The Proposition


Februar 10th, 2006 | 0 Kommentare ...  

The Proposition

Von Ramin Raissi

(Regie: John Hillcoat)

Ich hatte mich für einen Freund zuerst an der falschen Kasse in den unsäglichen “Potsdamer Platz Arkaden” angestellt, um Karten für die Berlinale Premiere von “The Proposition”- Drehbuch von Nick Cave und ein Film eines seiner Videoregisseure, J. Hillcoat, der aber auch schon mit Cave “Ghost of the Civil Dead” gedreht hat, zu ergattern.

Nach zwei Stunden und einer charmanten Überredung der Dame hinter mir, mir eine Karte mitzukaufen, war ich heilfroh diesen Unort verlassen zu können. Touristen sind Terrorristen. Voller Vorfreude auf den Film und das Berlinalespektakel machten wir uns auf den Weg zum Zoo. Fast genau um 19 Uhr trafen wir vor dem Zoo-Palast ein. Genau rechtzeitig, um einem dünnen, abgerockten, mit einem Alexander Hacke Memorial “Truck Love” Mustache und leger schwarzem Cordsamtensemble gekleideten Herrn Cave in die Arme zu laufen. Begleitet von einer Dame. Ist scheinbar so Usus auf Premieren.

Äh-, guten Tag Herr Cave, wollten zumindest meine beiden Begleiter stammeln, aber sie waren zu perplex. Wenigstens “Moin” könnte man sagen, dachte ich, aber in dem Moment machten sich Blixa Bargeld, Christoph Dreher (Die Haut) und etliche andere daran dem Chef Guten Tag zu sagen. Da wir aber direkt neben ihnen an der Bar standen, drangen Gesprächsfetzen an unser Ohr: wie- “I am back from Singapore.” Oder war es doch Surinam? Weit weg auf jeden Fall. Wenn ihr Blixa seht, fragt ihn. Da es an der Bar außer Bier und Sekt nichts gab, mussten wir raus, um Vodka aus ner Imbissbude zu kaufen, wobei anzumerken ist, dass der Zoo ist so gründlich gesäubert worden ist, dass wir erst an der 3. Mistbude Erfolg hatten!

Schnell wieder ins Gewühl und vorbei an dem von Fotografen umringten Nick Cave und seine Entourage, nebst seiner Frau- wie ich heute aus sicherer Quelle erfahren habe- ließen wir uns vom Mob aus Touristen, Berlinale Freaks und ein paar wenigen, symphatisch aussehenden jungen Menschen in den großen Saal treiben. Der Zoo-Palast, war knallvoll, zunächst jedenfalls… Beeindruckt von dem riesigen Kino, das seit Christiane F. Zeiten gleich aussieht, beobachteten wir die Anwesenden. Der alte Westen hatte sich aufgetakelt. Wir waren beeindruckt.

Bevor sich der puffrosa-rüschige Vorhang, der der “Roses” Bar in Kreuzberg gut zu Gesicht stehen würde, hob, kamen – nachdem sie von einem Moderator dazu genötigt wurden – John Hillcoat und ein etwas mürrisch wirkender Cave auf die Bühne. Hillcoat bedankte sich artig für was auch immer und wollte das Mikro IHM reichen, doch er übersah es geflissentlich und ließ sich dazu hinreissen die Hand zu heben. Jetzt konnte der Film losgehen:

Eine dörfliche Struktur wird abgefilmt, dazu singt eine Kleinmädchenstimme ein Traditional, lässt uns in Sicherheit wiegen, bevor ein Big-Bang und viel Blut die Marschrichtung vorgeben. Die Handlung ist schnell erzählt: Australien um 1900, eine Bande – die Burns Brüder geraten mit dem Officer eines kleinen Ortes im Outback, aneinander. Bei der Eröffnungsschiesserei, bleiben zwei Brüder in Gefangenschaft. Der eine darf unter der Bedingung gehen, dass er den Ältesten umbringt, während der Jüngste als Geisel im Knast bleibt. Der “mittlere” Burns Bruder macht sich auf und muss feststellen, dass es nicht einfach ist seine Familie zu verraten, geschweige denn seinen Bruder zu töten.

Jeder leidet für sich isoliert und auf eine andere Weise. Die Menschen sind unfähig zu kommunizieren, das ist eine zentrale Botschaft von “The Proposition”. Dazu passt der oft nur geraunte Gesang des Soundtracks. In Erinnerung bleiben perfekt gecastete Bad Guy Typen, die ausgehärmt und mit Grind an den Zähnen wirklich böse waren und emphatisch agieren.

Dazu schöne Landscapes, eine tolle Ausstattung, eine spannende, blutige Handlung und ein paar wirklich krasse Splatterszenen, die einen Teil des Publikums zum wegschauen, einen anderen zum Gehen bewegte. Ein versöhnliches, aber auch verstörendes Ende, “Jesus loves you.” Alt-testamentarisch – um dieses Wort kommt man nur schwer rum – betrachtet stellt man sich die zwangsläufige Frage: “richtig oder falsch?”

Die Stichpunkte unter denen sich die Handlung subsumieren lässt aber sind: “Crossroads”, Moral, Blues. Im Grunde genommen ist es der Blues um 1900 sowie die Musik, die Cave mit Warren Ellis zum Soundtrack schrieb. Doch kommen die meisten Stücke nicht über eine Untermalung der Bilder hinaus. Sounds zu denen Cave in bekannter Weise, Bluesmotive wie, “aaaooww” raunt. Nur zum Abspann, als ein Teil der Berlinale Touris schon auf dem Weg nach draußen waren, kommen wir noch in den Genuss zweier richtiger Cave Songs. Davon das eine mit dem Refrain ” Jesus loves you.” Sicher nicht seine Besten.

Insgesamt ein dichter, atmosphärischer, gewaltätiger Film, der ein bißchen wie ein runtergestrippter “Tombstone” ohne Stars und kommerziellem Laudanum auskommt. Ich freue mich ihn mir noch einmal anzusehen, so wie alle Cave Fans da draußen. Aber auch Menschen, die auf einen guten Western stehen sind hier richtig.



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