Batterien, voll geladen


Killed by 9V Batteries live im Chelsea, Wien, 18.12.2008

Dezember 23rd, 2008 | 2 Kommentare ...  

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Killed by 9V Batteries live im Chelsea,Wien, 18.12.2008

Von Philipp Brugner

Nachdem die Killed by 9V Batteries ihr neues Album „Escape plans make it hard to wait for success” schon im September mit dazugehörigem Pomp im Flex präsentiert hatten und inzwischen auch bei „Fuck You All”, der Charity-Veranstaltung zur Popkomm, musikalisch Dampf ablassen konnten, waren sie nun im Chelsea geladen, den Rockbrüdern eineinhalb Stunden lang die Leviten zu lesen.

Im Flex durfte man noch zu Recht gespannt sein, wie ihr zweites Werk nach dem schlicht betitelten Erstling „Killed by 9V Batteries” klingen würde, diesmal nicht mehr. Zu oft war die neue Platte mittlerweile wieder rezensiert worden, zu oft konnte man sich die neuen Songs bei diversen Konzerten – mehr oder minder – zu Gemüte führen.

Getrimmte Erwartungen an einen krachenden Abend also. Das Fan-Kollektiv der vier Weizer rund um Sänger Wolfgang Möstl hatte bislang nichts anderes von ihnen erlebt als exaltierende Riffmusik. Vor allem auf die Nummer „Operate Loveparade Deathbrigade” durfte man sich wieder freuen, ist sie doch eine, die immer einen im Wipptakt mitgesungenen Refrain garantiert.

Sie kam dann auch, aber erst gegen Schluss. Vorher wurde noch ordentlich in der Melodien-Kiste gewühlt, ohne dabei auf den eingängigen Akkord fürs Ohr zu vergessen. Hatte man dann doch stellenweise einmal die Vermutung, die Töne würden nicht so recht zueinander passen („Ich glaub’, dass war ne Dissonanz…”), war man doch auch gleich wieder gezwungen, sich daran zu erinnern, wer da auf der Bühne stand.

Killed by 9V Batteries lassen sich nicht so einfach normieren. Die ewigen Stilzuschreibungen hielten sich bis dato nur so lange, bis wieder das nächste Wortspiel strapaziert wurde. „Schrammelnder Indie-Rock” wurde da genannt, „puristischer Noise-Rock” dort. Viele attestieren der Band auch eine Verwandtschaft zu Sonic Youth, wofür mir Möstl & Co. aber ganz klar zu laut sind.

Vielleicht sollte man angesichts der vier Herren die Musik auch ganz einfach „Killed by 9V Batteries-Rock nennen”, ist sie doch in der Form, wie sie da von ihnen produziert wird, irgendwie ein Unikat. Mit einer emotionsgeladenen Stimme und diesem doppelt gewobenen Klangteppich zweier Gitarren so etwas Eigenständiges zu fabrizieren, gelingt niemandem so gekonnt, wie diesen Novizen im Angesicht des im Alter immer lahmer werdenden (Noise-)Rockgottes, der früher doch einmal unter Namen wie eben Sonic Youth oder Fugazi firmierte.

Für eine Adaptierung und Weiterentwicklung dieser Musik sind dann solche Leute wie die Kb9VB zuständig, die sich keinen Deut darum scheren, ob sie nun der Anleihe oder diesem Stilelement gerecht werden. Viel lieber wird da einfach mal die Lautstärke raufgedreht und alles das umgesetzt, was Gitarre, Bass oder Schlagzeug hergeben.

Die Reaktionen der Zuhörerschaft sind dabei erstaunlich kongruent. Das an diesem Abend sehr beliebte Kopfwippen zog sich quer durch alle Songs. Headbangen konnte aber auch gar nicht funktionieren. Das Innere des U-Bahn-Gürtelbogens, in dem sich das Chelsea ja befindet, war dafür zu prall gefüllt.

Wohin führt der Weg der Kb9VB nun also? Nach zwei veröffentlichten Alben, denen Österreich einen Platz auf der Landkarte der alternativen Rockmucke zu verdanken hat, nach zahllosen Konzerten, die den preislich kalkulierenden Veranstaltern stets ein Lächeln ins Gesicht zaubern und nach einer Musik, die sich ihre Energie aus dem Hin- und Herrücken zwischen den Genre-Stühlen holt, gilt es, die Situation einmal einzuschätzen.

Betrachtet man die Sache nüchtern, sollte man weitere Alben abwarten. Von diesen würde man sich dann doch wieder eine Steigerung gegenüber den vorangegangenen erwarten, um dann bei Gelegenheit strikt auf diesen und jenen Song zu verweisen, die so nur ein Abklatsch der Lieder des letzten Albums seien. Von abermaliger Innovation und einem Aufbruch zu neuen Ufern also keine Spur.

Betrachtet man die Sache aber so wie es sich auch schickt, nämlich hoffnungsvoll, kann man der Band eine große Zukunft prophezeien, in der sie eigentlich auch schon längst angekommen sind. „The next big thing” sozusagen. Dieser Hoffnung geben wir uns doch gerne hin.

www.killedby9vbatteries.com/

www.myspace.com/killedby9vbatteries



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. MartinMartin  

    Ja ein rundherum gelungenes Konzert würd ich mal sagen. Es sei jedoch auch die Vorband “Destroy, Munich” erwähnt, die wie gewöhnlich zu begeistern wusste.

  2.  
    2. Philipp  

    Stimmt, da hast du – werter User – vollkommen recht!
    Dass ich die Band in meinem Text nicht angeführt habe, lag einfach an daran, dass ich mein volles Augenmerk auf die Kb9VB legte.