Back from the Grat


Surrogat im Café Moskau, 12/10/02

August 13th, 2002 | 0 Kommentare ...  

Back from the Grat
Schlagader Wagner Pic: Dorfdisco 2002

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Gut gebrüllt haben Surrogat, die diesen Monat das erste Mal seit über 10 Jahren vielleicht wieder Live auftraten. Dabei war ich besonders gespannt, denn ahem, ich war bislang nicht der größte Fan von, was meiner Meinung nach, die angeberische Metalkopie von the Gang of Four und Big Black war. Die Art und Weise wie ihr Debut ‘Rock’ dann auch noch in den Himmel gehoben wurde, gab mir seinerzeit einfach den Rest. Diesmal war alles anders, und, das darf ich vorweg sagen, richtig gut im Sinne von Hammerhart.

Was man aber auch über die Umstände dieses Gigs überhaupt sagen kann. Eigentlich anwesend waren wir wegen The Aim Of Design Is To Define Space, die hier das Vorprogramm bestritten. Und dann trafen wir plötzlich Herman, alter Kumpel und ein Begriff, nicht erst seit den Golden Showers bzw. seinen vorzüglichen Down Brothers. Also Herman erklärte uns dass das hier so eine Veranstaltung vom Medienbüro Brandenburg sei, und er jetzt bei Surrogat mitspielen würde, das heisst, das erste Mal heute Abend, um mal zu sehen…

‘Ich bin total nervös’, flüsterte da noch Tilo, löwenmähniger Bassist von Surrogat, und wurde von einer Freundin starkgeredet. Als dann die fette, alte doppelte Marshallanlage von Patrick Wagner stand, brüllte er erstmal ein ‘Wir haben total Bock zu spielen’ ins Mikro und bretterte dementsprechend los.

Tja, was wollt ihr mehr? Paar neue Stücke, klassisch harter Rock und dazu noch deutsche Texte jenseits der Peinlichkeitsgrenze… Miss Rose, die mich an diesem Abend begeleitete und die ganze Zeit über vornehm gesittet auf einem Stuhl sass, machte diese Bemerkung: Surrogat, uh, was für ein schrecklicher Name. Aber sie sind die erste Band, die ich höre, die es raushaben deutschen Rock neu zu definieren und ihn dem amerikanischen Vorbild gleichzusetzen. Doing. Das sass.

Hermann Halb mit Surrogat, Pic © Dorfdisco 2002

Hermann Halb mit Surrogat, Pic © Dorfdisco 2002

Mein perönlicher Gewinner war natürlich Herman. Herman schafft es durch seine blosse Anwesenheit schon genau das beizutragen, was der Band bislang vielleicht gefehlt hat. Das sind zum einen diese abgebrüht kurzen Solo’s, zum anderen seine Performance, die mich irgendwie ein bischen an Jhonny Thunders erinnert. Patrick gewinnt dadurch an Raum, hält sich deshalb aber auch nicht gerade zurück. Im Gegenteil. So gut gebrüllt hat er vielleicht schon lange nicht mehr.

Lustigerweise, als ihm nach fünf Stücken zwei Saiten fehlten und er von der Bühne nach einem alten Mucker fragte, der ihm die vielleicht wieder aufziehen könnte so – die liegen hinten auf dem Tisch -, war unter den ganzen Videoaffen gar keiner da, die sich mit sowas noch auskannte. Also habe ich das dann übernommen. Dabei wurde ich Backstage auf die harte Probe gestellt die Saiten entweder korrekt aufzuziehen, oder an dem Joint zu ziehen, der dort am Start war… Die Klampfe war aber zum nächsten Stück wieder in tune.

Summa summarum: Surrogat kann ich jetzt empfehlen, die nächste Platte steht bei mir im Regal und demnächst kommen sie mit Queens of the Stone Age auf Tour. Wagner hat seine alten Kontakte behalten und wird dadurch vielleicht sogar beitragen die Charts ein bischen zu bereinigen. Der Markt hat’s bekanntlich bitter nötig.



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