Berliner Musik


Das 6. Summerize-Festival in der Kulturbrauerei, 16.8.2008

August 23rd, 2008 | 0 Kommentare ...  

Berliner Musik
Mit, Summerize 2008 - Photos by Tanja Krokos © Dorfdisco 2008

Von Philipp Brugner

Für mich und einige andere gab es ein weißes Bändchen – wir waren ja schließlich auch auf der Gästeliste. Alle anderen mussten mit Grün vorlieb nehmen, egal ob es ihnen gefiel, oder nicht.

Welche Farbe die Bändchen bei den vorangegangen Festivals hatten, ist mir nicht bekannt, war es doch meine Premiere am Summerize in Berlin, dem musikalischen Schaulaufen Berliner Szene-Bands.

An Möglichkeiten zur Variation hat es den Veranstaltern von Headquarter-Entertainment sicher nicht gemangelt, feierte der Event doch bereits seine sechste Auflage. Jahr für Jahr versucht man „eine frische, ungewöhnliche und den Künstlern gerecht-werdende Momentaufnahme des Berliner Musikgeschehens zu gestalten”.

Ich hätte mich mit der Farbe Grün genauso anfreunden können, was dann aber wiederum nichts mit meiner Wahl einer Flasche (grünes) Beck’s am Tresen zu tun hat. Weißes Band an der rechten Hand, grüne Flasche in der linken, wartete ich sodann auf die erste Band – Kat Frankie.

Mit ihrer Darbietung überwiegend ruhiger, sonst etwas griffigeren Songs, mochte mich die Australierin in Berlin nicht zu überzeugen – sie lebt und musiziert mittlerweile hier. Luden die Riffs mal zum Tanzen ein, blieb es unter dem vagen Besuch im Kesselhaus trotzdem nur bei Hüftschwüngen und Popowackeln.

Die Distanz zwischen Tanzwilligen und solchen, die es noch werden wollten, war einfach zu groß, um sich gegenseitig anzustecken. So blieb es auch bei mir beim Kreisen meiner Hüften. Trotz oder gerade wegen Kat Frankie. Ihr Abschied von der Bühne fiel mir nicht schwer und sofort machte ich mich daran, die paar Stufen zum Maschinenhaus nach oben zu steigen.

Auch wenn das Shaky Lulu Quartett nur mehr kurze Zeit zu Spielen hatte, wollte ich wenigstens wissen, welche musikalischen Qualitäten Berlin mit den Beiden für sich beanspruchen kann. Na ja, ich als Berlin wäre auf den rauen Sound aus Gitarre und Schlagzeug nicht erpicht, er fesselt mich rhythmisch nicht ausreichend genug. Da ich aber nicht Berlin bin, sind andere Meinungen auch erlaubt.

Dillon fand ich dafür umso besser. Vor allem ihr Song “Contact Us” brachte mich dazu, ausgelassenen Tanzfolgen hinzugeben und mitzuträllern. Da kreiert ihr Bruder minimale elektronische Beats, zu denen sie ihre kindlichen Vocals beisteuert. Die vorhin erwähnte Übertragungsrate an Tanzenden funktionierte hier auch deutlich besser, weil Dillons Bewegungen einem allein schon das Tanzen leicht macht.

Bevor Mondo Fumatore, die 4-köpfigen Crew, die schon bei der Erstauflage des Festivals mitmischte, an die Mikros durfte, lag noch einmal viel Schweiß. Fullduplex hatten es sich auf der Bühne gemütlich gemacht, wobei das weniger nach Gemütlichkeit, denn nach brachialer Sprachekstase auf diskoider Deichkindmania aussah, was – vor allem – an Sänger “Frank_Effex Randy_Robot” (Definition laut Myspace) lag.

Da wurde nicht nur die Musik lauter aufgedreht, sondern auch das Stimmorgan seiner Belastungsprobe übergeben. Das T-Shirt noch runter und schon war’s vorbei mit den guten Manieren. Entweder man schloss sich dem wild gewordenen Treiben aus Bühne und erster Reihe an, oder verzog sich ganz unverblümt nach hinten zurück. Schweiß ließ dabei – no na – Frank himself am meisten.

Mondo Fumatore beehrten die Besucher nach 2003 also zum zweiten Mal. Es war eine beachtliche Menge, die sich zum Abschluss im Maschinenhaus eingefunden hatte. Gut gelaunt gab man sich dem Pixies-affinen Potpourri aus rockigen Melodien und trashigen Texten hin. Als feste Größe hat man sicher auch einen gewissen Sympathievorteil, dem die Band aufgrund ihrer soliden Performance aber auch vollkommen gerecht worden ist.

Was inzwischen im Kesselhaus abging war teilweise ganz gut, aber auch sehr dürftig. Wenn ich “dürftig” erwähne, meine ich damit die Isländer von Bloodgroup. Ihr Set war doch mit zu viel elektronischen Spielereien vollgepumpt. Dabei kann ich ihnen kein Bemühen absprechen, keines der fünf Bandmitglieder hielt sich auch nur eine Sekunde ruhig am Boden. Die Gerätschaften wackelten und mit ihnen auch der Sound, dieser zwischen lautem Geschreie und sich selbst übertönenden Klängen. Man fand komischerweise keine eingängige Bass- oder Hookline, an der man sich festhalten hätte können. Was übrig blieb, war lautes Hämmern bzw. Kreischen und die Erkenntnis, dass ich den stoischen isländischen Musikstil doch lieber mag.

Annika Trost, Summerize 2008, Photo by Tanja Krokos © Dorfdisco 2008

Annika Trost, Summerize 2008, Photo by Tanja Krokos © Dorfdisco 2008

Dass es dann tiefgründiger wurde, nahm ich dankend an. Mit Trost stand die eine Hälfte Cobra Killer auf der Bühne, die sich ganz der Attitüde einer Chanteuse verschrieben hat. Sich elegant bewegend, gleicht ihr Auftreten einer mondänen Weltläufigkeit. Zwischendurch gewährte sie uns auch noch Einblicke in ihr Privatleben, die immer für ein Schmunzeln sorgten. Ihr Ex-Freund zum Beispiel rufe seine Neue, die ihr von hinten ziemlich ähnlich sähe, wo von vorne aber ein deutlicher Unterschied zu merken sei, mit demselben Kosenamen wie sie. Schlimm so was.

Dem Typen, der täglich die Haifischnetze aufschneidet und damit die darin verfangenen Tiere rettet, wird so nebenbei auch noch ein Lied gewidmet. Insgesamt kommt ihr garageähnlicher und etwas verruchter Stil gut an.

Wie viele ihrer Bitte, sich nach dem Konzert gleich an der Bar zu versammeln, damit sie Körperteile bekritzeln könne, wirklich nachkamen, habe ich nicht mehr verfolgt. Es wurden aber Stimmen laut, dass vor allem Männer daran interessiert waren…

Richtig tanzbar wurde es aber mit der letzten Band im Kesselhaus, Mit. Sie waren vor einiger Zeit aus Köln gekommen, um von da an zur Berliner Musikszene gezählt zu werden.

Felix Römer an den Drums weckte Erinnerungen an mein letztjähriges Battles-Konzert im Festsaal Kreuzberg, ähnlich entschlossen und mechanisch setzte er die Kraft seiner Hände in das Trommeln seiner Sticks um. Der Tamer Özgönenc am Drumcomputer spielte übrigens auch bei Dillon, und Edi am Mikro war wie immer der quirlige, aufgeweckte Sänger mit hoher Stimme.

Die deutschsprachigen Texte taten der Dynamik der Musik keinen Abbruch und brachte an diesem Abend die größte Zahl an Leuten dazu, ihr Standbein in seiner Funktion zu berauben. Stilmäßig würde ich eine Minimal-Electro-Indie-Paraphrase gebrauchen.

Dann war es auch schon aus – und für ein Berliner Musik-Festival irgendwie sehr kurz. Es gilt nun wieder abzuwarten, welche der Bands bis zum nächsten Summerize noch immer “nur” als Underground- oder Szenebands gelten.

www.myspace.com/mitmitmit (Mit)

www.myspace.com/trostcity (Trost)

www.myspace.com/bloodgroup (Bloodgroup)

www.myspace.com/mondofumatore (Mondo Fumatore)

www.myspace.com/fduplex (Full Duplex)

www.myspace.com/ladybirdd (Dillon)

www.myspace.com/shakylulu
(Shaky Lulu Quartett)

www.myspace.com/soundslikekatfrankie (Kat Frankie)



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