Bibeltexte vs. Abschlussklasse


Chuckamuck, Jimmy Trash live im Madame Claude, 30.10.2009

November 2nd, 2009 | 0 Kommentare ...  

Bibeltexte vs. Abschlussklasse

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Eigentlich bestehen Chuckamuck aus vier Personen, im Madame Claude waren sie am Freitag in der abgespeckten Version als Zwei-Mann-Show zu sehen. Das lag wohl unter anderem an den räumlichen Möglichkeiten der Wir-stellen-alles-auf-den-Kopf-Kneipe. Auch der Grund, warum Jimmy Trash, als Vorband von Chuckamuck, in der „keuschen” Version zum Zuge kam. Beide Bands spielten auch schon kombiniert, sprich Jimmy Trash mit Mitgliedern von Chuckamuck. Doch die üblichen zwei Drumsets hätten den Laden wohl in die Luft gejagt oder einige Trommelfälle platzen lassen. Wahrscheinlich wurde auch deshalb so pfleglich mit den Instrumenten umgegangen. Keine demolierten Trommeln oder aufmüpfigen Aktionen, entgegen einiger Erwartungen.

Chuckamuck Sänger, Oska Wald, klampfte brav seine Akustikgitarre und sang dazu in seiner herrlich schiefen Stimme, bei der man wohl davon ausgehen kann, er hat von Kurt Cobain schon mal was gehört. Lorenz O’Tool unterstützte ihn mit Fußpercussion und E-Gitarre und heraus kam ein wunderbarer Trash-Garage-Sound, der mehr in Richtung Rock `n Roll zeigt und somit manch altbekannten, monoton-verschlafenen Garagerock aus seiner Lethargie befreit und der Geschichte einen neuen rotzig-schwungvollen Anstrich gibt. Unheimlich schräg muss das Ganze dabei klingen, sonst wären es nicht Chuckamuck.

Maja Preitz

Chuckamuck, Foto: Maja Preitz

Zum letzten Song sprang dann auch Jimmy Trash in seinem Pastoren Aufzug noch einmal auf die Bühne und so grölten sie zu Zweit ins Mikro, wobei Jimmy dazu energisch die Klaviertasten hämmerte.

Schon als Jimmy Trash den Beginn seines Konzerts oben in der Bar ankündigte, appellierte er, mit Bibel in der Hand, an die Christlichkeit der Zuhörer und unten ging‘s dann weiter mit Bibelstories und Songs, die eher vom Sündenfall handelten. In der Mitte der Bühne ein vollbärtiger Banjospieler und links wurden die, am Boden stehenden, Trommeln in einer Weise bearbeitet, dass man hätte meinen können, es wird ein Voodootanz vollzogen. Absurder Psychobilly Folkpunk der sich zwischenzeitlich dem gospelmäßigen Frage-Antwort-Spiel hingab, um am Ende dann noch einen Ghettoblaster herauszukramen, der oben auf dem Klavier ein paar kratzige psychedelische Klänge ausspuckte.

Das ebnete dann also den Weg für Chuckamuck, die zwar etwas weniger schräg in der Aufmachung die Bühne bevölkerten, doch mit ihrer Musik nicht weniger Stimmung machten. Die Jungs von Chuckamuck sind zudem noch ziemlich jung, was ihren neuen Sound wohlmöglich noch anerkennenswerter macht, doch den Altersdurchschnitt der Fangemeinde, die sie im Madame Claude um sich scharten, hob man mit Mitte Zwanzig schon deutlich an. Dementsprechend fielen auch etwaige Zwischenrufe aus. Von Alter und Zusammensetzung des Publikums ließ sich tatsächlich auf eine Schulklasse schließen. Ein etwas irritierendes Ambiente für einen Freitagabend in einer Kreuzberger Bar, aber hätten wir uns damals nicht alle so treue Schulkameraden gewünscht?

www.myspace.de/therealchuckamuck
www.myspace.com/jimmytrashandthegunpowdertempleofheaven



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