Pt3: WEE FLOWERS goes to Vegas

Pt3: WEE FLOWERS goes to Vegas


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Juli 29th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Pt3: WEE FLOWERS goes to Vegas

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Bevor es nach Las Vegas geht, wollte ich noch meinem Rock’n’Roll Gott in den einschlägigen Lokalen in Hollywood und Downtown L.A. huldigen und meiner Shopping Göttin im Beverly Center in Hollywood noch ein paar Opfergaben (BH von Victoria’s Secret, silberne Sandalen, Rockaholic Shampoo von Tigi, usw) bringen.

Zu dumm, dass – während ich ahnungslos meine Religion ausübte – im selben Gebäude eine Schießerei stattgefunden hatte; irgend so eine Rapper-gegen-Rapper-Ballerei im Parkhaus – mehrere L.A. Police Department Autos und TV Übertragungswagen standen noch vorm Eingang als ich ‘rauskam.

Am Abend spielten The Ringers im Roxy Theatre auf dem Sunset Strip, um die Ecke vom Whiskey-A-Gogo und gleich nebenan vom legendären Rainbow Bar and Grill. Die Vorband Django Jones war schwer unterhaltsam, aber leider kommt man gegen die Vollalarm-Show der Ringers schwer an.

Gleich danach treffe ich meinen Gastgeber Tim – der in unserer neugegründeten Band Asphalt Bass spielen wird – auf einen Absacker in der Bordello Bar in Downtown L.A.

Rund um die 4. Straße im alten Downtown ist an jedem 2. Donnerstag im Monat der “Artwalk” angesagt: die coolsten und innovativsten Galerien haben abends länger auf, in Hinterhöfen und aus dem Kofferraum ihres Autos heraus (saucool: Downbound Train) spielen Bands, es gibt Selbstgebasteltes wie z.B.: buntbemalte mexikanische Totenköpfe und für die Hungrigen stehen Taco Trailer mit südamerikanischem Fastfood am Straßenrand.

Kleine Randnotiz: Im Canter’s auf der Fairfax Avenue in Hollywood gibt es übrigens auch die ganze Nacht Futter für streunende Rock-Nachteulen, und zwar koscher.

Wee Flowers

V.l.n.r.: Bela Lugosi, The Ringers, Luxor Hotel at night. Fotos: Wee Flowers

Jetzt aber nach Las Vegas und zwar zackig. Die Fahrt ist nicht so prickelnd, es wird immer heißer – das Thermometer zeigt 100 Grad Fahrenheit. Das entspricht der höchsten Grillstufe meines E-Herds (gefühlt).

Im Luxor Hotel, einer riesigen schwarzverglasten Pyramide, fahren die Fahrstühle dementsprechend diagonal, was mich leicht betrunken macht. Das fällt kaum auf seitdem Las Vegas das neue Ziel für Spring-Break-Ballermann-lass-jucken-Kumpel-ich-sauf am-meisten-Jugendliche  geworden ist.

Als nächstes sondiere ich mal das Gelände: Caesar’s Palace (da singt Cher), rein in die Achterbahn vom NewYork-NewYork, anschließend im “Red Square” Restaurant eine Kleinigkeit essen – da steht im tiefgekühlten Keller der Kopf einer überlebensgroßen Leninstatue (der Rest steht vorm Lokal), von der man Kaviar isst und Wodka trinkt – im Pelzmantel. Die spinnen, die Amerikaner.

Leider war ich nicht mehr in der Lage, mir eine Topless Show anzusehen, Tom Jones brauchte ich sowieso nicht und Chris Angel (Mind Freak, siehe MTV) war ausverkauft. Die Disco im Hard Rock Hotel ist angeblich der Burner, aber Discos gibts überall. Gute Nacht erst mal.

Tag 2 ist genau so heiß und bunt und halligalli, das erfordert eine gute Grundlage: gegenüber vom Bellagio mit den Monsterfontänen ist das Mon Ami Gabi Bistro im Paris Casino. Für eine Stunde kann man sich ein bisschen wie in Frankreich fühlen- mitten in Nevada.

Als nächstes werden Souvenirs erbeutet im Flamingo, dann zum Kreislauf ankurbeln auf den Stratosphere-Turm und einmal in den Himmel fliegen, bitte! mit dem “Big Shot”.

Im Venetian ist alles ein bisschen edler – unter einem hellblauen Wolkenhimmel mit angetäuschtem Sonnenuntergang sitzt man auf dem Markusplatz und sieht Gondeln vorbeischwimmen.

Da die Mindesteinsätze hier höher sind, und ich null Talent beim Spielen habe, wandere ich durch die Neon-Nacht zurück zum Luxor, ein bisschen Black Jack spielen.

Bevor mich eine satte Netzhautablösung (von all dem BlingBling und Neonlicht-Geflimmer) zerlegt, noch schnell zum alten Strip mit den old School Casinos und den Wedding Chapels für Heiratswütige. Hier amüsiert sich der White Trash und die Randgruppen – Spielsüchtige, sozial schwächere Rentner, Alkis und neugieriger Pauschaltourismus – zwischen Spielhallen, Ramschläden und abgehalfterten Hotels. Nicht unsympatisch sondern hart aber herzlich.

Wee Flowers

Vl.n.r.: Slave Boutique, Kim Fowley, Las Vegas Downtown, Redondo Beach, Fotos: Wee Flowers

Und dann reicht’s aber auch; zurück nach Los Angeles und zwar schnell! Nach einem Besuch bei Rayzor, der bei Gorgeous arbeitet, einem kleinen feinen Salon auf der Melrose Avenue, gehe ich ein paar Häuser weiter zu Forgotten Saints, um ein Lip Service T-Shirt zu kaufen (ein Relikt aus den späten 80s, Hairspray Rock, usw.).

Abends freue ich mich auf einen Zug durch die Gemeinde mit meiner Freundin Holiday: erst in die Velvet Margarita Bar, die Beauty Bar, Tiny’s und dann in die Crane’s Tavern mit Live Musik. Sehr viel später noch etwas mehr Kultur: die rosaroten Sterne ansehen auf dem Hollywood Boulevard: Bela Lugosi, Vincent Price

Ist der Alkohol vom Vorabend erst mal aus der Blutbahn entfleucht, kann es fröhlich weiter gehen und zwar an den Strand. Am Redondo Beach sind keine erwähnenswerten Wellen, aber ein bisschen so tun als ob Surfen geht schon klar. Sport macht ordentlich hungrig, und so geht es entlang der Küste Richtung Norden zu Gladstone’s 4 Fish. Thunfisch Sashimi ist meine Empfehlung.

Tags drauf besuche ich Valerie in ihrem Laden “Slave Boutique” in Venice Beach – die Suicidal Tendencies haben da ihren Tattoo Shop integriert – von dort aus geht die Fahrt weiter nach East Hollywood in ein Viertel vergleichbar mit Berlin-Friedrichshain. Die North Vermont Avenue ist mir sympathisch, denn es gibt unter anderem einen fabelhaften Buchladen mit Comics und Rock’n’Roll Literatur, ein französisches Café “Figaro”, einen kleinen japanischen Kitsch-Kuriositätenladen “PopKiller” und einen herrlich unüberschaubaren 2nd Hand Laden..

Am letzten Abend treffe ich Holiday und esse mit ihr bei “Crazy Rock N Sushi” auf dem Santa Monica Boulevard, bevor ich zur Knitting Factory gehe, um meinen alten Kumpel John Carlucci (ex Fuzztones Bassmann) mit seiner Band “The Beat Killers” zu sehen. Durch den Abend mit dem Motto “Kim Fowley’s Lipstick Orgy” führt…Kim Fowley.

Als ich ahnungslos ein Photo machen will, zerrt er mich auf die Bühne und fragt mich nach meinen sexuellen Neigungen. Nachdem ich mich kess aus dem Dilemma manövriert habe, ergreift er später nochmal die Gelegenheit und meinen Arm, drückt mir seine Visitenkarte in die Hand und sagt mit unheilschwangerem Augenaufschlag: Call me! Jaja, ganz bestimmt.

Der Typ mag ja mal als Produzent und Songwriter ein Händchen für Trends und Hits gehabt haben, in den 60’s, aber jetzt hat er nur noch folgende Ausstrahlung:“ …und dann reiße ich dir das Gehirn raus, kleines Mädchen.” Ein denkwürdiger letzter Abend in Hollywood, Los Angeles.

Mit einigem Abstand aber kann ich sagen: es war richtig klasse. Wenn Berlin ein paar durchgeknallte Talente und sonnige Tage mehr, sowie einen langen Sandstrand inklusive Meer hätte, bräuchte man nicht so weit fliegen. Da das ja nicht der Fall ist, fliege ich wohl bei nächster Gelegenheit wieder hin für einen kräftigen Nachschlag.

Übrigens habe ich nicht alle Links gegoogelt, das wäre eine endlose Liste. Aber hier sind ein paar Highlights:

www.bordellobar.com

www.theroxyonsunset.com

www.myspace.com/theringersband

www.myspacecom/djangojamesmusic

www.myspace.com/thedownboundtrain

www.monamigabi.com

www.loscalavera.com

www.gorgeoushollywood.com



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