Billige Unterhaltung auf hohem Niveau


Kid Congo and the Pink Monkey Birds, Admiral Black, Jimmy Trash live im Festsaal Kreuzberg, 1.12.2011

Dezember 4th, 2011 | 0 Kommentare ...  

Billige Unterhaltung auf hohem Niveau

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Es ist 21 Uhr und noch nicht wirklich viel los im Festsaal. Schon drängen sich einem die Gedanken auf ob das heute Abend gut geht bei Kid Congo and the Pink Monkey Birds. Allzu bekannt sind sie trotz Kid’s legendärem Vorlebens ja eigentlich doch nicht. Als dann noch von zwei Vorgruppen die Sprache ist, fürchte ich gleich um die Premiere vom Chez Icke, zu der ich auch noch hin wollte. Congo’s Vorprogramm soll aber nur Kurzeinsätze liefern, ich atme auf, trotzdem, so ein Abend verläuft bekanntlich anders.

Denn Jimmy Trash and the Gunpowder of Heaven, von mir zuletzt als ziemlicher 60s Retromüll abgehakt, brüllt heute abend fulminant los und steigt dem Publikum sprichwörtlich aufs Dach. Dass Oska von Chuckmuck seit längerem die Gitarre hält (sofern sie ihm vom Hals rutscht, und das tut sie permanent) und zwischendurch mit dem Finger mal gekonnt in der Nase bohrt oder Jimmy sich das Mikro gegen Ende mal rektal in die schwarze Lurexbutz schiebt, passt zum grollendem Kottigebrüll dieser schlechter als Vorschule-tätowierten Rockhalunken – irgendwie grottig-rockig, aber charmant und, wichtiges Kriterium, ertragbar! Fazit: guter Start, Kumpels!

Die danach aufspielenden Admiral Black hattens dagegen nicht so leicht, weil musikalisch um einiges professioneller, was in diesem Authentizitätszirkus immer dann gefährlich rückkoppelt, wenn einem die Vorgruppe ebendieses als ihr wichtigstes Merkmal vorweg ausreizt. Oberadmiral Shaun Black wusste genau um diesen Umstand und fegte jeden Vergleich sogleich mit dem passenden Lob in Jimmy Trashs Richtung weg: its fuckin hard to play after Jimmy Trash, especially when the microphone stinks of so much shit!

Dafür sieht man Sir Shaun Mulrooney stets in elegant klassischem Outfit, und heute abend war es ein 60s Paisleyhemd unter grünem Samtsakko, der Sound war auf einmal schwer basslastig, treibend und wollend. Shaun wirbelte ganz Frontsau mit seiner abgewetzten Fender ein paarmal um die eigene Achse und klingt ein wenig als wäre er als Jon Spencer im Macca Rave der 90er gelandet. Spätestens wenn die Orgel zu The Worm of the Third Sting einsetzt findet auch hier die neue Psychedelic Welle statt, kein Wunder, klingt hinter der ganzen Wucht von The Worm of the Third Sting doch irgendwie das Beatles Here comes the Sun! Zum Schluss wurds gar noch deutsch, Can liess grüßen, brachte aber trotz Sensational Shrines Keyboarder Fred Fredovitch nichts Neues.

Dennoch, was an manch anderem Ort schon zur vollen Abendunterhaltung gereicht hätte, war hier nur Vorprogramm. Denn die Band, auf die man sich wieder besonders freuen durfte war in town: Kid Congo and the Pink Monkey Birds, eine der symphatischsten und unterhaltsamsten Gruppen und mit Kid Congo Powers ((ex-Gun Club, ex-Cramps, ex-Nick Cave and the Bad Seeds)) an Gitarre und Vocals sicherlich auch legendären Referenzdropper, ex-Wahlberliner und was nicht noch alles.

Eine musikalische Vorgeschichte worunter Normalsterbliche unweigerlich einknicken würden, doch dies ist Kid Congo, dem es gelingt nach 30 Jahren internationaler Reputationen seinen eigenen Stil zu markieren, ein fuzziges Gitarrenspiel im klassisch-offenen E-Tuning, anstrengungslos, simpel, leicht und effektiv unterstützt von einer Band, der man tagsüber vielleicht paar Liter Benzin abkaufen würde, dessen wasserdichtes Zusammenspiel aber nichts anderes zulässt als ausgelassensten Tanz.

Kiki Solis (bass), Ron Miller (drums) und Jesse Roberts (Gitarre) bilden jene Pink Monkey Birds, und sie haben ein neues Album namens Gorilla Rose aufgenommen, wieder da hinten im tiefsten Kansas in Ron Millers eigenem Studio, inmitten von nichts, das heisst, in einer bewohnten High-School inmitten von nichts, in der rund hundert Früchtchen das kreative Leben fern von der Problemen der Großstadt selbst organisieren. Dort gedeihen solch Titel wie Lord Bloodbathington, Bo Bo Boogaloo, Catsuit Fruit oder Hills of Pills, Kids Comicvisionen von Klischee beladenen Abtrünnigkeiten,  verpackt in ursprünglichste Billig-Unterhaltung auf hohem Niveau, von Congo höchstselbst nur mit grummelden Versatzstücken durchproklamiert, und wie perfektioniert für die Muppets !

Der Festsaal, mitlerweile doch gut gefüllt, bebt von Anfang an zu den stampfenden Klängen von Lord Bloodbathington, welches die Bandbreite zwischen Surf, Beat und Erzählung sogleich absteckt. Es folgt At The Ruin of Others und spätestens bei I Found A Peanut, jenem Thee Midnighters Klassiker, den Kid als Jugendlicher liebte und auf seinem letzten Album Dracula Boots für sich verewigte, wird geschüttelt und getanzt. Zwischendurch hält Kid belustigende Ansagen über Plattenläden (Other World) und bodenlanges Haar (Floor Length Hair), bis es zur Mitte mit I’m Cramped die erste Referenz an die Cramps gibt. Auch For the Love of Ivy von de Gun Club ist standardmäßig Programm, so wie ein Zitat aus Mother of Earth, von The Gun Club’s zweiter LP Miami, was mir, als alten GC Fan, das Herz brach.

Hätte ich nicht mal wieder mit meinem Fotoapparat hantieren müssen, meine Arme hätten wohl reichlich in der Luft gestanden und das Haar bodenlang über die Stiefel gewachsen.  Gegen eins war die Party leider vorüber, und wieder Bunker Mentality angesagt, aber nein, Kid wäre wohl nicht Congo, wenn er nicht 5 Minuten nach dem Auftritt vorne am Merchstand steht und mit seinen “Berliner Bekannten” redet. Dann stellt sich auch heraus dass man gleich rüber im Monarchen eine Aftershowparty abhalten wird, bei der DJ Lobotomy und Kid, beide ausgewiesene 7″ Single Sammler, an den Plattentellern stehen werden. Tja Chez Icke, ich habe dich noch gesehen, aber du warst schon rum und deshalb gings bei mir noch bis in den frühen Morgen am Kotti weiter.

Kid Congo and the Pink Monkey Birds – Setlist Dec. 1/11

Lord Bloodbathington
Ruin of Others
Peanut
Yeti
Goldin Browne
Floor Length Hair
Black Santa
Other World
Cramped / Ivy
Catsuit Fruit
Bo Bo Boogaloo
Gorilla Rose
Bunker Mentality
Bubble Trouble
Sex Beat
LSDC
(+ encore)



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