EAGLES OF DEATH METAL: Nichts im Rock ‘n’ Roll kann neu erfunden werden


Ein Interview mit Jesse Hughes von den Eagles of Death Metal

Juni 20th, 2009 | 8 Kommentare ...  

EAGLES OF DEATH METAL: Nichts im Rock ‘n’ Roll kann neu erfunden werden
Jesse Hughes - Eagles of Death Metal, Foto: Wee Flowers

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Dieser Tage sind die die Eagles of Death Metal mit ihrem ditten Album „Heart On” auf Festivaltour in Europa. Das im Frühjahr veröffentlichte Album ist das erste, mit der Frontmann Jesse Hughes zufrieden ist. Er mischt Classic Rock, Country und Funk und gibt dabei auf der Bühne den Hyper-Mann, an dem der Schnurrbart und die Kotletten nicht fehlen dürfen. Überhaupt genieße er das Rock ‘n’ Roll leben. Er liebt die Frauen – und redet gern über Politik. Dabei wird allerdings nicht nur dem durchschnittlichen Europäer, sondern auch seinen eigenen Bandkollegen schnell Angst und Bange, so krude sind seine Ansichten. Weil er dabei so ein knuffiger Typ ist, mag man kaum glauben, dass er es ernst meint – aber er tut es.

Was Du mit Eagles of Death Metal machst, erinnert mich an Glam Rock. Aber damals, Anfang der 70er, hat man Klischee-Frauenbilder ironisiert. Heute machst Du das mit Klischee-Männerbildern. Ist der Eindruck richtig?
Genau so kann man das sagen. Ich mag Glamour, und ich mag Glam. Bei Glam geht es darum zu strahlen, zu glitzern. Aber ich bin kein Mädchen und will auch keins sein. Ich liebe Mädchen und will mit ihnen zusammen sein. Also dachte ich, wenn ich aussehe wie der typische Vater dieser Mädchen als sie so drei Jahre waren, kann mir das helfen. Das nennt sich Freud für den Hausgebrauch. Also, Schätzchen, Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.

Denkst Du, dass es auch ein Zeichen der Zeit ist, Glamrock damals und das was Du jetzt machst. Damals waren die Rechte für Schwule und für Frauen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, heute diskutiert man wieder viel über klassische heterosexuellen Männerbilder. Oder siehst Du das als Zufall?
Da kommt Mehreres zusammen. Ich höre zum einen Classic Rock Radio. Dann mein Aufwachsen. Allein der Ort, an dem ich aufgewachsen bin, die Wüste. Es hat aber auch viel damit zu tun, dass das Umfeld im Moment so abgestumpft, so langweilig, so cliquenhaft ist, jeder meint zu wissen was Sache ist. Das ist Scheiße. Jeder führt sich auf, als ob er die Welt erfunden hätte, als ob sie Anspruch auf alles hätten. Niemand hat das Recht auf etwas. Und ich bin hier um sie dran zu erinnern, dass es um Rock’n’Roll und Mädchen geht, und sich gut zu amüsieren. Es geht nicht darum, Wale zu retten, oder um die Erderwärmung oder Politik. Das ist Müll.

Du bist im US-amerikanischen Süden groß geworden. Der hat ja eine ganz spezielle, eigene Kultur. Inwieweit hat Dich das musikalisch, aber auch allgemein geprägt?
Als ich aufwuchs war das Kirche am Sonntag und Gospel. Also habe ich sechs Jahre im Kinderchor mitgesungen. Das hatte einen starken Einfluss auf mich. Mein Vater war ein Country-Rocker, so wie Lynyrd Skynyrd und die Marshall Tucker Band. Das waren ja Rock’n’Roll-Bands. Und meine Großmutter mochte Big Band-Musik. So habe ich Swing gehört. Und wenn man dann 1979 nach Kalifornien umzieht, ändert sich plötzlich alles. Da ging es mit Punkrock los und alles war aus dem Ruder, völlig verrückt. Wenn Black Flag auf Gospel trifft wird es ganz merkwürdig. Nimm alles und wirf es in einen Mixer.

Hybridität ist ja eine allgemeine Tendenz derzeit, in allen musikalischen Bereichen.
Aber jeder tut so, als ob er es erfunden hätte. Ich tu nicht so, als ob ich den Mist erfunden hätte. Man hört ist, ich verstecke es nicht. Ich will es wie Little Richard halten – ich will nicht anders sein als ich bin.

Little Richard ist, wie ich las, ein Idol für Dich, was das Image betrifft. Richtig?
Er ist mein Idol. Der Erste. Die Quelle. Das erste Elvis Presley-Album besteht zur Hälfte aus Little Richard-Covern. Elvis kam nach ihm – es gab ihn wegen Little Richard.

Redest Du jetzt von der Musik oder vom Image?
Von allem. Musik und Image. Elvis war kontovers, weil er seinen Schwanz geschüttelt hat. Little Richard war kontrovers, weil er darüber gesungen hat, dass er weiße Frauen vögelt – und weiße Jungs.

Da haben wir aber wieder den Bogen zum Glam-Rock. Die beiden hatten definitiv einen weiblichen Touch in ihrem Auftreten. Und bei Dir ist es das Gegenteil – du hast diese übertriebene Männlichkeit.
Es ist übertriebene Männlichkeit für Frauen. Ich bin nicht Mann, um Jungs zu beeindrucken. Es ist nicht wie eine Limp Bizkit-Show oder eine Rap-Show, ein Haufen aggressiver Typen. Das will ich nicht. Ich will Mädchen – also bin ich ein Mann für Mädchen. Mein Männerklischee ist mehr wie der Tom Selleck-Kalender. Darauf will ich hinaus, Schätzchen.

Ja, ich hörte, Du kannst das eine oder andere Bemerkenswerte über Schnurrbärte erzählen.
Ich denke, Schnurrbärte sollten weder dämlich noch ironisch sein. Das ist wie ein sanfter Besen wenn man Sex hat, er kitzelt wirklich und bringt Dich in Fahrt. Es scheint mir einfach vernünftig, einen zu haben. Ich wollte keinen Schnurrbart, der Schnurrbart wollte mich, Schätzchen.

Zurück zur Musik. Deine Einflüsse waren also Rock, Gospel, Punk und Little Richard…
Und Country! Ich bin im Süden aufgewachsen, ich hatte all diese Musik. Und damals kam das grad alles zusammen. Nichts im Rock’n’Roll kann neu erfunden werden. Es ist schon alles gemacht worden. Also hört auf, es zu versuchen – macht es einfach so, wie es ist.

Bist Du eigentlich auf dem Land oder in der Stadt groß geworden?
Ich bin in Greenville, South Carolina aufgewachsen. Das ist Stadt und Land gleichzeitig. Ein Kilometer zwischen Stadtleben und Kühen. Die zweite Hälfte meiner Kindheit habe ich in Südkalifornien verbracht. Die Schule da und die Sommer in South Carolina. Ich war also zwischen diesen Welten geteilt, die unterschiedlicher nicht sein konnten.

War es denn in South Carolina noch eher altmodisch oder schon moderner?
Sehr traditionell. Mit modernen Elementen, aber altmodisch im Denken. Das finde ich toll. Ich denke, wir sind zu unserem eigenen Schaden alle zu modern. Alle sind zu schlau. Sie haben aufgehört, an Gott zu glauben. Sie glauben an magische sprechende Affen. Halt mal! So werden wir verrückt.

Na, du warst ja auch auf der Uni. Und es gibt sicher auch einiges Gutes im modernen Denken, grad wenn man den US-amerikanischen Süden sieht…
Natürlich gibt es auch Gutes an der Modernisierung. Aber ich meine dieses Intellektuelle, der Glaube an Technologie als Erlöserin, oder die Besessenheit mit irgendwelchen Geräten. Oder die Selbstbesessenheit, dass wir nur noch fernsehen und es uns erzählen lassen, was wir machen sollen – dumm.

Aber ist diese absolute Technologiegläubigkeit nicht auch eine Sache, die schon wieder vorbei ist? Zumindest in Deutschland war das doch eher eine Sache der 50er, 60er und 70er.
Die gesamte Generation, die uns einen Teil der besten Musik der Welt gegeben hat, hat uns verraten. Die 60er-Generation war ein Haufen lügender, egozentrischer Arschlöcher, die nur Drogen nehmen wollten und ficken, und nichts anderes. Sie taten aber so, als ob sie die Welt verändern wollten und haben sich hinter der schwarzen Bürgerrechtsbewegung versteckt. Punkt.

Von den Straßen, auf denen sie marschiert und high gewesen sind, sind sie in die Politik gegangen, in die Legislativen und die Parlamente dieser Welt. Mir fehlt jeder Respekt vor der Generation der 60er. Total wertlos für Führungspositionen. Persönlich sind einige von Ihnen die tollsten Menschen der Welt.

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Kommentare / Comments:

  1.  
    1. riot_queer  

    Mit dem Interview hier, dass ihr so ohne weiteren Kommentar so stehen lasst und der Akzeptanz der Interviewerin bzgl. des immer wiederkehrenden "Schätzchen" habt ihr Euch selbst mal mächtig ins Bein geschossen.

  2.  
    2. Barbara Mürdter  

    Wer da Akzeptanz reinliest ist selbst Schuld. Man muss nicht immer mit dem Holzhammer kommen, erst recht nicht, wenn es der Interviewpartner schon selbst tut.

    Noch mal zu Erklärung der kulturellen Hintergünde: Der Mann vertritt klassische konservative Südstaatenansichten kombiniert mit Rock’n’Roll (steht auch im Interview – Black Flag knallt auf Gospel!). Da kommt dann so ein krudes Gemisch raus.

  3.  
    3. Cameron  

    Ha Ha, super Interview :)))…nicht jeder mag "Riot" und "Queer" ist auch nicht besonders originell, Schätzchen ;)

  4.  
    4. Barbara Mürdter  

    Wo Du es sagst – Herr Hughes mag sogar beides, Riot und Queer: Er feiert Rock’n’Roll ab, und nennt Little Richard (schwarz und schwul) sein größtes Rollenvorbild. Einfach mal genau lesen.

  5.  
    5. Cameron  

    Ich weiß,ich auch :)…sich über das " Schätzchen " und seinen konservativen Sprüchen aufzuregen fand ich nur albern. Rock’n’Roll ist und war eben noch nie PC.

  6.  
    6. zoppotrump  

    Shut Up ‘n Play Yer Guitar

  7.  
    7. eduard  

    what the fuck. unglaublich, was dieser vollidiot für einen scheiß daher redet. ich bitte darum, diese völlig überbewertete deppenband in zukunft zu ignorieren!

  1. 8

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