N.A.S.A.: Stars auf perfekten DJ-Beats


Juli 25th, 2009 | 0 Kommentare ...  

N.A.S.A.: Stars auf perfekten DJ-Beats
N.A.S.A. : warten auf den Mond...

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N.A.S.A. nennt sich nicht nur die US-amerikanische Weltraumbehörde, sondern steht auch für „North America / South America“, ein neues DJ-Projekt von von DJ Squek E. Clean aus Los Angeles und DJ Zegon aus Sao Paulo. Es macht erstmal durch die großen Namen der Gastsänger Eindruck. Die reichen von B.I.G. über M.I.A. bis David Byrne – aber was steckt dahinter? Das erzählt Ze Gonzales a.k.a. DJ Zegon, eine Hälfte des DJ-Duos, im Interview.

Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Sam und ich haben uns in LA im April 2003 kennen gelernt. Ich habe zu der Zeit da gewohnt. Wir hatten gemeinsame Freunde, die immer meinten, wir sollten mal etwas zusammen machen. Er stand dann vor meiner Tür mit seinem MPC und wir haben einfach aus Spaß mal ein paar Beats produziert. Nach einiger Zeit des Zusammenspielens stellten wir fest, dass wir zusammen besser waren als jeder von uns einzeln.

Wie kamt ihr auf die Idee mit dem N.A.S.A.-Projekt?

Am Anfang haben wir Remixe gemacht und mit Sounds gespielt und uns dabei vorgestellt, wie das Ganze mit unseren Lieblingskünstlern klingen würde. Fatlip von Pharcyde ist ein guter Freund, und der hat mit Slim Kid Tre den ersten Track aufgenommen. Wir bekamen KRS ONE noch dazu – da hatten wir den ersten starken Track. Dann haben wir noch einen zweiten Track mit Fatlip gemacht und Karen O. von den Yeah Yeah Yeahs dazu genommen. Dann haben wir Ol’ Dirty Bastard erreicht. Der Track kam dann richtig gut und wir dachten: So muss das werden: Wir müssen Leute aus verschiedenen Welten zusammen bringen, wie Karen O., ODB und Fat Lip. Dem Weg sind wir dann gefolgt. Das hat lange gedauert, fast sechs Jahre, mit viel Geduld und vielen „Neins“ und ein paar „Jas“.

Also habt ihr zunächst im Bekanntenkreis rekrutiert.

Die ersten Leute mit denen wir angefangen haben waren Freunde, danach haben wir gesagt: Lass uns das durchziehen! Wir ahnten nicht, dass wir so weit kommen würden. Nachdem wir fünf, sechs Tracks hatten habe ich gesagt: Lass uns so viele machen, wie wir schaffen.

Wir haben zunächst eine Traum-Wunschliste gemacht für die Tracks die wir hatten, mit möglichen und unmöglichen Künstlern. Wir haben dann versucht, die auf jedem Weg zu erreichen: über Freunde und deren Freunde, über Manager, wir haben Künstler bei Konzerten in L.A. angesprochen. Auf dieser verrückten Liste waren fast hundert Leute, und fast die Hälfte davon haben wir auch bekommen.

David Byrne ist ein gutes Beispiel. Wir haben über ein Jahr lang versucht, den zu erreichen. Keine Antwort vom Label, dem Management, auf E-Mails. Sam fiel dann mal auf, dass jemand David Byrnes Nichte kannte. Der hat er dann die CD geschickt. Die hat sie Byrne gegeben und schon am nächsten Tag kam ein Anruf von ihm. Er sagte: „Das gefällt mir, ich will dabei sein!“ Er hat dann an mehrerer Songs mitgearbeitet. Wir haben ihm vier, fünf Vorschläge geschickt, er hat drei aufgenommen, wovon zwei auf dem Album gelandet sind.

Wer hat dann die Musik eingespielt? Sind das Samples, oder seid ihr selbst auch Musiker oder habt ihr Musiker eingeladen?

Wir sind Produzenten. Sam hat einen Musikhintergrund. Ich programmiere und ich habe immer Musik gesampled und einzelne Bausteine benutzt, sie recycled. Neben den Stars auf dem Album, den eingeladenen Gästen, ist auch eine Gruppe Musiker dabei, die Instrumente spielen, die wir dann gesampled haben. Wir haben immer mit einem Beat angefangen, einer Idee von einer alten Aufnahme. Dieses Album basiert auf brasilianischen Funk-, Soul- und Psych-Rock-Soundtracks aus den späten 60ern, frühen 70ern. Das ist mein Lieblingseinfluß aus der brasilianischen Musik, das ist die Hauptquelle für die Samples auf dem Album.

Wie entwickelt ihr dann den Song?

Wir fangen mit der Inspiration von dem dem Sample an, schaffen den Beat, die Grundidee. Wir hatten Musiker und haben dann das ursprüngliche Sample runter genommen und das, was sie eingespielt haben wieder gesampled. Das Meiste wegen der rechtlichen Klärungen mit den Samples. Da gibt es viel Bürokratie und es ist auch schwer bis unmöglich, diese Künstler zu erreichen. Also benutzen wir sie vor allem als Anregung.

So richtig nach Brasilien klingt das Album für mich allerdings nicht.

Mein Konzept als Brasilianer, der brasilianische Musik sampled ist nicht, die Exportmusik zu verwenden, sondern obskure, vergessene Platten, unbekannte Sachen, nicht Samba oder Bossa Nova, der populäre brasilianische Sound.

Wie würdest Du das Album musikalisch einordnen? In welchem Bezug steht es zu HipHop?

Wir kommen beide aus einem HipHop-Hintergrund. Wir sind HipHop-DJs. Ich werde bald 40, und habe mit HipHop schon 1984, 85 angefangen. HipHop ist mein größter Einfluss. Im HipHop kann man Einflüsse aus allen Musikrichtungen verwenden. HipHop ist ein Lebensgefühl.

Im HipHop heutzutage hat man zwei Seiten. Die glatte, kommerzielle, radiotaugliche, austauschbare, wo der Track dieser Woche in der nächsten schon wieder vergessen ist. Und die Neue Schule, die mischt und verschiedenen Stile verbindet, Uptempo, Club, Vibe, die HipHop mit Clubmusik zusammenführt. Das finde ich toll, weil es auch das unterschiedliche Publikum zusammenbringt. Das macht auch als DJ mehr Spaß, mehr als vor ein paar Jahren.

Seht ihr euch dann mit solchen Acts wie M.I.A., Santigold oder auch Yo Majesty verbunden, die ja auch aus einem HipHop-Hintergrund genreübergreifende neue Stile entwickeln?

Ich finde nicht, dass unser Album wie einer dieser neuen, trendigen Stile klingt. Wir haben eigentlich absichtlich versucht, etwas zeitloses zu produzieren, nicht so was wie den neuen HipHop oder den neuen Club. Natürlich hat die aktuelle Musik Einflüsse, aber bei den meisten Tracks kannst du nicht sagen das klingt wie 2008 oder 2005. Wir wollten absichtlich nicht klingen wie Radio-HipHop, oder auch Club-HipHop. Wir wollten nur Songs machen, die nicht nach einem Datum klingen.

Was für Vorbilder hattet ihr für Euer Album?

Wir hatten ein paar Alben, von denen wir Fans waren, wie Handsome Boy Modeling School, das war das wichtigste, wir mögen (Dan The) Automator. Wir waren immer Fans, ohne jetzt so zu tun, als ob wir jetzt sie sein wollen.

Das Album hat ja auch politische Anklänge in den Texten. In wieweit kamen die von Euch?

Auch wenn wir auf dem Album nicht singen, waren wir eine Art Regisseur bei jedem Song – wir haben den Künstlern erklärt, worum es in dem jeweiligen Lied geht. Ein Song wie „Money“ – der ist ja ganz aktuell jetzt in der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Aber den Track haben wir schon vor 5 Jahren gemacht. So war es nicht bewusst, aber er macht jetzt Sinn. Es ist einiges auf dem Album, was wir nicht vorhersehen konnten. Einerseits ist unser Album ernst, andererseits Spaß – es hat beide Seiten.

Ihr habt ja einige Teils renommierte Künstler dazu bekommen, sehr schöne animierte Videos zu den Songs zu machen. Waren das Auftragsarbeiten, bei denen ihr ihnen gesagt habt, was ihr gern hättet?

Nein, sie waren recht frei zu machen, was immer sie wollten. Die meisten Künstler, die die Videos gemacht haben, sind Freunde von uns, sie haben es aus Freundschaft gemacht, nicht für Geld. Alle eigentlich. Sie fanden das Projekt toll. Ich bin sehr angetan von den Videos, das ist die Art wie sie die Musik hören. Wir mussten da gar nichts sagen oder dirigieren. Nur ganz selten haben wir mal was zur Grundidee des Songs gesagt.

Ich habe mit eurem Album ein Problem, das fast absurd klingt: Es ist mir zu perfekt. Irgendwie stimmt alles, aber gerade das Unerwartete, den Fehler, so was vermisse ich.

Ja, die Kritik habe ich schon öfter gehört. Was ich an Musik manchmal mag ist, wenn man sie mehr als einmal hören muss. Manche Sachen mag ich nicht sofort, sondern brauche eine Weile. Was man über unser Album sagen kann – jeder wird irgendeinen Song davon mögen, weil es so viele verschiedene Stile hat.

Wie wollt ihr das N.A.S.A.-Projekt weiter entwickeln?

Wir haben einen Plan für die brasilianische Version des Albums. Wir wollen in den Songs dann brasilianische Gäste singen lassen, in Portugiesisch.

Dieses Album ist irgendwo eine erste Version, es ist die amerikanische Version, also nicht nur USA. Das ist eine völlig andere Sache. Europa ist viel offener für Neues, wenn ich mir hier den Underground anschaue. Deshalb haben wir nichts Portugiesisches auf dem Album, weil es auf dem US-Markt nicht funktioniert. Selbst wenn man da einen Song auf Spanisch macht, funktioniert das nur für die Latino-Community. Portugisiesch ist für die nochmal schwieriger. Aber wir werden das durchbrechen!

Mit wem wollt ihr auf der brasilianischen Version zusammenarbeiten?

Da gibt es einige. Einige neue MCs und einige etablierte, meistens HipHop-Künstler, vielleicht wieder Seu Jorge, er ist einer meiner besten Freunde und ein toller, perfekter Musiker. Wir haben noch ein paar unfertige Tracks, die ziemlich gut sind. Die nehmen wir vielleicht für die brasilianische Version.

Ich hatte immer den Traum mit einem Typ namens Miguel de Deus aufzunehmen, den wir gesampled haben. Aber der ist leider gestorben. Er war einer der wichtigsten psychedelischen Gitarristen und Komponisten. Ich hatte das Glück, ihn noch kennen zu lernen. Ich produziere Beats für seinen Sohn, der ist MC. Ich hatte auch immer den Traum, mal mit Jorge Ben aufzunehmen. Aber der ist niemand, der mit neuen Künstlern oder im HipHop-Bereich was zusammen macht. Aber vielleicht wird das ja noch was. Tony Tornado ist noch ein funky Künstler, mit dem ich gern arbeiten würde. Mal sehen, was daraus wird. Vielleicht ein zweites Album.

Was passiert abgesehen von der Funk Carioca-Szene aus den Favelas von Rio, die ja im Westen langsam recht gut dokumentiert ist, musikalisch an neuen Sachen in Brasilien?

Es gibt eine große neue Electronicaszene, neue Kids die tolle Songs machen. Database aus Sao Paulo zum Beispiel, die sind gut. In Rio gibt es eine Gruppe namens The Twelves, die touren grad in den USA und machen Remixe für alle möglichen Künstler. Es gibt ein paar DJs wie DJ Nuts, der machte die tollsten Mixe mit Brasiliens am schwersten, unmöglich zu findenden Platten, der arbeitet auch schon weltweit. Black Alien ist einer der besten MCs, die ich je gesehen habe, der mit all den Superstars, mit denen ich aufgenommen habe mithalten kann. Nação Zumbi ist eine Band aus Recife in Nordbrasilien, mit großen Afrotrommeln und schweren Gitarren, mit einem Sepultura-Vibe. Es passiert etwas in vielen verschiedenen Stilrichtungen.

http://www.myspace.com/nasa



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