Arsch bewegen


Laub im Magnet

April 25th, 2002 | 0 Kommentare ...  

Arsch bewegen
Antye Greie-Fuchs, Laub   Photo © Dorfdisco 2002.

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Wir bekommen jetzt auch den Kitty-Yo Newsletter, und darin stand, dass sie sich “auf unseren Besuch freuen”, bei Laub, morgen, im Magnet. Laub? Auch im April? Ich habe ein Stück von Laub bei John Peel gehört, ich habe eine Kitty Yo Compilation CD, wo auch Laub drauf ist, ob Rose vielleicht? Nein, keine Zeit, höre ich, und ausserdem wäre das nicht so ihr Fall.

Na schön, dann also ich. Ich erinnere mich an eine meiner ersten musikalischen Amtshandlungen. Damals mit 19 war ich einmal ‘Rythmusmaschinist’ bei einer New Wave Pop Gruppe namens Synthetico. Ich musste nur zur rechten Zeit ein paar Knöpfe drücken, wozu Bassist und Keyboarder im Kraftwerksound hin und herhopsten. Nach uns spielte übrigens Cabaret Voltaire, und Laub muß irgendwie Cabaret Voltaire schlau sein, zumindest was die Bass Drum betrifft.

Auf dem Weg dann ins Magnet fallen mir wieder diese unberechenbar langsam fahrenden Autos mit anzüglichen B-DU Kennzeichen auf, hoffnungslos verloren zwischen zwei Rotphasen. Mein Bordplayer schmettert dagegen das ziemlich aberwitzigste was Peel seit langem gespielt hat. Also schnell rechts dran vorbei, bei Gelb rüber, auf die Bullen achten und vor dem Magnet am Besten auf den Bürgersteig, wo mir eine Überzahl an Fahrrädern auffallen. An der Kasse sage ich von Dorfdisco… – Ach ja, das haben sie gleich… weil schon gesehen, wir hätten mit telefoniert. Ich hatte am Abend angerufen und gefragt, ob das “auf den Besuch freuen” als Einladung zu verstehen sei. Aber Kitty-Yo verwies mich an den Veranstalter, und der sagte was von wieder alles zu spät, am selben Tag, und nicht üblich. Aber ich sagte, dass es ja auch ganz spontan und ich mache ja auch keine Kinder und so. Also gebe ich der Tür die Hand und rufe noch ein großes Dankeschön in die Ecke zur Chefin rein.

Laub spielt nämlich schon. Laub, das ist impressionistisch hingehauchte Assoziationspoesie, unprätentiös und musikalisch gebettet auf das, was von Techno so über blieb. Es ist auch nicht zu voll. Vorne sitzen alle auf dem Boden. Antye und Jotka sind beide in weißem Partnerlook gekleidet, wie Insassen eines Spacelabs, das jetzt im Magnet gelandet ist. Vor sich haben sie zwei Tische mit Geräten drauf. Manchmal drehen sie irgendwie groß an einem Knopf und dann breitet sich ein noch weicherer Geräuscheteppich im Raum aus. Das einzige Element das mir dagegen im Verstand ankommt ist Antye Greie-Fuchs’ Stimme. Ihre Art Sprechgesang koppelt ausgesprochen deutlich hingehauchte Assoziationsketten aneinander, so wie wir früher mal Din A0 Bögen mit Paisleymustern vollgekringelt haben. Und dann kommt auch schon diese Stelle, die so ganz und gar nicht ins Gesäusel passen will, da kommt sie, und Antye G. Fuchs dreht sich auch noch um! an der Stelle wo es heisst: Arsch bewegen!

aub  – Photo © Dorfdisco 2002.

aub – Photo © Dorfdisco 2002.

Was folgt ist ein Liebeslied, zu dem ich erstmal wieder in die Lounge ziehe. Der Sound wird auch nach dort übertragen. Es ist auch nicht voll und es herrscht so eine gelassene Atmo. Überraschenderweise sehe ich dort auch Christof Dreher, wie zwei Mann auf einer Couch. Im nachherein stellt sich heraus, dass Christof mit Christine Lang befreundet ist. Christine ist eine Freundin von Laub und hatte vor dem Gig ‘alte Platten’ aufgelegt, wie sie sagt. Ob sie auch Cabaret Voltaire? Nein, sagt sie, von 1994 bis 1996. Wir unterhalten uns ein bischen darüber, dass man die Musik von Laub auch sehr gut ohne sie zu sehen geniessen könne, und dass die Elektronik auch ganz andere Momente mit sich bringt, im Gegensatz zu handgemachter Musik.

Dreher zum Beispiel arbeite da gerade an einer Videodoku zu dem Phänomen Mary J. Blidge vs. Res., wo das Bild und die Musik parallel aus den gleichen elektronischen Parametern besteht und so. Ist ja interessant, dachte ich, wobei mir das Wort “Phänomen” nicht aus dem Kopf wollte.

“Ich finde es total super hier…” höre ich Antye über die Anlage sagen, “…und dass ihr alle gekommen seid…”, wozu es etwas mehr Applaus gibt. Laub im Frühling finde ich irgendwie odd, sage ich deshalb zu Christof, der mich darüber schelmisch ausgrinst. Aber letzte Woche habe ich hier Taylor Savvy gesehen, das war wie Alice Cooper gegen Chilly Gonzales! Ich wurde dann gefragt, ob ich denn die Cobra Killers schon mal gehört hätte… Ja doch, letzte Woche, peng.

Nach dem Konzert traf ich Laub noch auf dem Rausgang. Ich hätte so gerne ein Lächeln von Antye fotografiert, sage ich. Ach ja, sagt Antye, das würde das Bild von mir mal brechen. Entweder man findet uns gut, oder schrecklich. Mhm, – ihr Parfum überrascht mich. Geht’s Euch gut? Ja, uns geht es ganz gut gerade… aber das wäre ja dann ein Interview. Also drücke ich ihr noch ein Papier in die Hand auf dem was über mich steht und gehe raus. Draußen stapft eine andere Gruppe über die Schienen und wieder zurück. Ich gehe schnell zu meinem Wagen und fahre wieder westwärts, direkt.



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