And They Know Us … Trail of Dead


And They Know Us By The Trail Of Dead, Postbahnhof, 04.03.05

März 17th, 2005 | 0 Kommentare ...  

And They Know Us … Trail of Dead

Von Monika Levinski

Sie haben ihre Instrumente heil gelassen. Glaub ich zumindest – am Schluss stand ich hinten und hab nix gesehen weil er war ja sooo voll, der alte Postbahnhof. Wer hätte das gedacht. Ich würde das gewöhnlich auch nicht erwähnen, aber weil man einfach immer im Zusammenhang mit TRAIL OF DEAD von zerschlagenen Instrumenten und/oder demolierten Hotelzimmern liest, dachte ich, ihr wollt das vielleicht wissen.

Ich habe die Band nun zum dritten Mal gesehen, und kann gar stolz behaupten, mich an kein einziges Mal erinnern zu können, an dem sie ihr Spielgerät zerstört hätten. Aber mein Gedächtnis ist schlecht und auf dem Rohling in meinem Kopf, der für Konzerterlebnisse zuständig ist, ist nicht genügend Speicherkapazität für solche Kleinigkeiten, zumindest wenn die Musik der dazugehörigen Band aufgrund ihrer Komplexität schon fünf Trillionen MB hat.

Und TRAIL OF DEAD haben mittlerweile so viel, echt jetzt. ‘Worlds Apart’ zum Beispiel, das neueste Werk, ist ein MB-Monstrum. Ein seltsames Werk von einer seltsamen Band, die irgendwie Emo-mäßig anfing und dann immer wütender, anklagender und aufwändiger weiter rockte und jetzt bei einem Bombastkonzeptalbum gelandet ist. Nennen wir es die Rockverwurstung ‘Sgt. Peppers Mellon Collie+Infinite Sadness Tales of Mystery and Imagination on the Dark Side of the Moon’. Prima. Ich glaube, das habe ich schön anschaulich beschrieben.

Aber schon das Debut ‘Madonna’ war ja terrabytemäßig unterwegs. Und so zornig. Ich glaube, wenn ich etwas nicht von einem Ex hören möchte, ist es

“If I could make a list
Of my mistakes and regrets
I’d put your name on top
And every line after it”
(Mistakes and Regrets)

Auch ‘Sourcetags und Codes’ war, entgegen den Assoziationen, die einem bei dem Titel kommen, eher unverschlüsselt in die Fresse.

“You’ll never see the light
In the darkest night
Never see the light
Never see the light
When the boredom comes
If you’re one of the boring ones.”
(Baudelaire)

Genau, ihr langweiligen Pisser. Geht gefälligst los und zertrümmert die Hotelzimmer von Slut!

Um mal wieder zum Punkt zu kommen – von all dem Text hörte man freilich auf dem Konzert nichts. Der Sound war wattig-schlecht und ein Brei, hinten mehr als vorne, aber scheiss drauf. Dafür kamen die zahlreichen Trommelwirbel um so besser, hat man doch inzwischen den ausgestiegenen Bassisten durch einen zweiten Schlagzeuger ersetzt. Und doppelt knallt eindeutig besser. Alter Freund. Und ich kann mich erinnern, dass die schlagzeugmäßig schon untighter waren, wenn ich das mal so großspurig sagen darf. Da hatte ich doch Bedenken, als ich auf der Bühne die zwei Sets sah. Aber alles lief großartig, am Schluss war die Bühne voller Menschen, die zum Tanzen und Diven hinaufgeholt wurden und man hatte am Ende dieses warme Gefühl im Bauch, dass wir doch alle eine große, angepisste Familie mit leichtem bis schweren Hang zum Epos sind. Wie die drei Jungs aus Austin, Texas (zugezogen). And the rest will follow.



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