S.Y.P.H.: Da könnte man ja Skat spielen


November 30th, 2009 | 1 Kommentar ...  

S.Y.P.H.: Da könnte man ja Skat spielen

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Also, früh mit Bildern aufgewachsen, dann aber auch einer der originell einflussreichsten deutschen Texter, der bis heute noch zitiert wird. Bestes Beispiel das Zurück zum Beton, wonach später eine deutsche Punk Ausstellung in Düsseldorf benannt wurde und letztes Jahr auch wieder die Leipzig PopUp. Hatten die dich dazu befragt?

Harry Rag: Nee, die haben mich nicht gefragt. Da gab es aber auch noch eine andere Ausstellung namens “Pop am Rhein”, und die hatten sich ein Betonmischer ins Foyer gestellt, und wenn man dort auf den Fußboden auf einen Knopf drückt, dann dreht er sich und kommt aus dem Inneren des Mischers „Zurück zum Beton”. Die haben es tatsächlich gemacht und installiert, aber ich habe es leider nicht gesehen.

Zurück zum Beton, ist das nicht geschützt, automatisch?

Harry Rag: Ja doch, das könnte man. Aber ich weiß nicht, ob das so Sinn macht. Wenn es wirklich soweit ginge, dass damit eine große Produktion Geld verdient, dann könnte ich sagen, das ist mein Slogan, weil der ist ja nicht aus dem alltäglichen Sprachgebrauch, sondern eine ganz bewusste, kreative Wortverdrehung von Zurück zur Natur. Wenn zum Beispiel der Spiegel das als Überschrift benutzt, dann wäre das ein Zitat, was ja auch taz und andere Zeitungen ständig machen. Die zitieren ja auch Platten- oder Songtitel in Überschriften.

Also wenn sich das eine Firma auf die Fahne schreibt, sähe das anders aus?

Harry Rag: Ich bin da erst mal stolz darauf, wenn ich irgendwas beigetragen hab in dieser riesigen Welt.

Wie kam diese Wortverdrehung zustande, was war der Hintergrund?

Harry Rag: Wir sind ja groß geworden in mitten der Siebziger, in der Parkazeit mit Greenpeace und Atomkraft nein Danke und so, was nicht heißen soll, dass wir das waren. Zumindest ich nicht, und die meisten meiner Freunde auch nicht. Wir waren keine Atomkraftgegner oder Befürworter, wir waren auch keine Grünen oder sonst was, das war jedenfalls die Zeit. Und ein Begriff damals war eben Zurück zur Natur, die eigentlich diese Rousseau Vorstellung war. Und ich habe gedacht, ok, ich meine zwar dasselbe, im Grunde unterstütze ich das, dreh es aber um, und verdrehe die Wertigkeit: so Beton ist toll, ich will in Beton tanzen, blauer Himmel, blaue See, hoch lebe die Betonfee. Keine Vögel, Fische, Pflanzen, ich will in Beton tanzen. Diese Absurdität, Vögel, Fische, Pflanzen, was gibt’s schöneres, stell dir vor, das wäre nicht mehr da! Aber das war eben die Zeit, und eine ironische Betrachtung, reine Ironie.

Was immer noch mal fragen wollte, die erste EP Viel Feind Viel Ehr mit Industrie Mädchen / Moderne Romanze usw., Industrie Mädchen, dieser deutsche Ur-Hit, der auch noch von Fehlfarben übernommen wurde, du warst der Komponist, oder Texter?

Harry Rag: Nee, in dem Fall war ich ausnahmsweise gar nichts, weil die Band S.Y.P.H. wurde damals von Thomas Schwebel und mir gegründet und darauf erst wurde Uwe Jahnke gesucht und gefunden. Thomas hatte damals viele Texte geschrieben, und eins davon war eben Industrie Mädchen – wozu Uwe die Melodie fand. Nach der ersten S.Y.P.H. Single hatten wir das auch auf die LP gepackt, und da war das auf der LP das einzige Stück wo ich nicht den Text geschrieben hatte. Danach erst haben Fehlfarben ihre Single gemacht, nur Mittagspause hatte das vorher auch immer gespielt.

Diese Platten sind heute sicher teuer…

Harry Rag: Die Viel Feind Viel Ehr ist letztens auf Ebay für über 250 EUR weggegangen. Ich weiß nicht ob eine Punkband in Deutschland je so einen Preis erzielt hat. Und die anderen S.Y.P.H. Platten liegen alle, zumindest wenn sie im Original angeboten werden, zwischen 50 bis 80 Euro. Nur ich weiß nicht, wer soviel bezahlt.

Vielleicht zeigt sich daran ein gewisser Stellenwert, den man nicht so einfach erreichen kann eigentlich…

Harry Rag: Wobei, wenn wir mal ein Konzert spielen, dann kommen nur wenige. Da haben wir gestern auch wieder Leute aus dem Saal gespielt. Ganz zum Schluss, als es quasi zum Höhepunkt kam, zur Zugabe, da war nur noch eine sehr überschaubare Menge da.

Ja blöd, früher war man um 4 noch auf den Beinen …

Harry Rag: Ja, aber wenn ich die alten Fotos gucke hier vom ersten Konzert, hier in Berlin im SO36 direkt um die Ecke, da gibt’s Fotos die sind gemacht worden von hinter der Bühne, und du siehst wie viele Leute tatsächlich im SO36 waren. Ich hab nämlich damals immer gedacht, das waren beide Tage rappelvoll. Aber in Wirklichkeit waren da nur so 150 Leute die sich da verliefen. Das war nicht ausverkauft, oder dichtes Gedränge…

Apropo erste Konzerte, vor über 20 Jahren hatest du mal bei einer meiner ersten Auftritte gesagt, dir war als wenn du die Sex Pistols gesehen hättest. Kann ich heute sagen, mir war’s gestern Abend ja als wenn ich Public Image gesehen hätte …

Harry Rag: Weisst du was, eben haben mich noch Leute gefragt, wer ist denn der smarte Schwarzhaarige da, und dann habe ich denen erzählt woher ich dich kenne, und was ich über dich weiß, und dass eben dieser erste und einzige Auftritt, den ich von dir gesehen hab, mich schon beeindruckt hat, weil du ein super Sänger warst. Diese Stimme und das Image eines ausgelaugten Existentialisten… Das war ein tolles Konzert, Sexorzisten auf Atonal, war ein klasse Konzert, eigentlich….

Ahhh, das kann ich aber so nicht reinbringen…

Harry Rag: Doch, warum nicht? Ich bestehe drauf.

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Kommentare / Comments:

  1.  
    1. Mark Eins  

    S.Y.P.H. ist ein Stück bester deutscher Kultur, Respekt.