Betrunkene Stars machen Lärm


Kasabian am 21.02.07 im Kesselhaus/Kulturbrauerei

März 1st, 2007 | 0 Kommentare ...  

Betrunkene Stars machen Lärm

Von Christian Tietge

Kann man eine Band gut finden, die einerseits eine Hand voll klasse Lieder geschrieben hat, aber andererseits unbegründet überheblich, arrogant und größenwahnsinnig ist?

Ja, man könnte. Denn wenn die Musik herausragend ist, kann über das Image und das Aufführen der Band hinweggesehen werden… Mit dieser Einstellung gehe ich zu dem Konzert von Kasabian. Ich blende aus, dass auf dem Debütalbum „Kasabian“ und dem Nachfolger „Empire“ nur die Singleauskopplungen hörenswert sind. Der Rest wird sofort wieder abgeschaltet. Und auch, dass sie sich mit Oasis messen, sogar mit ihnen zusammen auf der Bühne standen. Beides Bands, deren Meinung niemanden interessiert.

Sogar Kasabians einfallsloses Gerede über ihre Alben, nämlich welche Art von Drogen sie dazu inspiriert hätten, versuche ich zu vergessen. Leider klappt dies alles nicht und so stehe ich zähneknirschend in der schier endloslangen Schlange vor dem Einlass, die auch nach einer halben Stunde (es ist erst 21 Uhr) kaum merklich kürzer wird. Innen angekommen, das gleiche Bild. Aber klar, denke ich mir, ist ja ausverkauft. Dennoch schaffe ich es, einen Platz Richtung vorne zu erwischen. Sogleich erhellt sich meine Miene. Denn die Musik aus der Konserve klingt vielversprechend: Rolling Stones, Beatles, Doors…und dazu auch noch die schön aussehende Bühne: Alte AC30 und Fender Röhrenverstärker und jede Menge Gitarren im Gitarrenständer. Und als ich Sergio Pizzorno eine Rickenbacker umhängt, denke ich, es kann nichts mehr schiefgehen.

Doch weit gefehlt. Kasabian fangen mit „Shoot The Runner“ an, bzw. was von dem Lied wiederzuerkennen ist. Das Problem: Der katastrophale Klang. Die beiden Gitarren sind überhaupt nicht zu hören. Gar nicht. Nicht einmal bei den Ruhigen Stellen. Ich schaue mich verwundert um, doch scheint es niemanden zu stören. Überhaupt ist der Sound inakzeptabel, ein einziger Brei.

Nun gut, der Gesang sticht heraus, sogar etwas zu sehr. So zucke ich jedesmal zusammen, wenn Sänger Tom Meighan und Gitarrist schief liegen. Der Bass ist so schlecht eingestellt, dass man die Töne nur schwer unterscheiden kann. Am liebsten würde ich zum Tontechniker gehen und ihm Bescheid sagen.

Tanja Krokos, Dorfdisco 2007

Kein Sound: Sergio Pizzorno schaut sich seine Gitarre an - Foto:Tanja Krokos, Dorfdisco 2007

Aber als ich sehe, wie die Gitarristen dem Mischpult-Mann mehrmals „Lauter!“ zu verstehen geben und nichts daraufhin geschieht, dämmert es mir: Das ist so gewollt. Diese Tatsache/Erkenntnis regt mich noch mehr auf, als die betrunkenen (übertrunkenen), „BERLIN!“ gröhlenden Pseudo-Stars auf der Bühne und deren treue, gehorsame, begeisterte Fans. Die müssen von der hellen Lightshow geblendet sein, um daran Gefallen zu finden. Ich erinnere mich an einen Konzertbericht in der taz über Bushido in der Columbiahalle, demnach ebendieser nur ständig „BERLIN“ in das Publikum zu Brüllen brauchte, um die Leute bei Laune zu halten.

Ziemlich ähnlich läuft es auch im Kesselhaus ab. Sobald Kasabian merken, dass die Zuschauer leiser werden und weniger hin und her schwanken (Schlagerparadefeeling), klatschen, rufen und springen sie mit empor gerissen Armen, bis die angehende Partystimmung (scheinbar) wiederhergestellt ist.

Die Behauptung Pseudo-Stars stimmt natürlich nicht. Denn nicht nur in England, sondern auch hier in Deutschland fangen die Leute an, auf solch lächerliche Shows/(Selbst-)Inszenierungen zu stehen.

„Processed Beats“ und „L.S.F. (Lost Souls Forever)“ sind die sogenannten Höhepunkte des Abends. Bei diesen Liedern war einigermaßen die Struktur wiederzuerkennen.

Am Ende gröhlt eine Gruppe betrunkener Engländer – wahrscheinlich aus Leicester – , die schon während des Konzertes auf Grund von lauten Fußballgesängen immer wieder auffiel, noch durch die Halle und macht Krawall. Wenigstens die haben ihren Spaß.



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