DIE TÜREN: Tausche Strophe gegen Refrain


Ein Interview mit Die Türen von Nico Teen und Monika Levinski

März 30th, 2004 | 0 Kommentare ...  

DIE TÜREN: Tausche Strophe gegen Refrain
Die Türen - Photo: Levinski, Dorfdisco 2004

Von Monika Levinski

Nico Teeen und Monika Levinski treffen Die Türen in der WG von Gunther und Maurice, das mittlerweile auch als Büro für das eigene neue Label ‘Staatsakt’ dient. Dritte “Tür” ist Ramin, in dessen Wohnung wiederum das Studio ist, in dem die Band ihr Debut “Das Herz war Nihilismus” aufgenommen hat.

Die Frisoezen haben “Das Herz war Nihilismus” gleich mal zum Indiepop-Album des Jahres gewählt und wittern großes, unfrisiertes Hitpotential in der Scheibe. Die Band selbst ist jedoch der Meinung, das Album sei nicht anbiedernd genug für den Mainstream. “Man darf nicht vergessen,” meint Ramin, “dass die meisten Leute da draußen musikalisch in keiner Form überfordert werden wollen. Das muss alles niedlich-gemütlich sein und frequenzmäßig stimmen und Das Herz war Nihilismus ist ja im Grunde eine total rumpelige CD.”

Die Bandmitglieder sind uralte Freunde aus Münster/Westfalen. Den Beschluss, zusammen in einer Band Musik zu machen, fasste man allerdings erst im Oktober 2002. Und schon Silvester 2002/2003 fand das Gründungskonzert statt.

Dorfdisco : Wie ist denn der Name entstanden?

Gunther : Der Name entstand bei einer von Maurices und meiner Marathon-Laber-Diskutier-Sessions. Wir diskutierten darüber, wie wichtig Bandnamen sind. Und wir dachten, im Grunde sind Bandnamen total Wurst, aber die meisten machen sich darüber total viel Gedanken und meinen, der Name müsse die Essenz der eigenen Musik darstellen, eine richtige Aussage haben, total toll sein, gut klingen und stylisch und was weiß ich nicht alles sein. Wir haben uns dann gedacht, im Grunde kann man den bescheuertsten Bandnamen überhaupt haben – sobald sich die Leute nach dem ersten Kontakt daran gewöhnt haben, ist es eh Wurst. Es gab noch andere Ideen, aber Türen war das Einzige, das so bescheuert war, das es hängen geblieben ist.

Dorfdisco : Aber mit den Doors hat das jetzt überhaupt Nichts zu tun?

Ramin : Naja, es ist halt die deutsche Übersetzung, aber da hört’s auch schon auf. Obwohl, Maurice war ja auch ein großer Doors-Fan, so von früher her.

Maurice : Natürlich, wer ist da schon früher dran vorbei gekommen, in den Dorfdiscos dieser Welt.

Gunther : Außerdem – als ich so zwischen 14 und 17 war, musste man Doors hören, wenn man mit Mädchen küssen wollte, sonst ist man nicht rangekommen.

Ramin : Auf jeden Fall, Doors als Masche.

Dorfdisco : Seht ihr euch selber als Nachfahren der Neuen Deutschen Welle?

Gunther : Eigentlich nicht. Wir haben das zwar früher auch mal gehört, aber im Grunde nicht die Dinge, die später als NDW tituliert wurden, sondern eher Sachen, die der eigentlichen Welle vorausgingen, wie Palais Schaumburg, Der Plan und so.

Ramin : Aber die Frage stellen wir uns auch immer wieder. Ist das denn wirklich so NDW-mäßig?

Dorfdisco : JA!

Ramin : Man wird leider erschreckend häufig darauf festgenagelt. Dabei haben wir festgestellt, dass es vielleicht insgesamt so zehn Stellen gibt auf dem Album, die extrem Retro-Achtziger klingen.

Dorfdisco : Aber wenn ihr Textzeilen wie “Klatscht in die Hände” einsetzt spielt ihr doch bewusst damit.

Maurice : Ja klar, das ist dann auch schon so geplant. Aber im Grunde geht doch alles auf den Schlager zurück. Denn auch die bekannt gewordene Neue Deutsche Welle, die dann in der Hitparade und so landete, ging doch letztlich auf den Schlager zurück. Schlager mit ‘n bisschen Synthies.

Dorfdisco : Apropos Schlager. Wolltet ihr Euch mit ‘Mädchen meiner Träume’ für den Grand Prix d’Eurovision de la Chanson qualifizieren oder warum ist so ein krasser Schlagertitel auf dem Album?

Gunther : Stimmt schon. Das ist schlicht und einfach ein Schlager. Der kommt noch aus der Zeit, in der ich in Münster gelebt habe. Zusammen mit AvL (Andre van Lochum), der das Lied geschrieben hat und ich habe dann mit ihm den Text geschrieben. Das Lied war eigentlich für unsere Schlager-Kombo, die Ibero-Brüder, gedacht. Ein trashiges Projekt, das wir als Kompensation für unsere Punkband gegründet hatten. Ich meine, man hat ja auch weibliche Seiten an sich…

Dorfdisco : Wir sind der Frisoersalong, da müssen wir natürlich fragen, welche Frisuren ihr in den Achtzigern hattet?

Ramin : Maurice hatte die unglaublichste ABC-Popper-Frisur.

Gunther : Das erste mal, das ich mir aktiv eine Frisur habe machen lassen, war das eine Pschycobilly-Frisur mit Tolle. Danach habe ich dann das Skateboard entdeckt und hatte dann kurze, verfilzte Haare, an den Seiten weg und nur oben so verfilzte Stoppel.

Ramin : Bis zu meinem dreizehnten Lebensjahr hat mich mein Vater immer zu einem türkischen Barbier um die Ecke geschleppt, der dann einfach alles abgesäbelt hat. Als ich dann alt genug war, selber zu entscheiden, habe ich die Haare einfach wachsen lassen und hatte dann meist lange Rastas.

Dorfdisco : Wie habt ihr die Achtziger musikalisch erlebt?

Gunther : Also ich muss sagen, dass ich die Achtziger musikalisch erst in den Neunzigern aufgearbeitet habe. Das, was es in den späten Achtzigern gab als ich Teenager war, fand ich alles Scheiße. Das hat mir Nichts gegeben. Das Einzige, mit dem ich etwas anfangen konnte, war HipHop so von Run DMC und Public Enemy und so was. Aber für den klassischen Achtzigerjahre-Pop und auch NDW, war ich zu jung. Das habe ich dann erst Anfang der Neunziger entdeckt.

Dorfdisco : Warum bloß? Unsereins war froh, als es vorbei war.

Gunther : Wir hatten in unserer Nachbarstadt eine Gruppe, die hieß E. Die bestand aus mehreren Freunden von mir, die alle etwas älter waren und Fans waren von eben Palais Schaumburg, der Plan, aber auch den Residents. Also so ein bisschen Avantgarde-Komisch-Dada-Bands, die hatten so einen arty Anstrich und die haben mir das irgendwann mal vorgestellt und ich fand das ganz lustig. Aber in den Achtzigern selber habe ich eigentlich fast nur Sixties-Sound gehört weil ich die zeitgenössische Musik so schrecklich fand.

Maurice : Also bei mir war das ein bisschen anders, ich war in den Achtzigern großer The Fall-Fan zum Beispiel und kam eigentlich ganz gut klar, muss ich sagen.

Ramin : Ich auch, ich war sehr großer The Smiths-Fan. Lustigerweise war’s ja so, dass Maurice in den Achtzigern aus der eher härteren Ecke mit The Fall, The Cramps und Psychobilly und so kam und ich aus der leicht weinerlichen und depressiven Smiths-Ecke und wir haben uns dann einfach in den Neunzigern beim Funk getroffen. Wir haben eigentlich dreiviertel der Neunziger nur P-Funk gehört.

Maurice : Genau, George Clinton und so’n Kram. Aber grundsätzlich hat man als Kind natürlich auch so den Hitparadenscheiss mitgekriegt. Das Einzige, woran ich mich gerne erinnere und wo ich mich auch heute noch freue, wenn ich etwas davon höre, ist Trio. Auch wenn Stefan Remmlers Kinder jetzt auch Musik machen, die können mir meine Erinnerungen nicht kaputt machen!

Gunther : Im Grunde hat sich da nicht viel geändert zur Jetztzeit: die Chartmusik war zum größten Teil Schrott und da hat man sich halt anderen Sachen zugewandt.

Dorfdisco : Was hört ihr jetzt so für Musik?

Ramin : Ich muss gestehen, ich höre fast gar keine Musik mehr. Ich höre nur noch Radio. Ich weiß echt nicht, wann ich mir das letzte mal ein Album gekauft habe. Die letzte Scheibe, bei der ich noch einen Aha-Effekt hatte, war die letzte Lambchop.

Gunther : Ich habe im Moment mal wieder die Soundtrack of our Lives für mich entdeckt. Ansonsten habe ich in letzter Zeit noch mal ein Punkrock-Revival, auch dadurch dass ich mit den Cockbirds Punkrock mache. Da bin ich auf meine alten Favoriten verfallen, so was wie Wipers und so. Aber an Aktuellem habe ich derzeit keine Lieblingsscheibe. Was ich im letzten Jahr ganz lustig fand, waren diese total überkandidelten Glamrock-Kapellen wie The Ark und The Darkness, aber so nach drei mal hören war der Witz dann auch weg.

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