Trashy Billy from NY City


The Sunshine Underground in der Lore Bar, Mitte.

April 20th, 2002 | 0 Kommentare ...  

Trashy Billy from NY City
Lloyd Clark of Sunshine Underground at Lore Bar- Photos Os./ Dorfdisco 2002.

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Ohne die große Erwartung fuhren wir mal wieder in Berlins Kohlenkeller namens Lore, um uns den geheimtipplichen Montag und die uns empfohlene Band ‘Sunshine Underground’ bei zwei Bier im Ledersessel kennen zu lernen.

Wer sich jetzt fragt, was wir auf einmal mit Rock-a-billy zu tun haben, der fragt was VW mit Bugatti zu tun hat. Denn das, was uns Sunshine Underground da vorführte, war die Wiederkehr eines kompromisslosen Stils – im Punkrock Sound.

Und witzig sind sie dazu: Wir haben eigentlich noch nie geprobt, sagt uns Drummer Wolfgang. Irgendwann haben wir mal im (berüchtigten) White Trash Fast Food Restaurant als aussergewöhnliche Gästeunterhaltung angefangen Stücke zu spielen, solange bis die Songs sassen, und die Gäste auf den Stühlen standen. Kein Wunder: ihr Repertoir umfasst neben einigen eigenen Kompositionen zwar auch viele Coverversionen, doch die werden mit voller Wucht gerockt, da ist es klar, dass die Band gleich komplett im Unterhemd anfängt.

'Magic Marcus' - Sunshine Underground. Photo © Dorfdisco 2002

Der Hammer hing aber nicht nur in ihrer grandiosen Abstimmung untereinander, das was sie wirklich gross machen könnte ist das Gitarrenspiel von “Magic Marcus”, der die ganze Rock’n’Roll Palette zu beherrschen scheint und an diesem Abend für eine Überrschung nach der anderen gut war. Ob ‘Pipeline’ oder ‘Wipeout’, der Psychotrash ist zurück, und fühlt sich in Berlin wieder zuhause.

Apropo Berlin: Lloyd und Jim Carter, beide durchtätowierte New Yorker Rock-a-Billy Brüder trafen hier dort wegen einer so-geht-das Frauengeschichte wieder, wozu Jim gern seine ‘Zwischenstation’ in Köln verliess. Einem eher seltenen Zufall ist es dann zu verdanken, wie sie auf den Rest der Band stiessen. Nicht jeder macht sich nämlich grosse Hoffnung auf den richtigen Mann per Zeitungsannonce. Auf eine solche meldete sich Marcus, und mit der Verbindung zum Trash gleich noch Koch Wolfgang vom White Trash an den Töpfen.

Jim Clark - Sunshine Underground. Photo © Dorfdisco 2002

‘This sounds shit, this is Rock’n’Roll’ brüllt Lloyd durch’s Mikro – sein abgeklebter Pickup am Upright Bass streikt. Als es wieder klappt merkt man den Unterschied. Manchmal sind es nicht nur die Texte, die zählen. Dieser Sound, denke ich andauernd. Jim schrabbt dagegen wie ein Schweizer Uhrwerk im irrwitzigen Tempo auf seiner alten Gretsch Gitarre. Stil haben sie auch, neben den tausenundeiner Tätowierung. Den Gesang teilen sich die Brüder. Wo Lloyd nach vorne geht und bei mir irgendwie Erinnerungen an Dee Dee Ramone weckt, ist Jim’s Gesang melodiöser, crooniger. Die Frauen kleben die ganze Zeit schon auf den Hockern. Und nicht wenige machen das, was man nach kurzer Zeit tun will: wild mittanzen.

Nach der Show sind wir glücklich, lernen uns etwas kennen. Wie es ihnen hier so gefällt? “Berlin ist viel besser als New York zur Zeit”, sagt Lloyd. Tja, wenn das mal keine klare Aussage ist. Wir trinken das nicht mehr zählbare nächste Bier, dann fahren wir wieder los, befriedigt, wieder eine Klasse Entdeckung gemacht zu haben.



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