EAGLES OF DEATH METAL: Nichts im Rock ‘n’ Roll kann neu erfunden werden


Ein Interview mit Jesse Hughes von den Eagles of Death Metal

Juni 20th, 2009 | 8 Kommentare ...  

EAGLES OF DEATH METAL: Nichts im Rock ‘n’ Roll kann neu erfunden werden
Jesse Hughes - Eagles of Death Metal, Foto: Wee Flowers

Von

Das war ja nun eine sehr heterogene Generation. Manche haben ja durchaus auch was erreicht, wie Obama.
Was hat denn Obama wirklich erreicht?

Den Leuten zumindest Hoffnung und eine Vision gegeben.
Aber wenn das auf einer Lüge basiert? Er hat den Leuten allein die Möglichkeit gegeben, sich selbst mit einem beschissenen Fernseh-Image zu betrügen. Er hat keine praktische Erfahrung als Präsident. Alles was er vorschlägt ist, dass die Menschen mehr von ihrem Lohn ausgeben. Das nenne ich nicht wirklich Fortschritt.

Und er ist ein Kommunist. Und unter keinen Umständen kann ich an Kommunismus glauben. Ich glaube nicht im Geringsten an sozialistische Ideale. Ich denke, jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich. Gesetze stehen da nur im Weg, und der Staat ist nicht die Antwort, sondern das verdammte Problem.

Also bist Du libertär eingestellt?
Ich bin ein rechter Extremist. Ich will mein Geld und meine Waffe und niemanden, der mir erzählt, was ich zu tun habe. So fühle ich nun mal, und kann da nichts machen. Ich glaube nicht an magische sprechende Affen, sondern an Gott (lacht etwas gezwungen, weil er merkt, dass ich nicht mit ihm übereinstimme). Es scheint mir einfach vernünftiger, Mann.

Obama ist mein Präsident. Also sollte niemand in meiner Gegenwart schlecht über ihn reden, solange ich nicht in den USA bin. Er wurde gewählt. Aber inoffiziell: Er ist ein Betrug. Kann man nicht anders sagen. Und wenn Du Dir seine „Leistungen” genauer anschaust, ist er einfach nur ein Schönredner. Er sieht toll aus vor der Kamera, und er klingt großartig! Das zeigt, wie tief wir als Volk gefallen sind, dass es reicht, wenn wir jemanden mit einem Lächeln in der verdammten Idiotenkiste sehen. Ein Typ mit ein paar Versprechen, der super aussieht und den die Filmstars mögen? Da sind wir leicht betrogen worden. Ich würde nie jemanden wählen, den Filmstars wählen!

Wenn Filmstars jemanden wählen, ist er größte Drecksack der Welt. Glaub mir das, Mädchen, ich bin aus Hollywood. Das ist die Heimat der Lügner. Wenn Dich ein Filmstar mag, solltest Du die Beine in die Hand nehmen und weglaufen – denn das ist der Böse.

Ich frag mich schon die ganze Zeit, wie ernst Du das jetzt alles meinst.
Ich bin der einzige im Rock ‘n’ Roll, der so fühlt. Ich bin der Einzige, der die Eier hat das zu sagen. Es ist wie im Staatskommunismus: (flüstert) Sag ja nichts Schlechtes über Obama. Das ist keine Freiheit. Und diese Leute wollen auch gar keine Freiheit. Deshalb machen sie mir Angst.

Was wäre dann aus deiner Sicht die bessere Wahl gewesen?
(Atmet tief durch) Jemand, der weniger wahrscheinlich dem gesunden Menschenverstand in die Quere kommt. Ich weiß nicht, wer das wäre – ich wähle tendenziell Republikaner, weil sie meistens weniger arrogant sind. Niemand wird mich davon überzeugen, dass George Bush ein schlechter Mann war. Wer das behauptet, ist einfach schlecht informiert. Weil die Filmstars George Bush gehasst haben, muss er der beste Mensch der Welt sein, ein Engel. Und wenn ihn die Palästinenser gehasst haben, muss er ein absoluter Heiliger sein.

Politik ist eine merkwürdige Sache, und auch Rock ‘n’ Roll. Ich habe nun mal meine Überzeugungen und kann da nichts dran ändern. Wenn jemand die Welt bedroht, dann muss man ihnen eins draufgeben.

Aber Du hast Politikwissenschaften und Journalismus studiert?
(räuspert sich) Ja, habe ich. Linke in der ganzen Welt sagen Dir, Du kannst von der Limonade trinken. Wenn sie gewählt wurden, gießen sie Dir ein bisschen davon ein und sagen: Das ist alles, was Du trinken kannst. Das ist Beschiss! Niemand kann mir etwas geben und wenn es mir jemand anbietet, dann verarscht er mich. Entweder ist es ein Drogendealer oder ein Politiker.

Irgendein Politiker? Also egal ob links oder Republikaner?
Das wollen sie uns glauben machen. Sie wollen, dass es uns egal ist. Sie wollen, das wir so abgestumpft sind, dass wir glauben, alles ist gleich oder das Links gut ist. Wir fallen in dieselbe Falle. Wir sind Bill Clinton hinterhergelaufen, er war ein Drecksack. Er hat uns die ganze Zeit blamiert. Er hat die ganze Zeit nur gelogen, und wir haben es ihm geglaubt. Wenn wir dann zugeben müssten, das wir uns getäuscht haben zwingen uns unsere Egos zu sagen: Die sind alle gleich.

Ich habe viele Politiker kennen gelernt, die tolle Männer waren. Aber sie sind von den beschissenen Drecksäcken zermürbt worden. Die machen ein Puppentheater mit schönem, hellem Licht, in einer Puppentheaterbox namens Fernsehen, wenn es um die wirklichen Punkte geht.

Erderwärmung ist ein verdammter Beschiss. Erderwärmung lenkt uns von dem Fakt ab, dass die Ölkonzerne uns am Zapfhahn total abziehen, indem sie einfach Geld geben, um nach alternativen Energien zu forschen. Es gibt keine Anhörungen dazu, warum die internationalen Ölkonzerne ihre Preise erhöht haben und dabei Rekordprofite verzeichnen. Wir reden von alternativen Treibstoffquellen, die wir mit unseren Steuergeldern bezahlen müssen! Das ist Schwachsinn. Das ist keine Freiheit. Das ist umgekehrte Psychologie.

Jetzt mal wieder zur Musik.
Siehste. Wer will schon über Politik reden…

Wir haben lange genug über Politik geredet und die Zeit geht zur Neige. Also: Das neue Album. Ich las, dass es unter anderem von Captain Beefheart beeinflusst wurde.
Ja – Safe as Milk. Aber auch viel HipHop und Soul. Ich fahre total auf Funkadelic ab. George Clinton ist ein Held von mir. Was die Produktion angeht, haben wir uns sehr daran orientiert. Wir wollten es riesig und tief und überlebensgroß. Wenn Du eine alte Parliament-Platte hörst, glaubst Du, es ist ein Raumschiff im Zimmer und jeder will mit Dir Sex haben. Angst einflößend. Und wir wollten, dass es die beste Platte wird, die wir machen können.

Und das habt ihr auch irgendwo geschafft, finde ich. Ich fand die Musik doch recht subtil unter der dröhnenden Oberfläche.
So so, subtil (grinst).

Na ja, zumindest subtiler als erwartet.
Ich bin immer noch irgendwie neu im Rock ‘n’ Roll und noch unsicher in meinen Bewertungskriterien. Also schätze ich es immer, wenn jemand so was Nettes sagt. Auf den ersten beiden Platten war ich Scheiße. Da habe ich grad mal angefangen Gitarre zu spielen. Wie ein Werwolf. Ich war mein ganzes Leben ein Werwolf, der seinen ersten Vollmond mit 30 gesehen hat. Es war alles eine völlig irre Fahrt von da an bis zu dem Punkt, wo ich jetzt Ahnung habe und wir wirklich eine gute Platte machen wollten. Die ersten beiden Platten haben zusammen drei Wochen gebraucht, bis wir sie aufgenommen hatten – diese jetzt 1 ½ Jahre.

Warum hat es so lange gebraucht? Habt ihr es in mehreren Etappen aufgenommen?
Ja. Jimmy Page ist einer unserer größten Helden. So haben wir uns gesagt, lasst uns das auf einer Tour aufnehmen wie Led Zeppelin damals. Ich bin dann mit den Queens of the Stone Age in ihrem Bus mitgefahren. Wir sind in vier oder fünf Studios gewesen, merkwürdige Orte im Mittelwesten: Butte, Montana, Billings, Montana, and Fargo, North Dakota. Dann konnten wir auch in Sound City in Van Nuys aufnehmen, wo Fleetwood Macs „Rumours” aufgenommen wurde, und Nirvanas „Nevermind”, sowie alle Alben von Cheap Trick. Ich bin froh, dass wir so lange gebraucht haben – so kam ich dazu, ein bisschen Rock ‘n’ Roll zu spielen.

Hast Du in der Zeit auch Shows gespielt?
Wir sind hin- und her geflogen, unsere Terminpläne waren total voll. Wir haben auch auf Festivals gespielt – deswegen haben wir auch in Holland aufgenommen, weil wir da alle gemeinsam waren. Das war alles großartig!

Welchen Einfluss hat Josh Homme auf der Platte gehabt. Er ist ja nicht in der Tourband.
Solange er mich nicht mit seiner Band spielen lässt, tourt er auch nicht mit meiner Band. Aber er ist mein bester Freund, mein Partner. Er hat also den gleichen Einfluss auf dem Album. Tendenziell schreibe ich die Musik, und Joshua produziert es dann. Also hat er direkten Einfluss auf den Sound. Der Mann ist ein Genie!

Die Instrumente spielen wir beide abwechselnd – es ist nur er und ich im Studio, da muss man improvisieren. Man muss dazu lernen – das finde ich toll. Dieses Album haben wir auch gemeinsam produziert.

Hat eigentlich der doppeldeutige Albumname – „Heart On”, was gesprochen auch so kling wie „Hard-On”, also Ständer, Erektion, im englischsprachigen Raum für Aufregung gesorgt?
Na ja, es kam von „Heart on your sleeve”, also Herz auf der Zunge. Die andere Bedeutung war ein Zufall, ein super Zufall (lacht). Das Bild vorn drauf (ein blutendes Herz in einer fest zupackenden Frauenhand, d. A.) soll sagen, dass die Herzen aller Männer im Griff der Frauen sind. Das war meine große Botschaft – ich wusste nur nicht, dass es so deutlich werden wird auf dem Cover.

Ich hörte, es war ein Schafsherz?
Das Herz eines lebenden Lämmchens…

Eines lebenden Lämmchens? Nicht doch.
Aber ja, Schätzchen.

Wo wir gerade bei körperlichen Dingen sind – Du hast tolle Tattoos.
Einige davon habe ich mir hier in Deutschland machen lassen. Früher habe ich keine Tattoos gehabt. Aber seit ich Rock ‘n’ Roll mache erlebe ich so tolle Sachen, an jedem neuen Ort, wo ich hinfahre. Und so wird es auch immer voller auf meiner Haut.

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Kommentare / Comments:

  1.  
    1. riot_queer  

    Mit dem Interview hier, dass ihr so ohne weiteren Kommentar so stehen lasst und der Akzeptanz der Interviewerin bzgl. des immer wiederkehrenden "Schätzchen" habt ihr Euch selbst mal mächtig ins Bein geschossen.

  2.  
    2. Barbara Mürdter  

    Wer da Akzeptanz reinliest ist selbst Schuld. Man muss nicht immer mit dem Holzhammer kommen, erst recht nicht, wenn es der Interviewpartner schon selbst tut.

    Noch mal zu Erklärung der kulturellen Hintergünde: Der Mann vertritt klassische konservative Südstaatenansichten kombiniert mit Rock’n’Roll (steht auch im Interview – Black Flag knallt auf Gospel!). Da kommt dann so ein krudes Gemisch raus.

  3.  
    3. Cameron  

    Ha Ha, super Interview :) ))…nicht jeder mag "Riot" und "Queer" ist auch nicht besonders originell, Schätzchen ;)

  4.  
    4. Barbara Mürdter  

    Wo Du es sagst – Herr Hughes mag sogar beides, Riot und Queer: Er feiert Rock’n'Roll ab, und nennt Little Richard (schwarz und schwul) sein größtes Rollenvorbild. Einfach mal genau lesen.

  5.  
    5. Cameron  

    Ich weiß,ich auch :) …sich über das " Schätzchen " und seinen konservativen Sprüchen aufzuregen fand ich nur albern. Rock’n'Roll ist und war eben noch nie PC.

  6.  
    6. zoppotrump  

    Shut Up ‘n Play Yer Guitar

  7.  
    7. eduard  

    what the fuck. unglaublich, was dieser vollidiot für einen scheiß daher redet. ich bitte darum, diese völlig überbewertete deppenband in zukunft zu ignorieren!

  1. 8

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