Schrillo Brillo


Die Bad Taste party im Magnet

Mai 2nd, 2007 | 0 Kommentare ...  

Schrillo Brillo

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Etwas unglaubliches spielt sich derzeit ab: irgendwann, zu einer verabredeten Uhrzeit, stehen mehr und mehr übertrieben karnevalistisch gekleidete Partygänger im Hinterhof eines bekannten Berliner Clubs und betteln um Einlass. Grund ist die Bad Taste Party, bei der alle Konventionen von angesagtem Hip ad absurdum geführt werden. inspiriert von Bad Taste (Neuseeland), dem Kultsplatterhorrorstreifen von , wird hier zusammen gewürfelt was nicht zusammen gehört. Heraus kommt schlechter Geschmack im wahrtsen Sinne des Wortes!

“Wir haben den Kanal voll vom ganzen verbohrten Anspruch dieser Stadt,” flüstert mir einer, “wir ignorieren die ganzen Trends und sind dadurch selber hip.” Dazu brüllen die Müll Moder bei jedem Stück laut auf. Klingt ganz nach New Rave, ist es auch, nur ohne deren trendy Leitfiguren.

Gekleidet in den Resten unserer Kultur geht alles was nicht geht: Bademäntel über Boxershorts, Mickeymaus T-Shirts zu Ringelsocken, billige Kopfbedeckungen und ausgelatschte Flip-Flops, jede Menge Glitzer und Glam und vor allem die schlechteste Musik die man sich wünschen kann.

Hatte man die 90ger nicht erfolgreich abgelegt? Waren die 80ger nicht Lehre genug? Hier kommen alle vergangenen Sünden wieder hoch: 2 Unlimited, Snap, Human League, aber auch Sportfreunde Stiller (06 Fußballsong, Igitt!), Andreas Dorau (nicht tot zu kriegen + + ) und Boney M. (SUUUPER!) usw, endlos.

Was mal wieder beweist, dass am liebsten stumpf gefeiert wird. Auf der anderen Seite ist das abspielen eines Titels auf Bad Taste die Höchststrafe für die jeweiligen Interpreten.

Das Einzige was absolut nicht geht sind aktuelle und ernsthafte Indierock Sachen als auch Minimal Techno, womit jeglicher “Zeitgeist” komplett weg geschaltet ist.

Kommt man früh genug wird man Zeuge jener Mutation des DJs namens King Klattsche vom sieht-aus-wie-jeder-20ger zu einem in bebrillt grinsenden Nerd mit Teeniemarkt CD Sammlung.  Und lustigerweise verteilen die auch noch Flyer für’s Uncle Sally’s Magazin! Nur dass die Leser des Uncle Sallys Magazin sowas frönen, hätten selbst wir nicht gedacht!

Am selben Abend spielte auch noch eine Band namens El Grapa Duro. Sie kommen angeblich aus Malmö und betrinken sich mit Limonen Sprudel. Auch touren sie durch die ganze Welt, sind in Japan so groß wie Udo Jürgens hier und sehen es als ihre Aufgabe den Leuten das – schon wieder – Feiern zu lehren. Als sie dann los legten waren sie so schlecht, dass ich endgültig flüchten musste! Um mich herum brodelte es Brüller! Ein netter Erfolg für die, die das Fürchten lehren mit feiern verwechslen, frei nach dem original Film Bad Taste.

www.myspace.com/badtasteberlin

www.myspace.com/elgrapaduro

Bad Taste Poeple Live im Magnet, Foto: Dorfdisco 2007



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