Alter Rock von neuen Schweden


La Fleur Fatale/The Movements, Maschinenhaus/Kulturbrauerei 27.Oktober 2009

November 1st, 2009 | 0 Kommentare ...  

Alter Rock von neuen Schweden
The Movements

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Die Massen stehen dichtgedrängt, sie reicht mittlerweile bis zur Danziger Straße, hübsche, gut gelaunte Indie-Kids so weit das Auge blickt. Es scheint als wolle ganz Berlin die neue Rocksensation aus dem verschlafenen Schweden (ihr habt richtig gehört: aus ABBA-Land!!) erleben. Vier gutaussehende Bengel, die ihre Körper in eine neckische Uniform aus schwarz-roten Hemden samt passenden roten Jeans zwängen und mit ihren unbekümmerten Smash-Hits die ganze Garde der Britpopper ziemlich alt aussehen lassen.

Da kann doch was nicht stimmen denkt ihr? Na ja, vielleicht hätten La Fleur Fatale solche Reaktionen tatsächlich mal provoziert, so vor 8 bis 10 Jahren. Leider schreiben wir aber bekanntermaßen das Jahr 2009 und da muss man sich schon fragen, wer den bitteschön nach Mando Diao, den Hives und wie sie alle heißen mögen, eine solche Band noch braucht.

Sicher, La Fleur Fatale, die zur Zeit mit ihren Landsmännern von The Movements durch deutsche Lande touren, haben ein Händchen für Melodien und machten einen durchaus symphathischen Eindruck auf der Bühne des Maschinenhauses, inklusive schwedisch-englisch-deutschem Ansagen-Mischmasch. Aber man kennt das halt alles schon zur Genüge. Zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Kaum hatte der Vierer die Bühne unter dürrem Applaus wieder verlassen waren sie auch schon wieder vergessen. Und dann heißen sie auch alle noch La Fleur mit Nachnamen, mein Gott!!

Nein, es macht keinen Spaß einen Verriss über eine Gruppe zu schreiben, die es sowieso nicht leicht hatte an diesem Abend in einem deutlich zu überdimensionierten Club  vor vielleicht 50 Leuten plus Barmann (der einen sehr entspannten Job verrichtete) und dabei trotzdem stetig versuchte ihren Gute-Laune-Pegel oben zu halten. Aber man konnte sie leider nicht wirklich bedauern, weil sich weder ihre Musik, noch ihr Auftreten aus dem Meer ambitionierter Bands heraushebt.

Mindestens eine Klasse darüber ließen sich anschließend The Movements ansiedeln, was vor allem Optik und Bewegungsradius betraf. Deren letztes Album ‘The World, the Flesh and the Devil’ hatte ich als solide Vorstellung Hammond-lastiger Garagenrockmusik noch irgendwie im Hinterkopf. Mit ihrer routinierten Punk-Attitüde gelang es ihnen dann sogar so etwas wie Stimmung zu verbreiten. Da stand eindeutig eine Band auf der Bühne, die ihre jahrelang antrainierte Live-Erfahrung ausspielte. Wenn die Bude voll gewesen wäre hätte die Party des agil-drahtigen Sängers wahrscheinlich sogar richtig gut funktioniert. Diesmal blieb es beim engagierten Bemühen.

Der Sound dazu: Zwar irgendwo zwischen Sixties-Psycho, Hawkind im versifften Kellerclub und den Cult der Prä – ‘Electric’-Phase steckengeblieben, aber eigentlich gar nicht mal so uninteressant zusammengerührt.

Das war zwar dann schon sehr kurzweilig, aber letztendlich überwog auch bei den Movements der Eindruck, dass die wirklich spannende Rockmusik Schwedens an diesem Abend wahrscheinlich woanders zu hören war.

The Movements

La Fleur Fatale



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