Sitcoms Single Release


Sitcom Warriors im Bastard, 8.6.2001

Juni 14th, 2001 | 0 Kommentare ...  

Sitcoms Single Release
Sitcom Warriors im Bastard, 8.6.2001 Photo © Dorfdisco 2001

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Es gibt nicht viele Bands denen man ein zünftiges Potential vorraussagen möchte, noch weniger Sänger die dies erreichen, sogar noch weniger die dies ohne jegliche Macken, Schreien oder sonstiges wildes Hampeln tun, und wenn man dann noch ein zweites, tolles Projekt hat ist man bei Jonas Poppe und den Sitcom Warriors bzw. Kissogram angekommen.

Hier aber stand die erste Single Release Party der Warriors an, und so waren wir in Stimmung einen guten Abend mit ihnen und ihren Freunden im Bastard zu verbringen, nicht ohne dass es mal wieder stundenlang Verzögerung wegen einem Theaterstück im angeschlossenen Volksbühnenableger gab. Trotzdem schien das niemand davon abzuhalten in einer beeindruckend langen Schlange bis auf die Strasse zu warten, schließlich gab es ein tolles Rahmenprogramm obendrein: Dj Coolia (Julia von den Pop Tarts – spielte ständig Rockschinken von Led Zep. bis Ramones), Locust Fudge (mit Schneider TM) als Surprise Guest, sowie der unbeschreibliche Doc Schoko als Support.

Doc Schoko - liess erstmal Puppen tanzen. Photo © Dorfdisco 2001

Doc Schoko - liess erstmal Puppen tanzen. Photo © Dorfdisco 2001

Über den werden wir bald noch einiges berichten müssen. Gelesen hatte man den Namen ja schon mal, und dann dies: Doc Schoko spielt “Ich mag sie” mit einer simplen Verbundenheit, die den Evergreen von S.Y.P.H. fast noch verbesserte. S.Y.P.H.? Sagt Euch nichts? Dann heisst das 20 Jahre Punkschule nachsitzen – oder zu Doc Schoko gehen! Dann bekommt man schonmal das ganze Universum aussagekräftiger 2-Minuten Stücke, völlig unprätenziös und trotzdem verschwitzt mit Ansagen wie: ich stand da letztens in Dortmund auf dem Hauptbahnhof oder Hamburg, München Rüdesheim – überall nur Altersheim von seinem genial dilettantischen ‘Wir müssen die Puppen tanzen lassen’ Singlehit. Die LP kommt später. Bezeichnenderweise spielte er zusammen mit Drums und DJ Lobotomy an zusätzlicher Pauke und Rutschkommode bis der dann irgendwann im Publikum stand – dann kamen die Sitcom Warriors.

Live sind sie, wie man sie auch sonst antrifft, cool. Poppe steht einfach da – und singts. Musikalisch sind sie auf bestem Wege, auch wenn hier und da ihre Einflüsse durchschimmern. Es ist vielleicht nur ihre Art sich von dem abzugrenzen, was hier um sie herum und heutzutage so alles ist. Die Texte sind dafür freilich genial – und würde es hier eine Kunstszene geben, die Sitcom Warriors wäre ihre Band. Nach einem einstündigen Set traten sie eine Pause an, die dann Locust Fudge mit vier Titeln ausfüllte. Danach gabs noch eine halbe Stunde heftiger tanzbaren Rock, welches in einer 20 minütigen Version ihrer Single Stück’s “No One is Allowed (to touch my little sister)” endete. Miss Rose fand’s klasse, und ich hatte Zeit ein paar Fragen zu stellen:

Dorfdisco: Ihr habt so eine Lässigkeit, die ihr als ‘Modern City Coolness’ beschreibt. Wie kamt ihr darauf?
Jonas Poppe: “Modern City Coolness” steht für eine gewisse Abgeklärtheit, die man, wenn man in einer Großstadt aufwächst, (bis auf unseren Schlagzeuger sind wir alle in Berlin geboren und aufgewachsen) erlernt. Das heißt erstens, man ist nicht mehr schnell erstaunt über scheinbar ungewöhnliche Dinge und deshalb auch nicht mehr ohne weiteres begeistert. Infolge der täglichen Konfrontation mit Massen von Menschen, entwickelt man manchmal eine kühle, oft ironische Distanz, um sich mit seiner Umgebung zu arrangieren. Das ist keine Arroganz (wer “cool” ist, ist nicht arrogant bzw. wer arrogant ist, hat keine wirkliche “Coolness”), sondern nur das “dicke Fell” der Stadtmenschen. Die positiven Seiten der Modern City Coolness: man ist flexibel und nicht naiv also nicht anfällig für Demagogen und Schwätzer und man kann sich trotzdem über vieles gut amüsieren.

Dorfdisco: Stört es dich wenn du in einigen Songs bei SW mit der Art von Lou Reed/ V.U. verglichen wirst?
Jonas Poppe: Ich habe früher viel VU gehört, sie sind eine große Band gewesen. Daher stört mich der Vergleich nur, weil er nicht unbedingt paßt. Wir haben weder musikalisch noch textlich einen besonderen Bezug zu den 60ern. (Oder klingt “No one is allowed” etwa nach 60er-Jahre-Avantgarde?) Mag sein, daß ich eine ähnliche Stimmlage wie Lou Reed habe, die hatte ich allerdings schon in meiner “Jugendband”, da ist das niemandem aufgefallen. Wir benutzen jedenfalls keine Vorlagen oder so von den großen VU.

Dorfdisco: Du singst fast ausschließlich Englisch. Warum?
Jonas Poppe: Ich singe auf Englisch, weil mir die Sprache besser gefällt und ich mit deutschen Bands und vor allem deren Texten oft nichts anfangen kann. Wenn Du willst, zähle ich Dir irgendwann meine Top-Ten der peinlichsten deutschsprachigen Entgleisungen auf, zB “Liebficken” von Sofaplanet. Da muß ich kotzen bei so’ner Scheiße.

Dorfdisco: Bist du gefühlsmäßig mehr bei den Warriors oder bei Kissogram zuhause?
Jonas Poppe: Gefühlsmäßig vielleicht eher bei SW. Aber Kissogram macht auch Spaß. Kissogram ist für die Mädchen und das Studentenpack.

Dorfdisco: Die E.P. hätte schon früher herauskommen sollen. Wie war das mit dem Label das Pleite ging?

Jonas Poppe: Die EP hätte schon früher herauskommen sollen, aber das war auch größtenteils unsere Schuld, das großartige “Fucky”-Label hatte kein Geld und wir lagen auf der faulen Haut. Wir machen erstmal neue Aufnahmen, dann läuft vielleicht was mit “Flittchen”-Records.



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