STEVE MORELL: Elvis is the Songwriter


Oktober 28th, 2008 | 3 Kommentare ...  

STEVE MORELL: Elvis is the Songwriter
Leck mich doch die Welt am A... , Steve Morell, Foto: Os, Dorfdisco 2008

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Und die Käuferkommunikation zusammengebrochen ist.

Das kommt alles dazu, und so verlieren sie auch die Motivation. Momentan spiegelt sich da eine große Frustration in der Musik. Und was vor ein paar Jahren noch wie der Tanz auf dem Vulkan rüberkam, kommt jetzt Frustrationsmäßig rüber. Vor ein paar Jahren war es auch noch so, dass mit den Drogen nicht so offen umgegangen wurde, inzwischen singt man darüber wie Call me an Ambulance, Morphine Moprphine, oder Transformer: Flasche aufm Rücksitz im offenen Coupe usw. Es geht gerade nur um Leck mich am A., Frust, wegmachen, Feierabend im Karton. Und das ist nur in Berlin, in anderen Städten ist es auch so. Ich bin gerade viel in Prag. Das ist Irrsinn, und in London ist es genauso, was da weg geballert wird, was die Leute sich da den Schädel wegpusten. Und ich weiß auch nicht ob ich da unbedingt Freund von bin, du kennst mich, eher nicht, weil ich keine Drogen nehme, aber, wenn ich mal Step-back in Time zurück in die Zeit so 20-25 Jahre, da war es teilweise ähnlich. Da hat man bis morgens um zehn noch im Basement gestanden…

Die Geschichte von Ich bin der Kaputte und habe Erfolg, da gibt es drei Ausnahmen weil Amerika ein großer Markt ist

Ja sicher, klar. Die Leute die die Musik machen, die sind dann auch nicht so drauf, aber sie spielen das, was um sie herum passiert, das was sie sehen und wahrnehmen. Das ist wiederum gut, dass so was gerade passiert.

Aber schau dir das Business an, Popsternchen und Schülerbands, der Rest ist abgehoben, zumindest in Deutschland.

Das ist das Ding, dass Plattenlabels kein Geld mehr haben, ein kleines Label nach dem anderen kackt ab, und die Großen, sprich Universal oder sonst was, die buttern ihre Kohle in Wannabe coolen Hipbands, die sich irgendwas von dem exsistierenden Underground abgeguckt haben. Und das wird dann promoted, weil die noch das Geld dafür haben. Du kannst doch mit einem kleinen Label heute keine große Promo mehr fahren, kannste knicken. Ein Label verdient heute mit physikalischen Tonträgern sowieso kein Geld mehr, das ist nur noch Promo für den Künstler.

Und wenn der Künstler nicht bereit ist seine Verlagsrechte herzugeben dafür, dass das Label agieren kann, dass es physical Promo machen kann, warum soll man dann überhaupt noch mit Künstlern Platten machen? Ich steck doch keine 5000 Euro in ne Produktion rein, die sehe ich doch nie wieder. Der Künstler hat die Promo, dem seine Gage gehen hoch, und ich hab 5000 Euro abgelatzt und sitz auf den Platten die sich nicht verkaufen lassen.

Lacher – dann sollte man vielleicht Acts signen die sich noch verkaufen. Ist doch die wirtschaftliche Aufgabe eines Labels

Ja wir verkaufen auch Tonträger wir haben auch gute Stückzahlen, aber es ist nicht das was es rum reißt. Da können die Acts noch so gut sein. Da kannsten Namen drauf haben wie Marc Almond oder whatever, es interessiert nun mal keinen Schwanz mehr.

Marc Almond? Das kann man schon verstehen…

Nee, der ist noch gut, der füllt in England immer noch komplette Hallen

In England… hier füllt er dein Regal…

Also die meisten Tonträger verkaufen wir in England und Amerika. Deswegen geht mir der deutsche Markt so auf den Sack, haben alle keine Ahnung. Deutsche Journalisten genauso. Die deutschen Journalisten funktionieren so: die kaufen sich englische Magazine, wenn da was besprochen wird, wird es auch in Deutschland besprochen. Zwei Monate später haste in jeder Zeitung nen fetten Artikel über die. Ist doch lächerlich so was. In England oder Frankreich geht es ganz anders ab. Da wird erstmal geguckt die Acts die im Land sind, und dann, wenn dann noch Platz ist können wir noch was von draußen mit rein nehmen. Aber die Deutschen haben halt ein Problem mit sich selbst und ihrer Geschichte die seit sechzig Jahren langsam mal überholt ist, ich glaube man hat langsam mal genug getan.

Liegt aber auch größtenteils an den deutschen Acts selbst, oder? Gibt ein paar Gegenbeispiele wie 1000 Robota, aber insgesamt…

Klar es gibt schon noch ein paar Ausnahmen, aber wenn du mal guckst was an deutschen Bands da so gepusht wird, zum Beispiel, ja, ich hab ihn auch mal getroffen, ist auch “ein Netter der Herr Peter Licht, aber es tut mir echt leid, ist nicht mein Cup of Tea. Oder wie hieß denn diese andere Band da aus…, äch, wie hieß die denn diese ganzen Bands da… das war letztes Jahr überhall Hype, irgendwas mit Blum.. irgend so was…

Auch eine Popband? Vielleicht, Silbermond?

Silbermond! Leck mich doch die Welt am Arsch, oh Gott! Das ist was ich meine…

Oder wie Patrick Wagner sagte zur Promo von Navel sagte ein Musiksender „Kettcar finden wir zwar auch scheiße, müssen wir aber machen”

Ja, weil die bezahlen. Ein kleines Label kann sich so was halt nicht leisten. Dann sind die halt die Gefickten, dann macht eins nach dem anderen zu. Die Paar die sich noch halten, die müssen gerade echt gucken, wie kriegen sie noch Kohle ran. Aber ich finde das nicht mal schlimm. Wir haben hier auch ne komplette Umstrukturierung hinter uns…. Dancetracks zum Beispiel, was bringt es? Was bringt es physikalische 12″ raus zu bringen? Für die paar Djs? Ein Dancetrack läuft allerhöchstens ein halbes Jahr, und dann ist over die Geschichte. Und ich glaube nicht, dass sich heute noch jemand für ne 12″ von Sven Väth von Anfang der 90er Jahre interessiert. Aber sagen wir mal ne Cramps Platte, die wird einfach immer nachgepresst und nachgekauft. Weil das eben Musik ist die… das ist wie Beethovens Neunte, die wird auch immer wieder nachgekauft.

Und da geht es hin. Wir hatten da vorher die Nihilists, die haben sich gesplittet, der eine wollte mehr Elektronik machen, der andere wollte mehr Back to the Roots, Rock n Roll, machen jetzt Kill the Dandies. Demo geschickt gekriegt und ich dachte oops, was ist das denn, das kenne ich doch eigentlich alles, aber genau das ist es. Die machen genau das, wo sie hergekommen sind, und es hat Western, Garage, Rock ‘n Roll Einflüsse, und funktioniert einfach super. Oder die Prostitutes, war eines der Highlights auf dem Insane dieses Jahr.

Prostitutes… Altherrenrock…

Nein, das war kein Altherrenrock, waren nur Kids da. Oder wenn du dir anguckst S.C.U.M., die sind alle 17-18-19, und was machen die für Musik? Jesus and the Mary Chain und noch was anderes zugepackt. Und auch bei den Experiment on a Bird in the Air Pump, kannste Gossip und Jesus and the Mary Chain zusammenpacken haste Experiment on a Bird. Du spürst da Frust bei denen…

Wie neu lackiert

Nee, auch nicht wie neu lackiert. In der ganzen Phase die es vorher gab, die da so schön anfing mit Electroclash, dann Electropunk, zwischendurch jetzt wurde es dann New Rave genannt, wurden wieder Sachen eingebaut die wie beim Rock ‘n Roll Songstrukturen hatten, da hatte es sich schon angebahnt. Und jetzt stehen sie wieder da, wir wollen keine Backing-CD mehr benutzen und haben nur 2 Standtoms, oder nur eine Snare und was damit machen? Hinstellen und anfangen zu trommeln. Nur eine Bassgitarre, ok, und wir können singen, ok, einfach gucken was wir damit machen.

Die gehen gar nicht nachdem was haben JATMC gemacht, oder was hat der und der gemacht, die fangen einfach an Musik zu machen, mit dem cheapen Equipment was sie haben kreieren sie einfach das, was dann was ihr Style wird. Guckst dir doch jetzt mal an, ums auf Englisch zu sagen, Stages: broken, equipment: cheap, also broke, crowd fucked up, und Elvis ist the Songwriter. Es basiert alles wieder auf Rock ‘n Roll!

Teil 2 des Interviews nächste Woche.

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Kommentare / Comments:

  1.  
    1. nona  

    komme gerade zufällig mal wieder vorbei und muß da jetzt mal reingrätschen:

    Ich hatte mich sehr gefreut auf insane und dort insbesondere (altersbedingt) die dernier garde – mona mur etc. Ich habe es dann kurzfristig wieder gestrichen weil mir diese pseudo-bohemien-Zeitplanung (nicht nur pale, aber pale meistens) echt auf den Senkel geht:

    Nirgendwo standen die konkreten Zeiten; ich habe diese gottseisgedankt (apropos …getrommelt hätte ich auch gerne nochmal gesehen) kurz vorher per email bei pale angefragt und war ENTSETZT.
    Ich bezahle mit Mitte 40 + “straight edge” (= ohne die Gnade wachhaltender Substanzen) nicht 20 EUR plus eine Woche Regenerationszeit für ein in Berlin stattfindendes Festival, das trotz Kapazität (stattdessen Filmvorführungen im großen Saal!) von vornherein um 00:00, 1:00 BEGINNT. Da hätte man ja vielleicht die Konzerte auch nach vorne legen und die DJ-Geschichten und hippe Hüpfer nach hinten.

    Und ich muß noch nicht mal jeden Tag früh aufstehen sondern nur einige wenige.

    = Wenn Ihr partout alle Leute ausschließen wollt, die auch am Tag ein interessantes Leben führen (wollen), heult hinterher nicht rum! ];->

    ciao
    NoMy

  2.  
    2. Rosi  

    Etwas spät, aber heute erst gelesen und deshalb auch mein Senf zum Interview:
    Kann mich nona nur anschließen; ich war allerdings da. Fragte mich als 40+ :-) aber auch, was das soll, warren suicide (derentwegen ich hin bin) um 4:00 Uhr antreten zu lassen – in der Gewissheit, dass ich 3 h später wieder meinen Spießer-uncoll-antikreuzbernixprenzlbergmittagserstenkaffee-Job antreten muss. Wieso ging das nicht zu einer zivilen Zeit?
    Ärgerlich auch, dass es die Abend-CD angeblich nur vor Ort gab – ich hab nix gesehen … dafür wird dann ja auch nicht mal meine E-Mail an Pale wg. dieser CD beantwortet, für die ich gerne 15 Taler auf den Tisch gelegt hätte ….(es gibt Leute, die Eintritt zahlen und wissen, wie ihr alle rumkrepelt …).
    So, Ärger off. Zur Sache:
    Dass Gejammere verstehe ich. Aaaber: Wer nicht in Eurer Szene verankert ist – und das meine ich jetzt genau so – erfährt auch schlichtweg nichts von solchen Veranstaltungen. Ich habe danach in der Firma davon erzählt, wie gut ich es fand. Meine Kollegen – alle musikinteressiert – meinten, ach, hättest uns mal mitnehmen sollen. Ihr leidet nicht unter dem Kollaps der Musikindustrie, sondern an dem totalen Überangebot in Berlin (… wer soll noch zu all den Konzerten gehen?) und dem grottenhaft miesen Marketing, dass der Anfang von allem ist. Wenn ihr von euren Aktivitäten leben wollt, müsst ihr zum Kunden. Ich als 48jähriger, der sich wie viele andere in meiner Generation für “junge” Musik interessiert, erfahre aber von 99,9 % der Sachen nix, weil ich keinen Zugang zu eurer Szene habe und scheinbar es auch ohne diesen Zugang nicht geht. Wenn ich weiß, was abgeht, gehe ich auch gerne hin und zahle brav Eintritt. Wenn ich aber “tote” hp’s wie die von Pale oder sonstwas durchforsten muss, geht das einfach nicht. Auf insame bin ich auch nur gekommen, weil ich im Sommer auf MotoFm warren suicide kennen lernte, über deren myspace vom insame las u.s.w. … So kann das aber nicht funktionieren … Entweder rauß aus dem selbstgeschaffenen Ghetto oder im Übungskeller bleiben … Ich weiß, dass ist bitter, aber anders geht es eben nicht.
    Schönes neues Jahr

  3.  
    3. Oliver  

    Hi Rosi,
    wir können nicht mehr als Bands und Veranstaltern unsere Möglichkeiten wie ZB. freier Eintrag im Kalender, anbieten. Wenn davon nicht Gebrauch gemacht wird, können wir denen nicht extra nachlaufen, obwohl wir selbst das manchmal tun. Im Fall von Insane zB. hatten wir umsonst Banner geschaltet und Vorabmeldungen geschrieben. Mehr geht leider nicht.
    (bzw. lesen dieses interview mit einem renommierten konzertveransalter: http://www.kb-k.com/HTML/ueber%20uns.htm > “Macht heut nacht München zu”)

    Dass Dorfdisco (“Eure Szene”) an sich nicht so bekannt ist liegt auch daran dass Dorfdisco kein Umsonst-Werbeblättchen auf der Treppe zu deinem Club sein kann und sein will. Im Netz will man entdeckt werden, wer dies tut kommt auch wieder zu uns zurück. Danke* OS.