MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER: Wir wollten auch klingen wie Nirvana


Ein Interview mit der Mediengruppe Telekommander

Mai 15th, 2004 | 0 Kommentare ...  

MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER: Wir wollten auch klingen wie Nirvana
Mediengruppe Telekommander

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Die Mediengruppe Telekommander ist die zur Zeit am schnellsten agierende Gruppe Deutschlands. Vor ziemlich genau zwei Jahren in einem Zug von Wien nach Berlin gegründet, veröffentlichten sie zuerst eine 5-Track Ep auf dem Hamburger Label Enduro, bevor sie durch massives Touren und Kontakte einen der begehrten Deals bei dem deutschen Ableger des renommierten britischen Labels Mute bekamen. Bei meiner Ankunft mittags im deren Büro, wurde ihnen gerade die pressfrische Single “Trend” hereingereicht und ihr Gemüt steigerte sich schlagartig zu hellem Jubel. So unverbraucht locker sie sind, so klar und eindeutig vertraten sie ihre Statements. Keine versteckten Leichen im Keller, kam das Interview gerade in Fahrt, als das Band auch schon wieder abgenudelt war.

Dorfdisco : Euch gibt es jetzt seit zwei Jahren. Wie läuft’s?

Florian : Bis jetzt besser wie erwartet. Weil die Tour super war, weil wir endlich die Platte fertig haben. Wir wollten die eigentlich Anfang des Jahres abgeben, jetzt haben wir sie Mitte Februar abgegeben. Das war mal ein grosser Schritt. Und dann war die Tour sehr erfolgreich. Hat Spass gemacht.

Dorfdisco : Ich habs gesehen in der Maria und im Lovelight, wie die Leute drauf eingestiegen sind…

Gerald : Was fandest Du besser?

Dorfdisco : Mhm ja, Lovelight war schon ein bischen intimer als der Intro Intim Abend…

Florian : Ja stimmt (Gelächter). Auf jeden Fall, das sehen wir auch so…

Dorfdisco : Ich hab mich eher gewundert dass die Leute da nicht so hingegenagen sind eigentlich. Ich dachte Intro, das lesen viele und das Line-Up war ja eigentlich auch ganz stark…

Gerald : Bei das Bo, das war noch erschreckender. Ich glaub ‘ne Intro Veranstaltung in der Maria das ist einfach, die sollten das entweder in einem kleineren Rahmen machen. Ich hab das noch nie richtig voll gesehen bei Intro Intim.

Dorfdisco : Ihr wart aber auch in Köln?

Florian : Da wars super. Da war auch Trans Am als Headliner, und das war auch musiklisch runder als am Vortag in Berlin, wo Naked Lunch die Headliner waren und wir mit den Türen die einzigen waren die deutsch gesungen haben. Ein bischen schwieriger. Da waren mit Trans Am in Köln doch die Leute auch eher drauf eingestellt, auf den Sound.

Dorfdisco : Ich denke, dass das Berliner Publikum distanzierter ist…

Florian : Kommt drauf an. Unsere Erfahrung, also Berlin war für uns immer eine Hochburg, da gings immer super ab. Seit dem ersten Konzert haben die Leute geschrien oder sind rumgehüpft. Deswegen kann ich das nicht sagen, dass Berlin nicht so gut ist. Das kommt voll auf die Location an. Maria ist auch so ein bischen wie ein kalter Turnhallenraum, das verläuft sich zu leicht.

Gerald : Das ist so riesig, wenn da nicht ein grosser Act spielt und 2000 Leute drin stehen und das ganze kocht, dann ist das einfach nicht cool da. Dann entsteht auch keine Stimmung und ist voll schwer da irgendwie ne Atmosphäre zu erzeugen.

Dorfdisco : Wie war das im Bad Kleinen?

Florian : Ja, da haben wir eines unserer wahnsinnigsten Konzerte gehabt.

Dorfdisco : In Euren Texten steckt eine starke anti-konsumeristische Haltung. Ist das richtig ausgedrückt?

Florian : Mhm, ich würd das so ausdrücken dass wir versuchen unsere ambivalenten Positionen in der wir uns alle befinden, oder gar wir uns befinden, dass wir Produzenten auf der einen Seite sind und Konsumenten auf der anderen Seite, dass wir das deshalb in unseren Texten verarbeiten. Dass wir unsere Texte selbstreflektiv schreiben.

Dorfdisco : Florian du hast Psychologie studiert und warst auch in einer Internetagentur tätig, Gerald Kommunikations- und Literaturwissenschaften. Wie sehr hat Euch das geprägt?

Florian : Ich denke schon, dass das Studium einen grossen Einfluss darauf gehabt hat, womit wir uns jetzt inhaltlich auseinandersetzen. Dadurch gehen wir Themen natürlich auch ganz anders an, wenn man ein Studium hat. Der Zugang zu gewissen Thematiken hat sich auch erst dadurch ergeben.

Am meisten hat das Einfluss auf die erste Platte gehabt. Die war sehr beeinflusst von den Erlebnissen die wir gerade kurz davor hatten. Alles was danach kam war dann schon eine Weiterentwicklung. Da hat sich der Kern schon herausgearbeitet, oder der Stil. Aber für die Initialisierung des Ganzen hat das sicherlich einen starken Einfluss gehabt.

Dorfdisco : Was war auf der ersten EP nochmal drauf?

Gerald : Was Ganz Feines, Frauen Sind Besser, Camouflage Yuppie und Untergrund.

Dorfdisco : Wie waren die Erfahrungen? Sehr schlimm?

Florian : (Gelächter) Also bei Camouflage Yuppie zum Beispiel, das entstand aus eher ‘nem Witz. Der enstand aus der ersten Zeile „Scheiss cooler Cabrio”. Wir hatten am Kollwitzplatz innem Café gesessen, so vor zwei, drei Jahren, und da sassen die ganzen Multimedialeute und Rechtsanwälte. Und zu der Zeit hatte Ferrari so eine limitierte Auflage von getarnten Ferraris rausgebracht, so in mattgrünnen Armeefarben, der sah schon richtig cool aus der Wagen, aber jedenfalls ist der Typ dann noch so absichtlich rumgedreht auf dem Platz und gepost bevor er dann mit seiner Tussi ausgestiegen ist. Und daher kommt halt die Zeile “Scheiss cooler Cabrio”.

Dorfdisco : Habt ihr Euch nach diesem Stück „Der Wischmopp” von Sven Regener benannt? Da geht es ja um so eine Art Telefon-Konsumterror…

Florian : Also das ist ein Missverständnis. Das Stück von Sven Regener ist nach der Mediengruppe Telekommander entstanden. Weil der uns so gut fand, hat er das gemacht. Weil ihm die Musik so gut gefallen hat, hat er das Stück geschrieben, sozusagen.

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