VIVIAN GIRLS: Wir sind keine Lo-Fi-Band


Vivian Girls im Interview und Konzert // Bang Bang Club, 15. Juli 2010

Juli 21st, 2010 | 5 Kommentare ...  

VIVIAN GIRLS: Wir sind keine Lo-Fi-Band
Vivian Girls in Berlin. Foto: Tanja Krokos

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Ein sehr sehr warmer Donnerstag Abend, die Vivian Girls sind gerade in Berlin angekommen und ihnen bleibt zwischen Dinner und Konzertbeginn nicht viel Zeit. Die Band tourt gerade durch Europa mit ihrem zweiten Album „Everything Goes Wrong“. Ebenso ist es ihr zweiter Auftritt in Berlin. Ein wenig widerwillig kommen sie alle mit zum Kurz-Interview auf der Wiese und sind viel netter und redewilliger als der erste Eindruck vermuten ließ.

Ihr seid das zweite Mal in Berlin. Letztes Jahr habt ihr im West Germany gespielt. Wie hat es euch gefallen?

Cassie: Es war echt toll und hat uns viel Spaß gemacht. Es war cool in so einem kleinen Club zu spielen. Damals wussten wir nicht, wie beliebt wir in Berlin sein würden und dann war es supervoll.

Euer zweites Album „Everything Goes Wrong“ habt ihr letztes Jahr herausgebracht, nicht lang nach eurem Debut. Wie war es, zum zweiten Mal ins Studio zu gehen? Habt ihr was anders gemacht als beim ersten Album?

Cassie: „Everything Goes Wrong“ zu machen war ganz anders als das Jahr zuvor. Unser Debütalbum haben wir digital aufgenommen und das neue analog, das war super. Wir waren in Kalifornien und nicht in Brooklyn. Und irgendwie war alles von Grund auf anders: wir hatten eine neue Schlagzeugerin, mit der wir ganz neue Songs geschrieben haben. „Everything Goes Wrong“ aufzunehmen war eine einmalige Erfahrung, wir haben nur 5 Tage dafür gebraucht.

Gibt es Pläne für neue Veröffentlichungen?

Cassie: Also, wir haben eine neue Single im Februar rausgebracht und sind gerade dabei, zu überlegen, wann wir unser drittes Album aufnehmen werden. Eine Reihe neuer Songs gibt es auf jeden Fall schon und wir hoffen, innerhalb eines Jahres ein neues Album fertig zu haben.

In den letzten Jahren gab es eine Welle von Lo-Fi/Garagebands, wie Crystal Stilts, Smith Westerns, Wavves, Best Coast und so weiter und so fort. Findet ihr, es gibt sowas wie eine Szene in den USA?

Cassie: Es gibt auf jeden Fall eine Szene, aber wir sind definitiv keine Lo-Fi-Band. Es ist wichtig zu wissen, dass wir uns so nicht bezeichnen würden. Wir haben alle unsere Songs in richtigen Studios aufgenommen und viel Arbeit reingesteckt. Wir haben halt unsere eigene Vorstellung davon, wie wir klingen wollen, was unser Sound ist. Das mag für manche Menschen nach Lo-Fi klingen, ist aber unsere Art mit Musik umzugehen.

Passend dazu die nächste Frage: viele Menschen versuchen immer wieder neue Bezeichungen und Labels für eure Musik zu finden. Eines, das ich besonders zwiespältig finde, ist „Shitgaze“. Was sagt ihr dazu, dass die Vivian Girls in diese Ecke geschoben werden?

Cassie: Diese Bezeichnung kommt von der Band „Psychedelic Horseshit“. Es ist nicht shit im Sinne von „schlecht“. Also, wir haben kein Problem mit dieser Bezeichung an sich, aber dazu gehören wir wiederum nicht. Es gibt eine bestimmte Szene in Columbus, zu der gehören z.B. Times New Viking, Pink Reason, die sich vielleicht als Shitgaze bezeichnen würden und die halt alle befreundet sind.

Ihr habt ja alle Nebenprojekte, richtig? Habt ihr vor, in die mehr Zeit zu investieren oder sind Vivian Girls die Priorität?

Cassie: Ja, Katy ist bei All Saints Day, ich (Cassie) spiele bei den Babies und Fiona (die neue Drummerin nach Ali Koehler, welche zu Best Coast gewechselt hat) bei Coasting. Welches Projekt gerade wichtig ist, hängt im Großen und Ganzen davon ab, wieviel Zeit wir haben. Letztes Jahr haben wir eine kleine Pause als Vivian Girls gemacht und so hat jede viel mit ihrem anderen Projekt gemacht. Mal sehen, wie es in Zukunft ist. Sicher ist, dass wir als Vivian Girls gern bald wieder ein Album machen wollen.

Es wird ja gern wild interpretiert, von welchen Bands ihr euch Inspiration geholt habt. Was sind wirklich eure Einflüsse bzw. Bands, die einen Einfluss auf eure Art des Musikmachens gehabt haben?

Cassie: Mein größter Einfluss: The Wipers! Und ja, 60s Girl Groups natürlich auch.

Ihr wart vermutlich noch nicht viel in Berlin, aber gibt es irgendeinen Ort, an dem ihr gern seid?

Cassie: Letztes Jahr waren wir bei einem Flohmarkt, der ganz toll war. Wie hieß er noch mal? Ahja, Mauerpark!

Und Empfehlungen für New York?

Cassie: In New York City gibt es soviel und wir haben da alle verschiedene Lieblingsorte. Ich mag so ein Café namens Variety und Kellogg’s Diner in Williamsburg, das ist ziemlich cool. Wenn ich drüber nachdenke, sitze ich die meiste Zeit auf irgendwelchen Stoops herum.

Gibt es eine Band oder ein Album, das ihr euch momentan gerne im Tourbus anhört?

Cassie: Wir nutzen meistens eher unsere iPods, als dass wir eine CD im Bus anmachen. Aber das neue Wavves Album „King Of The Beach“ finden wir sehr sehr gut.

Oh, wisst ihr, dass Wavves gerade touren und morgen in Berlin auftreten? Sogar mit der gleichen Vorband, die ihr heute habt.

Cassie: Ja, mit Chuckamuck? Krass. Was machen wir denn morgen? Ah, wir spielen in Prag mit unseren Freunden Male Bonding. Das wird wieder gutmachen, dass wir hier Wavves verpassen.

So, eine letzte Frage, passend zum Sommer: Was ist eure Lieblingseiscreme?

Cassie: In Brooklyn gab es mal ein Café, das hieß Penny Licks, die hatten Brombeereis. Das war supergut.

Fiona: Ich mag Mint Chocolate Chip.

Katy: Ich bin einer Meinung mit Fiona! Mit Mint Chocolate Chip kann man wirklich nichts falsch machen. Es ist erfrischend und trotzdem cremig, und schokoladig natürlich. Ja, beste Eissorte, die es gibt.

Anschließend betraten Vivian Girls die von Chuckamuck traktierte Bühne. Wenn man ihre Alben kennt, weiß man nicht genau, was man für eine Live-Präsenz erwarten soll, da die Vivian Girls gerne zwischen kurzen Punksongs, Girlbandanleihen und minutenlangen Garagestücken hin und herspringen. Die kühle Atmosphäre von „Everything Goes Wrong“ gewinnt den Wettbewerb und schafft es mit auf die Bühne. Dort stehen und sitzen drei sehr coole Frauen, die nicht so gern ins Publikum schauen, sich aber das angemessene Quäntchen Freundlichkeit bewahrt haben. Jedes angestimmte Lied wird gewissenhaft bis zum Ende durchgespielt, die Vivian Girls leisten sich keine Fehler und freuen sich über Applaus. In ihrem Set ist für kurze, schnelle Lieder wie All The Time und Wild Eyes ebenso Platz wie für den Heartbreaksong Can’t Get Over You. Der Harmoniegesang von Katy, Cassie und Fiona verzückt sehr. Ein bisschen vermisst man das aufregende Geschehen vom Konzert im letzten Jahr, doch die Vivian Girls klingen auch im fast ausverkauften Bang Bang Club wunderbar und ein bisschen mehr Platz vor der Bühne schadet nie.

Schließlich spielt die Band noch zwei Zugaben und geht ab nach einem Konzert, das weder zu lang noch zu kurz war, perfekt gespielt mit zurückhaltender Charmanz. Diese Frauen haben was drauf und wissen anscheinend genau, wie sie klingen wollen. Das muss man erstmal schaffen! Gerne wieder!

http://www.myspace.com/viviangirlsnyc



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. Werner  

    Die Mädels sind einfach genial, man kann nur sagen tolle Band, tolles Konzert in Berlin, weiter so.

  2.  
    2. Maggie  

    Cooles Interview. Die können was die Mädels!

  3.  
    3. Sandra  

    Bei den Mädels geht die Post ab und das finde ich super klasse!

  4.  
    4. Jakob  

    Also, wenn ich ehrlich sein darf ich kenne die Mädls noch nicht. Aber hab mir auch das MySpace Profil angesehen, die dürften wirklich was drauf haben.

  5.  
    5. Kelly  

    @ Jakob
    Das dürften die nicht nur, das haben die auch 😉 Weiter so Mädls!