KISSOGRAM: Everything Sir!


Berlin’s intelligenter Electroact Kissogram kreieren nicht nur ihren eigenen Sound, sondern verstehen es auch perfekt Genres und Geschichten auf höchstem Niveau zu kombinieren.

Juni 4th, 2007 | 0 Kommentare ...  

KISSOGRAM: Everything Sir!
Jonas Poppe - Kissogram

Von

Jonas :
… mit Gonzales an der Seite, der ein musikalisches Genie ist und Renaud Letang, der ein Super-Produzent ist. Und dann hatten wir noch Universal bzw. Motor im Rücken und genug Geld und konnten uns im Prinzip alles wünschen. Wenn wir ein Streichquartett wollten, wurde dann einfach ein Streichquartett ins Studio geholt. Das war super. Jetzt haben wir es nicht so einfach wie damals…

Dorfdisco :
Das hört man aber nicht, im Gegenteil. Das neue Album wurde, wenn man dieses 2te-Platte-Syndrom bemüht, überraschend gut.

Jonas :
Wir sind auch besser geworden. Das was wir jetzt so geschafft haben, produktionsmäßig, das hätten wir damals nicht alleine geschafft. Damals brauchten wir auf jeden Fall jemanden wie Renaud Letang. Heute könnten wir ein Album komplett alleine fertig machen. Nur wird’s garantiert besser wenn sich jemand hinsetzt, der sich nur um Sachen wie Frequenzen, Equalizing, Kompression usw. kümmert.

Dorfdisco :
Also wenn ich mich hier umsehe, sieht das hier fast aus wie ein Büro.

Jonas :
Das ist auch sowas wie ein Büro, aber auch gleichzeitig unser Studio und Proberaum. Nur das Klavier haben wir bei mir zuhause aufgenommen.

Sebastian :
Ich würde für die nächste Platte ganz gerne mal wieder so arbeiten wie wir es früher mehr gemacht haben, die Stücke direkt Live umsetzen. Erstens haben wir dann schon die halbe Miete fürs Konzert, und zweitens haben wir es dann schonmal ausprobiert und sitzen nicht nur am Computer.

Dorfdisco :
Das berühmte Bauklötzchen schieben…

Jonas :
Wir schieben da nicht nur, wir spielen das schon auch ein. Für die nächste Platte würde ich aber schon gerne wieder mehr Gitarre und Schlagzeug einsetzen. Vor allem da ja unser Alter Ego Sitcom Warriors jetzt fehlt.

Dorfdisco :
Kissogram und Schlagzeug?

Jonas :
Jaja, Manager in Love zum Beispiel ist schon mit Schlagzeug. Wir haben die Schlagzeugspuren nur zum Teil “zurechtgerückt” und sample-mäßig benutzt, damit sie mit den elektronischen Rhytrhmen konform gehen. Diese Computer-Frickelei, die uns immer angedichtet wird, stimmt ja nur zum Teil. Wir sind beide Musiker, wir jammen gerne und spielen ganz gut Klavier und Gitarre. Das haben wir auch auf “Nothing, Sir” gemacht.

Sebastian :
Live improvisieren wir schon noch, spielen nicht immer das Gleiche. Zwar jammen wir nicht wie eine fünfköpfige Band, aber immerhin gibt es nie dasselbe!

Jonas :
Wir passen Stücke über Monate und Jahre auch an. Zum Beispiel bei Buzzard King, das fing in an mit einem einzigen Sample, das war ein ganz simples Stück im Jahre 2002. Dann haben wir das live gespielt und dann hat sich noch viel entwickelt. Wir haben die Gitarre dazugenommen und haben das wieder zurück ins Studio genommen usw., bis es auf Platte kam. Das war eine ständige Wechselwirkung zwischen Live-Version und Aufnahme. Es gibt auch sehr viele Versionen von dem Stück.

Dorfdisco :
Buzzard King, das ist doch euer King Bee!

Jonas :
Ehrlich gesagt denke ich eher an Canned Heat, diese 60s-Bluesrock-Band die auch auf Woodstock gespielt haben. Eins ihrer Lieder, “Going up the Country”, das erinnert mich an Buzzard King.

Dorfdisco :
Für mich seid ihr eine der ursprünglichsten Berliner Bands.. zumindest was mein Verständnis von Berliner Mitte repräsentiert.

Jonas :
Dabei laufen wir im Ausland besser als hier.

Dorfdisco :
Auch verkaufsmäßig?

Jonas :
Nee Live. Leider haben wir im Ausland noch keinen Vertrieb und keine Partner-Labels. Das muss unbedingt kommen.

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