Taschen voll Musik


Doc Schoko in der Trompete, 21.8.2001

August 30th, 2001 | 0 Kommentare ...  

Taschen voll Musik
Doc Schoko mit Freundin at Trompete, Photo © Dorfdisco 2001

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Wer z.B. die Sitcom Warriors kennt, dem wird auch Doc Schoko kein Unbekannter sein. Seit seines Lebens eigentlich musiziert er unbeeindruckt vor sich hin, und veröffentlichte dieser Tage sein erstes Album: Einen Gegen. auf dem Label eines guten Freundes, quasi privat. Auflage: 500. So geht das. Gute Musik und Texte – nur 500 mal!

Dass der Meister selbst Mark E. Smith zum Freund hat, zeigte der Mann mit der Gitarre am 21.8. in Ben Becker’s Trompete bei seiner Record Release Party. Zwar war unser Ben nicht da, der hätte auch schwer Konkurrenz gehabt, denn da lag so eine halbe Hundertschaft um die 20-Jähriger bei einem, na, vielleicht zwei Bier, anstelle der sonst so teuer gemixten Eisbecher. Gute Vorbereitung also für den b.wunderns- und wertesten Punkbarden Berlin’s seit langem: Sir Doc Schoko!

Bier, Frauen und zerplatzte Träume –: das sind Doc Schokos Themen. Er schafft es mit einem Gute Laune Rammler über Harry’s New York Bar zu singen, während seine brutal erotische Fassung von Zuhause auf größte Ablehnung zielt. Du bist schon da, über die Zeit die verloren geht mit Blumen und Frauen, hier waren sie gesehen. Noch einmal angekommen in seinem Simplizissimus, verwandelt sich der Alltag zu einer Party mit Tanzstimmung. Dabei ist der Doc nicht schlecht, Schoko trägt vor, macht keine Show, während die Jugend in den Sesseln klebt, als hätte ihnen Papa einen Hotelaufenthalt bezahlt. Selbst bei Dr. Becker klingt der Kühlschrank doppelt so leer, und Reise um die Welt ist nur die beste Kur für Starallüren.

Einmal ist die Gitarre verstimmt, er dreht links rum rechts rum, diese Saite jene Saite, stimmt so wieder. Ab da geht es stetig bergauf, wird lauter und griffiger, bis er sein Einzelzimmer raushat. Meine Marie! Lad die Katze zum tanzen ein, kein Neo-Trio klang je besser.

Doc Schoko - Photographic Dorfdisco 2001

Doc Schoko - Photographic Dorfdisco 2001

Dann standen wir vor der Bühne und tanzten zu Schoko Rock Klassikern wie Puppentanz und, Tanzschuhe, auf der Platte übrigens bestens remixed von Dj Gnter (der schreibt sich wirklich so), der deutsche Punkliedtradition wieder Clubtauglich macht – ein bischen so wie um Düsseldorf früher, vielleicht Schoko’s wichtigster Einfluss. Daher spielt er zwei Lieder, Ich mag Sie von S.Y.P.H. und Ich und die Wirklichkeit der Ur- D.A.F., beides Klassiker aus jenen Tagen als Punk in Deutschland erwachte. Heute lebt er sie mit seiner Art wieder auf.

Schoko weiss um seine lyrischen Stärken, weil es sind die Texte, die einen Song erst ge-wichtig werden lassen. Kaum jemand der diese Tradition so treffend weiterführt als sein großes-kleines Universum. Dort wimmelt es von Understatements, witzigen Anspielungen und einfachste Treffer wie: Mein Herz ist ein Sack voll Liebe, gross und voll, doch diese grosse Liebe weiß nicht, wohin sie soll. oder: Ich wollt nicht ihren Namen wissen, ich würd sie doch nur auch vermissen, wie die, die immer ihre Schwester in Afrika besuchen muss. Hier ist er, wieder in der Kneipe, Freund vom Jedermann, und würdiger Nachfolger von Harry Rag. Wer diese Platte nicht hat, geht leer aus.



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