Tag 1: die c/o pop erfindet die c‘n‘b und entdeckt „die Kreativen“.


…und neben bei gehts noch zu Crystal Fighters, aber nur nebenbei.

Juni 25th, 2010 | 1 Kommentar ...  

Tag 1: die c/o pop erfindet die c‘n‘b und entdeckt „die Kreativen“.

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Letztes Jahr hatte man an den Opernterrassen http://www.opernterrassen.de/ irgendwie das Gefühl zuhause und mittendrin zu sein. Dort liefen die Convention Denker über‘n Platz, dort stand eine Bühne auf der Erlend Oye und Black Lips auftraten, dort die Nachkriegsblütezeit Terrassen, in dem Italic, Who Made Who oder The Bloody Beetroots begeisterten.

Weil man ab diesem Jahr aber mit der Messe Köln zusammenarbeitet, hat man die c/o pop vorverlegt (ausgerechnet in die WM – dazu später), weil im August die Games.com stattfindet, und dagegen kommt man wohl nicht an. Ja richtig, Computerspiele verdrängen Musik-Stadtfest, müßte es eigentlich heißen, aber wer begreift das heutzutage schon noch.

Jedenfalls nicht der Konsument, denn der wird von Kreativunternehmern und Veranstaltungsmanagern wahrscheinlich solange weiter gewaschen, bis er mit seinem Facebookaccount und ein paar Spielen glücklich ist, nebenbei läuft vielleicht noch die neue Fettes Brot und einmal im Jahr geht‘s zu Rheinkultur oder Rock am Ring (- voll geil!).

Aber zurück. Die Convention, also das Hallo, wie geht‘s ihren Kindern Meeting findet jetzt im Staatenhaus der Messe statt, einen Steinwurf weit von der alten Popkomm entfernt. Vorgestern gab es dort die „Opening Gala“, was eigentlich nicht mehr als drei Lobhudeleien auf die c/o pop und den Standort Köln beinhaltete. Anschließend gab‘s die Zitterpartie Deutschland gegen Ghana. Um Antwort wurde trotzdem gebeten, bevor man die Grußworte vernahm:

C'n'B Postille: "Erste Plattform für die Kreativen"

„Das Konzept einer klassischen Musikmesse ist überholt. Der Verlust der Popkomm hat uns die einmalige Chance gegeben und Köln als Popmetropole gestärkt.“ – so etwa Bürgermeisterin Elfie Scho-Antwerpes.

Konzept-klassisch-einmalig-Chance-gestärkt, aha. Zweckoptimismus nennt man das, und ich würde mich nicht wundern, wenn demnächst die NRW Regierung die c/o pop nicht noch auch auf Düsseldorf und anschließend das Ruhrgebiet ausweiten würden wollen!

In allen drei Eröffnungsreden aber wurde ein Wort nicht nicht erwähnt und oder tunlichst vermieden: das „Internet“. So als wäre das Internet noch immer der große Feind der Musikindustrie.

Genau das aber werden oder wollen sie in Zukunft für sich lösen – müssen. Und was bietet sich da am ehesten an, sollte man da nicht das große deutsche Kreativpotential anzapfen, jetzt wo wir eine extra c‘n‘b (statt R‘n‘R oder R‘n‘B) Steeringversammlung haben, bei der aber meist nur immer wieder dieselben Köpfe finden sind, und so nebenbei der alte Popkomm Chef Gorny, Dieter alphabetisch noch vor AA in der „Networking Database“ zu finden ist.

Aber nun, die c‘n‘b soll die „die erste Plattform für die Kreativen“ sein. Ok. Kreativen. Das alleine ist mir heute schon Reizwort. Ich habe 20 Sachen gleichzeitig im Kopf und weiß gar nicht mehr in welche Richtung ich mich eigentlich bewegen soll, ist dagegen die Meinung manch 16-Jähriger. Ich kann mich dabei noch erinnern wie vor nur genau einem Jahr ein Tim Renner zusammen mit Frank Walter Steinmeier den „Kreativpakt“ schloß (früher war es der Warschauer Pakt, heute der Kreativpakt blabla), dann aber nach der verlorenen Bundestagswahl sang und klanglos wieder verschwand, und nur noch als Netzleiche auffindbar ist. Da waren „die Kreativen“ im Prinzip ja schon verraten.

Aber wer ist das überhaupt, der Kreative? Das Signal nämlich, das von solchen Begriffen ausgeht ist, dass es mitnichten mehr um den „Musiker“ oder „die Musik“ geht, sondern um ein übergreifendes, größeres Konzept zur Rettung der Branche: die Kreativen! Und so wie ich hier diese Zeilen tippe (und Mami darauf wartet das ich endlich mal banal den Rasen mähe oder den Tiefkühlschrank abtaue), beraten kreative Köpfe über Themen wie „Lernen von der Musikwirtschaft – Was gestern noch die Musik betraf, hat heute schon Auswirkungen auf viele andere Bereiche der Kreativwirtschaft – Welche Strategien und Maßnahmen helfen wirklich zur Kundenbindung? – Neue Wertschöpfungsketten und inspirierende Einblicke aus der Welt der Brands und Stars, Games und Apps, aus Musik und Fashion, Design und & Co. – Übergreifende Themen wie Urheberrecht und Distribution im digitalen Zeitalter gehören schon längst an den runden Tisch aller kreativen Akteure…“ – klingelts? Die Musikwirtschaft versucht nun „die Kreativen“ mit ins sinkende Boot zu holen, wenn wir schon absaufen, dann nehmen wir die anderen doch gerne noch mit. Anders rum, wenn‘s aufwärts geht, und die selbstheilige Arroganz zurückkehrt, wird dies vielleicht nicht mehr ganz der Fall sein.

Andererseits wird vom Kreativen verlangt, dass er zum Netzwerker mutiert, einer der alles macht, jeden kennt, alleine entscheidet. Genau das aber wird nicht funktionieren, weil der Kreative um seiner Kreativität willens vor allem eins braucht: in Ruhe gelassen zu werden!

Diese c‘n‘b aber will nicht nur nur „Kreative und Musiker bis zum Designer“ vernetzen, sondern auch „potenzielle Partner, Abnehmer und Zulieferer von Inhalten“ heranziehen, so die Inhaltsangabe im Editorial der Sonderveröffentlichung der c/o pop, und ich würde mich nicht wundern, wenn das kreativste an Editorial ein heimliches Copyright ist, damit man sich von der ja doch irgendwie mit derselben Idee handelnden, Popkomm Nachfolgeveranstaltung a-2-n im September in Berlin absetzen kann. Bevor ich aber noch behaupte, dass sich über kurz oder lang die c/o pop Kölner gegenüber der a-2-n Berliner ja doch in einem Wettrennen um die wichtigste Kreativveranstaltung wiederfinden werden, darf ich noch ein paar typische Sätze aus dem besagten c‘n‘b Blatt wiedergeben:

„Der Künstler gibt sich selbst einen Auftrag. Er entscheidet wie ein Unternehmer, was zu tun ist. Er trägt Verantwortung weil er Urheber seiner Tat ist“ – C. Boros‘ (Kommunikationsagent für Viva, Kölner Popkomm, Coca Cola etc.), wohl eine Künstlerbewertung.

„Die kreative Ökonomie sei das genaue Gegenteil der alten Industrialisierung“ -NRW Wirtschftsministerin Christa Thoben.

„Die Grenzen zwischen Musik, Büchern und Filmen verschwinden“ – Hergen Wöbken, Institut für Strategieentwicklung

„Nun müssen Politik und Wirtschaft an den Rahmenbedinungen arbeiten“, Dieter Gorny.

„Man muss Krativität mit technischen Neuerung und dem Wissen der Verbraucher (!) kombinieren. Bestes Beispiel ist Apples iPod-iPad-iTunes-Ökosystem. Es sieht toll aus auf Reklametafeln, ist verbraucherfreundlich, bringt Erlöse, und wenn die Batterien nicht mehr arbeiten, kauft man sich die nächste Version.“ – Cristina Falcone, vom Genfer World Economic Forum , eine „der weltweit führenden Persönlichkeiten in den Bereichen Medien und Entertainment“.

Kein Kommentar.

Crystal Fighters, Bogen 2

Aber, war ja noch auf einem der massig vielen Konzerte! Nach einem erholsamen Abstecher in den Sonic Ballroom (die haben jetzt ein aufblasbaren Pool vor dem WM-Leinwand) fuhr ich zu den Crystal Fighters im Bogen 2. Man muß dazu kurz wissen dass die Crystal Fighters einen ziemlichen Kultstatus besitzen, zumindest in Spanien, Paris und London. Gestern kamen zu ihrer Show gefühlte 50 Personen! Vorgruppe waren noch Post War Years (unbedingt angucken – Thomas, Cooperative Music) und die vom c/o pop heiss geschriebenen Pollywoogs aus Köln. Beide zogen aber nur 30 Fans, da kannste noch so kreativ sein. Das kreative Verbraucherpotential zahlte lieber viel mehr Geld für einen bekannteren Act wie Phoenix auf einem Parkdeck, bevor ein paar versprengte iPhone-Mac-Bookbrillen-User zu den Fighters rüberschlufften. Da machten die vor der Bühne tanzenden, 16-jährigen Backfische mehr Stimmung als alle artig kreativ-glotzenden Wissennerds zusammen. Was aber nichts ungewöhnliches ist. Das Gefühl zu haben bei irgendeiner wichtigen Sache dabei zu sein ist die Hauptsache, und hinten zusehen dass man möglichst cool wieder rauskommt aus der wir-haben-Apple-nicht-gegründet Chose. Nur ich geh dann jetzt doch mal banal den Rasen mähen. Bis morgen dann!

mehr c/o pop blogs: http://copop.tumblr.com/



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. Anna  

    Nachdem ich das gelesen hab, bin ich doch äußerst auf die Hans Unstern bzw. 1000 Robota Kritik gespannt :-)
    Nur eins stimmt so nicht. Für Phoenix hat wohl niemand viel ausgegeben, dass war ein Telekom-Street-Gig und die Karten dafür kann man bekanntermaßen nur gewinnen ;)

    Beste Grüße,
    Anna

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