 Kommentare ...  

Blumen und Knutschfleck
Feiern bis ich Fall: Jens Friebe , Photo: Dorfdisco 2005

Von Marie

Endlich wieder ein würdiger Dandy, endlich wieder Jens Friebe.

Ich habe darauf gewartet Jens Friebe mal in voller Länge bewundern zu können. Schon zwei mal hat man mir schon einen Vorgeschmack davon gegeben, wie die prädestinierte Bühnenpflanze in voller Entfaltung strahlen könnte: beim Melt Festival, wo man ihm die unliebsame Aufgabe des ersten Acts des Tages hat zukommen lassen, und bei seiner Record Release Veranstaltung zum “In Hypnose” Album, bei der es aber eben mehr ums Feiern ging und nur wenig des neuen Werkes präsentiert wurde (OK, wahrscheinlich waren ihn all seine professionellen Partymeute-Freunde sowieso schon im Studio besuchen).

Diesmal stand aber des Entertainers Tourauftakt im so gut wie ausverkauften Festsaal an, wo nicht nur das Video zu “Kennedy” gedreht wurde. Auch sonst stimmte das Verhältnis. Denn für Britta, die erstmals vor ihm spielten, durfte Friebe einmal als Schlagzeuger von Bum Khun Cha Youth supporten. Und da in beiden Bands Julie Miess am Bass steht (man munkelt dass Jens und Julie, ihr wisst schon…), überschneiden sich auch noch alteingeschworene Fans.

Da merkt man, dass ihm das Heimspiel in Berlin liegt. Diese unsicher wirkende Distanziert- und Trockenheit, die dem schlaksigen Künstler trotz der ganzen “Teilen und Zusammenkommen” Texte anhaftete, verschwindet im Laufe des Konzertes. Es ist kein Zähneknirschen mehr zu hören während den Stücken, bei denen er ganz alleine zur Playbackmusik auf der Bühne steht.

Dabei sind genau diese Momente die schönsten und faszinierendsten bei seinen Auftritten. Die Eigenart und Weise wie er seine hypnotischen Hüften geradezu pornographisch kreisen lässt, das unter dem Rockstar-T-Shirt hervorzupfte, glitzernde Goldkettchen,  die blonden Strähnen, die aus seiner sonst so perfekt sitzenden Frisur ausbrechen und mit gekonnter Handbewegung wieder zurückverwiesen werden, seine divaeske Attitüde, dass ich den Drang ihn zu fragen, ob er nicht mal mit mir tanzen gehen möchte, nicht aus meinem Kopf krieg. Wie muss das sein: eine ganze schlaflose Nacht Friebes Bewegungen bestaunen…

Ein bisschen herauszögern konnte das Publikum seinen Abgang glücklicherweise auch: Drei mal musste er wieder zurück auf die Bühne um dem etwas knappen Set seine Zugaben zu geben (inklusive Wiederholung eines Songs – alles korrekt gemacht: beim zweiten Mal wird man halt erst richtig warm!). Das brachte ihm sogar rote Rosen irgendwelcher Feuilletonleser ein. Popstartreatment für jemand auf dem Weg nach oben. Jetzt muss er das Angebot der Schönste zu sein nur noch annehmen.

Abgefeiert: Friebe und die Hypnose, Foto: Dorfdisco 2005



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