BAD KLEINEN, im Interview


September 1st, 2003 | 0 Kommentare ...  

BAD KLEINEN, im Interview
Feldstudie: mit den BKs auf Tuchfühlung. Foto: Stammgast

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Das Bad Kleinen war ein brauchbarer Laden Anfang 2002-2004 in dem Gruppen wie die Türen, Cockbirds oder auch Sexy O Droga groß wurden. Zweimal die Woche war auf und es kam ein junges Publikum das froh war in keine Disco gehen zu müssen. Dorfdisco war dort quasi Stammgast und traf sich hernach mit den Machern zu einem Interview.

Szenerie:

Die drei agilen Gesellen, unsere Helden, sitzen auf dem Rasen. Sie wurden von mir hierher bestellt. Ich möchte alles über das Bad Kleinen wissen. Dirk bringt mich mit einem zuvor von mir geforderten Stick durcheinander (später gibt es sogar einen zweiten;). Es obliegt dem Leser zu entscheiden, ob das zwei gute Ideen waren.

Dorfdisco: Na, wieviele Leichen habt ihr aus dem Keller gezogen?

Sven: Die haben wir da reingelegt.

Jörg: Ich hoffe ja, dass sich das damit auch mal erledigt hat… (Pause…)

Dorfdisco: Also gut, die offene Frage: wird es wieder ein Bad Kleinen geben?

Sven: (schallendes Gelächter) Es gibt keins mehr. Alles andere wäre eine faustdicke Überraschung.

Jörg: O.K., Interview beendet, heheheheheheh. Bist Deine Kilometer hierher umsonst gefahren… (geht und holt Bier für sich)

Sven: Naja, erstmal muß man ja erzählen, dass das Ende von Bad Kleinen (II) lange im Voraus geplant war. Zuerst aber hatten wir das Bad Kleinen (I / 2001), um mal unter Wettkampfbedingungen das Trinken zu trainieren und andere Talente in der Stadt aufzuspüren. Dann 2002 kam die Politikmasche mit diesem eigenen Kandidaten (Gerdmund-Schroiber) und den Parteiveranstaltungen, um das Nachtclubben oberflächlich politisch zu radikalisieren, und dann erst das zweite Bad Kleinen als der dicke, fette Bruder vom ersten Bad Kleinen. Das mußte aber unbedingt zum Ende Juni 2003 schließen, wegen dem 27. Juni 1993. Also war die letzte Party am 28., ein Tag nachdem Wolfgang Grams 10 Jahre tot ist. Von was Längerfristigem war also nie die Rede. Keine Ahnung, warum manche Gerüchte aufkommen, es gäbe bald ein Bad Kleinen (III)? Weil wir zu dritt sind? Unsere „Wählergemeinschaft-Gerdmund-Schroiber“-Aktion als Trilogie geplant war?

Dirk: Wieso? Ich fand‘s prima. Von Anfang an!


Sven:
Wo „Bad Kleinen“ draufsteht, ist also immer mehr drin. Demnächst wird das ein Verein mit 100 wahnsinnig subversiven, subkulturellen Snobs und Pantoffelterroristen. Also mal was komplett neues hier in Berlin: Leute, mit denen man gerne feiert. Daher: Liebe Kinder, gebt fein acht… (allgemeines Gelächter)


Jörg:
(wieder da) Wir haben ja noch das Internetportal „tontransfer.de“, unsere Kunstgalerie „glücksritter+liebesspieler“, den coolen Megaseller„Naik“, und neuerdings, als Ersatz für Gerdmund, unseren kürzlich gegründeten Verein „Knabenleid e.V.“. Der Name ist in unserem Zufallsgenerator als Anagramm aus „Bad Kleinen“ entstanden. Unser Zufallsgenerator ist übrigens jung, hübsch, hört auf den Namen „Annalena“ und steht nicht zum Verkauf. Danke Annalena.

Dorfdisco: Was waren die Bad Kleinen Gründe?

Sven: Die Bad Kleinen Gründe? Wir wollten mal wieder anständig feiern. Das ging ja gar nicht, was da so die letzten Jahre lief.

Jörg: Wir wollten uns selbst nur feiern.

Dirk: Wir wollten sozial aufsteigen.

Sven: Wir wollten sozial aufsteigen und mal wen kennenlernen.

Jörg: Wir wollten uns mal kennernlernen, aber ich bin mir nicht so sicher, ob uns das so ganz gut gelungen ist…

Dirk: Wenn man so hört, was alles passiert ist…

Jörg: Ja, das Bad Kleinen war oder ist das Gegenprogramm. Die Antithese zur normalen Unterhaltung. Das Bad Kleinen ist die Antwort auf soziale Provokation. Unser Gegenschlag!

Dorfdisco: Wo wir bei dem Namen wären… Wie kamt ihr darauf?

Sven: Wir waren ziemlich betrunken. Ich glaube, es gab einfach keine anderen Vorschläge. „Bad“ hört sich so prima nach Kur und so an. „Bad Eden“ wäre natürlich auch schön gewesen, aber das gibt’s ja schon.

Dirk: Wir wollten einfach keinen Namen, nach dem uns jeder blöd „warum, warum?“ fragt.

Jörg: Wir wollten die mit reichlich negativen Connotationen besetzten Wörtern wie Ost-Deutschland, Staatsterrorismus, Verschwörung, Sich-Selbst-Richten und so weiter mit attraktiveren Attributen versehen. Also mehr Alkohol, viel mehr andere Musikauswahl als anderswo wo auch immer, aber auf alle Fälle etwas härter und abwechslungsreicher. Mehr Spaß, mehr fröhlich Betrunkene…

Sven: Wir dachten aber auch, dass mehr Leute was mit „Bad Kleinen“ als Geschichte anfangen können. Erklär mal einen Namen, den Dein Gegenüber nicht kennt, weil er die Geschichte dazu nicht kennt…

Dorfdisco: Jetzt seid ihr selber Geschichte. Die Taz hat mal geschrieben, das Bad Kleinen wär ein Laden für die, die nur nachts aus dem Haus gehen und für die Sodom und Gomorrah ein Kindergarten ist. Was ist nun die lustigste Story aus dem ehemaligen Bad Kleinen?

Sven: Die staunenden Gesichter der Gäste, wenn man erzählt, dass Jörg die „Bad Kleinen“- Weltkarte ganz alleine mit Nagelfeilen seiner Freundin hergestellt hat. (Gelächter)

Jörg: Ich hab keine Lust jetzt… Also, eine der lustigen Geschichten die ich leider nicht mitteilen kann, ist wie H-Rock im Keller steht…

Bad Kleinen 3, vlnr: Sven, Jörg, Dirk.

Dirk: Die ist wirklich lustig.

Jörg: Aber das ist zu lang.

Sven: Was kostet denn das Bier? Zwei, zwei fuffzig? Hättest mir noch eins mitbringen sollen. Also, wieviel kostet eins?

Jörg: Eins sechzig kostet eins regulär. Aber die nächsten Tage die ganzen Peinlichkeiten über unsere Gäste zu bereden zum Beispiel, weisst du noch was der gemacht hat und so, ha-ha-ha… (geht holt Bier für Sven und sich)

Dirk: Die eine war auch nicht schlecht. Die da hinten vor den Toiletten lag, als die Toiletten noch im Hofdurchgang waren. Die lag einfach vor den Dixie-Toiletten, so „ey – uaaey!“.

Sven: Im Trash, früher, wärste echt, wenn dir da nur kurz so die Augen zugefallen wären, zack!, und schon hätte dich irgendjemand am Kragen gepackt, da wärste gleich fünfzig Zentimeter über‘m Boden gehangen hoho – ! Für so rigide Clubpolitik haben wir ausser unseren Zetteln ( ERSTENS: Jawohl, das Bier ist kalt. ZWEITENS: Samstag habt Ihr die Möglichkeit, die letzten 20 T-Shirts zu kaufen. Steckt Geld ein. DRITTENS: Wir gehen raus, das Gebäude bleibt stehen. Es bleibt stehen! VIERTENS: Unsere Gestapo-Kegelbahn bleibt wegen Kegelmangel geschlossen. Keine Ausnahmen. FÜNFTENS: Nein heißt nein! SECHSTENS: Raus heißt raus! SIEBTENS: Die Brauereien brauchen ihre Flaschen wieder. Die stehen bei uns. Trinkt. Trinkt. Trinkt. – anm. Dorfdisco) irgendwie nie richtig Zeit für gefunden…

Dorfdisco: Was war denn nun mit (dem Cockbirds Sänger) H-Rock?

6 Uhr im Bad Kleinen - Photo © Dorfdisco 2003

6 Uhr im Bad Kleinen - Photo © Dorfdisco 2003

Sven: Was damit war? Die wollten doch immer alle ab in den Keller. Der war auch schön marode, Wasser von der Decke, mit der Kegelbahn und so. Wir haben also wieder einmal ein paar Gäste mit der Taschenlampe durch unseren Keller geführt. Dann, nach einer dreiviertel Stunde, wir war’n halt wieder alle glücklich raus und so, zonk, die Kellertür wieder zugemacht. Dass danach H-Rock fehlte, hat einfach keiner gemerkt. Wir also bei den Gästen gestanden und irgendeine hat dann ständig einen Anruf von H-Rock bekommen: “Ja Hallo, ich bin im Keller, hol mich hier bitte raus…” Und sie das halt total nich ernst genommen weil, das war halt eine Freundin; er hat halt öfters solche Witze macht, das war genau sein Witz jedenfalls. Und irgendwann, meinte sie zu mir so – “eh, H-Rock will dich sprechen”. Ich so “Ja?” und der “Ey Mann, ich bin wirklich hier unten, ich hab Angst! Hol mich hier RAUS! Es ist DUUNNKEL!!” Dass der da tatsächlich im Dunklen im Schein seines Handydisplays steht, das habe ich wirklich erst geglaubt, als ich den da völlig verängstigt stehen sah (rundum schallendes Gelächter) .

Jörg: (kam schon wieder) Der hätte auch verrecken können, theoretisch..

Sven: Naja, wann gehen wir schon mal in den Keller? Wenn kein Gast uns dazu nötigt wohl so schnell nicht wieder. Und wir haben echt gedacht so, dass der sich mit uns einen Spaß macht!

Dirk: Und draußen vor der Tür steht oder wieder auf’m Baukran rumhängt mit den anderen Spinnern, zum Beispiel…

Sven: Davor hat er keine Angst, auf’m Ausleger vom Baukran zu klettern, mit zwei weiteren Kumpels rumpöbeln und telefonisch Bier ordern…

Jörg: Aber ich meine schon, egal wo du stehst, du erkennst im Keller gar nichts. Und du hörst die oben, wie bumm krch, das Schloss zugemacht wird. Ich glaub ich würde da echt sterben, in nullkommanichts deprivieren.

Sven: Der hätte da echt lange darben können, denn dann kam ja noch Ostermontag. Vermutlich hat ihn das maßgeblich zu den Cockbirds-Texten inspiriert. Das Team um die beiden Cockbirdsmember jedenfalls, den Oberschwachmaten H-Rock und Pekka, der Dritte bei denen war im übrigen Lars, noch so’n Fall, ist uns in der inoffiziellen Mannschaftswertung des Bad Kleinen immer dicht auf den Fersen geblieben. Wobei man gespannt sein darf, wie weit die es mit diesem „Terroristen-Baukran-Supersauf“-Ding bringen werden. Das ist schon, nicht zuletzt wegen der krassen Auftritte, richtig geil. Die sind schon ganz schön massiv live.

Dorfdisco: Sind die Cockbirds als quasi Stammband sowas wie historische Gewinner des Bad Kleinen?

Dirk: Nee, das gibt es nicht! Gewonnen haben alle die soviel Spaß hatten wie wir. Und es gab‘ ja durchaus Leute, die freiwillig gekommen sind. Um sich für umsonst so tolle Bands wie die Cockbirds, die Kesseteens, Death Kamp, die Mediengruppe Telekommander, die Türen, Doc Schoko und und und sturztrunken zu frühen Morgenstunden anzuhören… (einhellige Zustimmung)

Dorfdisco: Gab’s Verlierer?

Jörg: Verlierer? Transbotter Di Reformer!

Sven: Jajja, hahaha, genau. Die Geschichte behalten wir natürlich für uns. Hat aber was mit dem Gegenteil von ehrlicher Arbeit und verdientem Lohn zu tun. Ich meine das kommt halt schon cooler mit echten Liveinstrumenten als mit drei Laptops, als wenn du halt irgendwie nur so Unterbrechungen hast zwischen einen Titel anwählen und nächsten Titel laden oder sowas..

Dirk: Wobei das schon funktioniert, wenn man z.B. so gut ist wie die Mediengruppe Telekommander oder Die Türen…

Sven: Also was ich auch superspannend fand war auch die Konzerte ganz derb nach hinten zu verlegen, so dass die schon fast gegen morgen spielten.

Jörg: Wobei ich nicht weiss ob wir das gemacht haben oder ob wir dazu gemacht wurden..

Sven: Nee also ich glaube wir hatten dazu schon die Idee als dieser D. Cooper spielen sollte. Da haben wir gesagt ok, wir packen um sechs Uhr ein und kündigen dich für halb sechs an. Aber das war ja auch klar, wenn du keinen Eintritt nimmst, müssen die Leute erst mal da sein und saufen. Wenn das Konzert gleich beginnt, ist das Konzert bald fertig, und dann gehen die Leute nach Hause.

Jörg: Das ist der Grund?

Sven: Na klar! Die Leute müssen erstmal trinken, um die Band zu bezahlen! Dann spielt die Band. Das kann halt auch mal etwas dauern…

Jörg: Aber machen wir uns doch nichts vor, die Leute sind doch erst mal zu irgendwelchen anderen Konzerten gewesen und sind dann zu uns gegangen um dann, eh, dann das absolute Ende zu kriegen des Abends..

Sven: Aber ist auf jedenfall immer so gewesen dass die Leute dann eben gerade superviel am saufen waren. Das habt ihr gar nicht registriert so, da haben wir die ganze Zeit Bier nachbestellt (Gelächter).

Dorfdisco: Wir sprechen die ganze Zeit von den Samstagen. Was passierte eigentlich Mittwochs?

Sven: Die Mittwoche waren auch grossartig, super ja.

Dirk: (giggelnd) – kaum Leute. aber genauso dicht wie am Samstag hahaha!

Sven: Alle die am Mittwoch da waren haben gesagt wir sollen den Mittwoch weitermachen.

Dorfdisco: Warum habt ihr dann den Mittwoch abgeschafft?

Dirk: Na, weil wir von zehn begeistert trinkenden Leuten nicht leben können.

Sven: Vor allem, dann wären die besten Leute am Samstag nicht mehr gekommen. Wobei, die Besten waren ja wir, wir waren immer da, vom Anfang bis zum Ende. Am Ende mußte dann mindestens einer von unserer 3er-Mannschaft die Ziellinie passieren, um das Kriterium für das Team noch zu erfüllen.

Dorfdisco: Was denn für eine Ziellinie?

Sven: Abschließen und dabei keinen einschließen.

Jörg: Mittwoch war halt der obskurere Abend. Mittwoch war man viel betrunkener, weil man da eigentlich gar nichts zu tun hatte.

Sven: Der ganze Tresen war ja ein Kommunikations-„ring“. Da hat man, wenn Zeit war, und Zeit hatten wir Mittwochs ohne Ende, wahllos auf seine Gegenüber am Tresen eingeredet und mindestens genauso viel dummes Zeug zurück erzählt bekommen. – Das war ja nicht so „ein Bier und zackzack aufmachen und Geld kassieren“ …, obwohl.., doch, so war‘s eigentlich, nicht?

Jörg: Der Tresen ist ja auch schon so konzipiert, der hat so eine Höhe, dass man sich locker draufsetzen kann. Versuch dich mal auf den Tresen vom Bassy zu setzen, da…

Sven: … das ist das Erfolgsgeheimnis: der niedrige Tresen…genau der Kontakt zu den Machern (Gelächter)

Jörg: Wie? Ich zeig dir meinen Arsch, also mußt du auch nett zu mir sein? Ich glaub das läuft so nicht!

Dirk: Doch, so läuft das.

Dorfdisco: Letzer Punkt: Worum geht es beim BK/SS, dem Bad Kleinen/Sound System?

Dirk: Das ist so ein weiteres unserer Projekte. Kam daher dass wir keinen Bock hatten DJs zu engagieren, wo man dann den ganzen Abend aufpassen muß, dass die nicht zu eingefahren oder vorhersehbar in ihrer Musikauswahl werden. Ergo poltern bollextc und wolle_ppep mit ihren gierig ungeschickten Händen durch die Musikgeschichte. Von klassischem „Stylebashing“ kann man da eigentlich nicht mehr reden. Das wurde dann der sogenannte „Heavy Boller“.

Das anschließende Gespräch über den ungebetenen Besuch vor Beginn des Eröffnungsabends des Bad Kleinen (II), nachdem das BK/SS versuchte ihr Logo als Veranstaltungshinweis an die Hauswand zu sprühen, kann ich nicht mehr im genauen Wortlaut wiedergeben.



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