WEE FLOWERS: Ungepflegt und fern der Heimat


Januar 9th, 2009 | 0 Kommentare ...  

WEE FLOWERS: Ungepflegt und fern der Heimat

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Das Rock’n’Roll-Gefühl, es fehlte mir in den letzten Wochen. Stattdessen trabte ich im Dezember frisch gewaschen die Köpenickerstraße herunter, um meinen Pop Shop (im neuen Exil in der Hausnummer 18) zu betreuen.

Ich habe es nämlich tatsächlich über mich gebracht, mein Atelier bis auf ein paar unverkäufliche Lieblingsbilder auszuräumen. Es war kaum noch Platz genug um eine Katze zu schwingen. Deshalb habe ich – with a little big help from my friend Mr. Moustache – über 60 (!) Kunstwerke in einen Laster gewuchtet und nach Kreuzberg gebracht.

Unglaublich, was ich da alles beim Auspacken fand: längst verschollen geglaubte Frühwerke, Restaurierungsbedürftiges, ganz rare Siebdrucke (die meisten wurden durch Wasserschaden beim Siebdrucker schon vor Jahren ausgerottet), T-Shirts und großformatige Ausstellungsstücke (für den legendären, jährlichen stattfindenden Life Ball im Wiener Rathaus, 1998 ). Diese Prachtexemplare hängen also auf 500 qm und ihr könnt sie euch gerne mal ansehen. Wer sich eins dieser Bilder kaufen möchte: jetzt oder nie, denn ich habe gute Laune und geradezu unverschämt günstige Preise.

Silke Super bei Motor FM zu besuchen stand als Nächstes ganz oben auf der Wunschliste. Gemeinsame Freunde hatten schon lange entsetzt reagiert, wenn sie feststellten, daß wir zwar von einander wußten, uns aber nie kennegelernt hatten. Dieses skandalöse Verhalten konnten wir ja nicht länger durchziehen, also haben wir uns auf ein Treffen im Sender und ein kleines, halbstündiges Interview geeinigt.

Am 10.12. wurde ich morgens um 10 Uhr in die Brunnenstraße gefahren, von den Motor-en mit frischem Kaffee verwöhnt, von der Moderatorin persönlich abgeholt und zur schalldichten Kabine geleitet. Nach einer ausgelassenen halben Stunde am Mikrophon mit Silke, in der sie mich über meine verkorkste Jugend ausgehorcht hat…(Haha!! NeeNee! Sie wollte wissen, was ich so treibe und das in die weite Welt hinausposaunen)… haben wir festgestellt, daß wir in die Kolumne “seit Geburt getrennt” gehören.

Am nächsten Tag überraschte mich meine Galeristin Yasha Young (Strychnin Galerie) mit Elton John Konzerkarten. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, daß ich nicht sofort mit Entzücken reagiert habe. Es bohrte sich die Candle In The Wind Melodie durch mein Hirn. Yasha ließ aber nicht locker, sagte, es sei die legendäre “Red Piano” Las Vegas Show mit grandiosen Projektionen, Showgirls, und und und.

Es war tatsächlich ein Erlebnis. Gleich zu Anfang die Hits der frühen 70s: Benny And The Jets, Philadelphia Freedom usw. Dazu liefen im Hintergrund diverse Pop Art Videos von David Lachapelle auf einer Riesen LED Wand: in einem tanzt Pamela Anderson an einer Stripperstange recht verführerisch in einem Strassbikini mit weißen Federn an strategisch wichtigen Punkten ihres Körpers.

Flowers

Elton John, live in der O2 Arena, links unten am "roten Piano". Foto: Flowers

Elton war witzig, die Band spielte entspannt und perfekt, es gab jede Menge aufblasbare Showelemente – wie sie auch AC/DC und die Stones hatten – in Form von sexy übereinandergeschlagenen, bestrumpften Tänzerinbeinen und Riesenbrüsten ( Elton!!!). Dank der sagenhaften Show gab es keine Längen, das Publikum war entzückt und spielte mit Ballons zu Pinball Wizzard; dann regnete es Tonnen von Glitter zu Saturday Night’s Alright For Fighting, eine Monsterdeko aus Bananen, Lippenstift und Eishörnchen wurde mit Druckluft aufgepumpt und die ersten Reihen des Innenraum Publikums stürmten die Bühne. Holla! Wer hätte das gedacht.

Und schon am Tag darauf die nächste Party: Danielle de Picciotto ludt ein zur Transgression Ausstellung (noch bis zum 11. Januar im Neurotitan, Haus Schwarzenberg, Rosenthalerstraße 39, Berlin Mitte) mit Werken internationaler, musikmachender Künstlerinnen wie Lydia Lunch, Niagara, Gudrun Gut, Françoise Cactus und Danielle selbst. Es war ein Veteranentreffen der 80er Jahre. Diejenigen, die die legendären langen Nächte frühen 80er Jahre in West-Berlin miterlebt haben (im Risiko, Dschungel etc.) und sich noch erinnern konnten, waren vollzählig angetreten.

Amüsantestes Happening des Abends: Freiwillige wurden gegen Aberglauben immun gemacht, indem sie durch einen “Bad Luck” Parcour geleitet wurden. Spiegel mußten eigenhändig zerschlagen werden, schwarze Katzen kreuzten den Weg, unter Leitern hindurch gehen usw. Die erfolgreiche De-sensibilisierung wurde dann zeremoniell beglaubigt.

Und schon am nächsten Tag legte ich mit Kollegin Sylvie Smith und unserem Herausforderer Mr. Moustache im White Trash auf. Als Live Act machten The Michael Dudikoffs ordentlichen Punk Krach, und die andere Band mit bescheuertem Namen (Oberschüler spielen New Wave nach) lockte ein paar beeindruckbare Mädchen an. Mr. Moustache lernte an diesem Abend von Wally, wo der Knopf für die Nebelmaschine ist, und war total hingerissen. Mit dem Effekt, daß das Restaurant bis morgens um sechs aussah wie die Kulisse für einen Edgar Wallace Film mit dem typischen dicken Londoner Nebel. Wally’s Kommentar: “I created a monster”.

Zu wenig Schlaf führte dazu, daß ich das überfüllte Konzert der Dirtbombs am nächsten Abend im Magnet nicht so richtig genießen konnte.

Zwei Tage ohne Halli-Galli aber schon am Mittwoch, den 17.12. geht das Programm weiter mit “Strom”: die Toten Hosen spielen in der ausverkauften 02 Arena. ( An die Halle habe ich mich schnell gewöhnt: ich weiß schon, wo die Gästeliste liegt, habe den Raucherbalkon gefunden, das Security Personal als überwiegend hilfreich und höflich befunden und den Backstage Bereich erforscht.)

Das Hosen Konzert war mal wieder so beeindruckend (die Band und ihre Fans), dass ich die Einladung, zu einem weiteren Konzert nach Hannover zu kommen, ohne zu Zögern angenommen habe. Auch wollte ich unbedingt nochmal Manfred (Hosen Security Chef) sehen. (R.I.P. Darling!)

Auf den Weihnachtshype und Sylvestermania hatte ich mal wieder keine Lust und mich deshalb diskret in mein Boudoir zurückgezogen.



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