Alles nett


Bernhard Eder, Ian Fisher, Lasse Matthiessen live im Rhiz, Wien, 28.04.2009

Mai 2nd, 2009 | 0 Kommentare ...  

Alles nett
Berhard Eder im im Rhiz, Wien, Foto:Philipp Brugner

Von Philipp Brugner

Wenn man auf der Suche nach Inspirationen für die eigene Musik ist, ist man in Berlin an der richtigen Adresse. Berlin als die Stadt der jungen Musikszene, Berlin als Mekka für gestandene und kommende Akteure auf dem alternativen Musikglobus. Das kennen wir ja.

Dass Bernhard Eder nach seinem zweijährigem Aufenthalt im Prenzaluer Berg (Berlin) nicht nur ein neues Album produziert hat („Tales from the East Side“), sondern auch jede Menge geistesverwandter Bands und Solokünstlerkennen lernte, ist der zweite folgenschwere Umstand, der aus dem Berlin-Aufenthalt für den 1975 geborenen Oberösterreicher resultierte.

Als ob er die Freundschaft zu all den dortigen Bekanntschaften musikalisch besiegeln wollte, lud Bernhard Eder neben teilweise jungen, noch sehr unbekannten Singer/Songwriter auch internationale Poppoeten zu einem gemeinsamen Album ein. Getroffen hatte er sie alle in Berlin. So entstand eine Platte, zu der alle ihren Song beisteuern durften. Die Berliner Ein-Frau-Band Kitty Solaris hat für „My Melancholy Friends” ebenso in die Saiten gegriffen, wie etwa der Amerikaner Ian Fisher oder Lasse Matthiessen aus Dänemark.

Vorgestellt wurde das vierzehn Songs lange Zeugnis der gemeinsam verbrachten Stunden erstmals Ende April im Berliner LUX. Mit dabei waren dort Bernhard Eder, Kitty Solaris, Noiserv, MissinCat und The Major Pins. Im Wiener Rhiz teilte man sich die Bühne nun nur noch zu dritt: Bernhard Eder, Ian Fisher und Lasse Matthiessen. Dass die drei nicht minder gute Freunde sind, bewiesen die immer wieder gegenseitig laut gemachten Lob- und Danksagungen.

Nicht müde, die internen Referenzen und Unterstützungserklärungen stetig am Leben zu halten, war man auch fraglos gewillt, dem Freund live ein wenig unter die Hände zu greifen. So blies Bernhard Eder für einen Song Lasse Matthiessens in die Trompete, der ansonsten gänzlich farblos geblieben wäre. Seine träge Performance und die recht eintönigen Gitarren-Songs, die nur durch die phasenweise mitspielende Geigerin etwas vielschichtiger wurden, stachelten nicht wirklich an.

Klar, dass die Bude am vollsten war, als Bernhard Eder selbst in Erscheinung trat. Der Freiraum schwand, als uns Bernhard Eder erstmals zusammen mit Freundin Vera Fleischanderl, die mal das Keyboard spielte, mal die Violine strich, von der Bühne winkte. Hier merkte man schon mehr Begeisterung, auch wenn es die „Melancholy Friends” ja grundsätzlich anders angelegt haben.

„Flowers Broken, Colours Gone” ist Bernhard Eders Track auf der Platte. Vergleiche mit José Gonzaléz sind erlaubt, die Gitarre klingt ähnlich weich gezupft und stimmig wie die des schwedischen Akustik-Aushängeschilds. Stimmlich arbeitet sich Bernhard Eder schon mal in ein feminin klingendes Falsett hoch, um dann wieder den wohlig summenden Ton anzuschlagen. Es ist ein sanfter Grundton, wie man ihn auch bei Beck oder Monta finden kann.

Ian Fisher

Achtet auf seine musikalische Karriere: Ian Fisher Foto: Brugi

Währenddessen tippte einer vor der Bühne schon die ganze Zeit von einem Bein aufs andere. Ian Fisher, der nicht nur wegen dem Politik-Studium von Missouri nach Wien kam, sondern auch weiterhin auf seine musikalische Karriere achtet, begleitete die letzten Songs Bernhard Eders auf dem Keyboard. So verhalten wie er sich da gab, sollte man ihn an diesem Abend aber das letzte Mal sehen.

Mit der kühlen Reserviertheit fiel dann auch die Jacke, Ian Fisher wurde es zu heiß. Der Mann ist unscheinbar klein, seine Stimme macht da aber nicht mit. Aufgeladen von soften Balladen, in denen er seine eingängigen und bewegenden Texte verpackte, kratzte es ihn sichtlich nach mehr. Wirklich aufgegangen ist er dann an den Stellen, als er endlich seine raue und überaus zugkräftige Stimme rauslassen konnte.

Es ging bis unter die dicksten Häute, als Ian Fisher „9 to 5″ auspackte. Sicher einer seiner Lieblingssongs, nirgends kommt sein stimmliches Plus so zur Geltung. Auf der Compilation ist zwar „Stained Glass” zu hören, ich halte „9 to 5″ aber für die stärkste Waffe. Es riecht nach Fabrikluft, schmeckt nach Whiskey und hört sich nach „I’m a working man, working 9 to 5, 9 to 5….” an. In den muffigen Arbeitsalltag passt sie wahrlich, die so wunderbar verbraucht klingende Intonation des Amerikaners.

Danach wurde noch einmal Schulter geklopft und mit einem Cover der österreichischen Indie-Rocker Velojet abgeschlossen. Bei „I Follow My Heart” grinsten sich Ian Fisher und Bernhard Eder wieder eins und zeigten harmonisches Gitarrenergänzungsspiel, mit dem sie die Coverversion perfekt hinbekamen.

Was blieb, war weniger die Überzeugungskraft des neu präsentierten Albums, als vielmehr die Erkenntnis, dass die darauf vertretenen Protagonisten auch alleine sehr gute Musik machen. Alles nett also, und Freunde bleiben sie wohl trotzdem.

Übrigens: Bernhard Eder als Einzelmusiker gibt’s bereits wieder am 6.Mai als Support von Scott Matthew im WUK zu sehen.

www.myspace.com/bernhardeder



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