Mit Britta im Hochzeitssaal


Mai 20th, 2001 | 0 Kommentare ...  

Mit Britta im Hochzeitssaal
Christiane Rösinger von der Band Britta im Hochzeitssaal 29.3. 2001, Photos © Dorfdisco 2001

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Wir sind im Jahr 2001 – und wie im Fahrstuhl legt die durch-und-durch Berliner Frauenband Britta ihre neue CD Kollektion Gold vor. Die Band, deren Mitglieder schon auf eine längere Geschichte zurückblicken sind heute einmal mehr erfolgreiches Aushängeschild in Sachen lockerer Popmusik, verhaftet in hoffnungslos old-schooligem Berlin-style.

Hier versammeln sich solche Titel wie “Wir sind die traurigsten Menschen von ganz Berlin” oder “Winter der Liebe”. Jeder versteht sie. Dann kommen die Stücke aber in solcher Art zärtlicher Frühlingsatmosphäre daher, dass es einen dazu bringt leise in der Badewanne mitzusingen. Dazu mischen sich dann melodiöse Gitarrenriffs, während Christiane versucht eine neue, noch abparfumiertere Stimme zu finden. Die Texte sind noch immer besser als vieles und zusammen sorgen sie so für Respekt und plötzlich ausverkaufte Clubs.

Im Hochzeitsaal (Kreuzberg – ex-Trash) hatten sie dann ihre CD-Release Party, und später war die Stimmung gut, trotz dass sie für den Gig nur dreimal geprobt hatten und schon jetzt vorläufig übernächtigt waren.

Ich bemühte mich also um ein Interview. Das erste Mal saßen wir in Kreuzberg im Goldenen Hahn und besprachen ein wenig die Band. Leider war dies am 1. April und der liess das Diktiergerät kalt. Dann schreib doch irgendwas aus der Erinnerung, war Christiane’s geübter Vorschlag.

Britta Neander  - Photographic Dorfdisco 2001

Britta Neander - Photographic Dorfdisco 2001

Christiane ist die Stimme der Band, stammt aus Hügelsheim im Schwarzwald und sang früher bei den Lassie Singers.

Am Schlagzeug sitzt Britta Neander, aus Niebüll bei Fresenhagen. Und in Fresenhagen steht noch ein Bauernhof. Auf diesem Bauerhof lebte Rio Reiser. Britta kannte Rio Reiser, spielte in einer Band namens Carambolage und später bei ihm.

Christiane und Britta lernten sich kennen als sie noch in einer Kreuzberger Kiste hockend Lieder für ein paar Mark als lebende Musikbox sangen.

Als Britta von sich scherzhaft behauptete der ‘Arsch der Band’ zu sein, wollte das Christiane dann doch nicht so stehen lassen. Britta erklärte ihr, dass das doch nur rein Schlagzeugtechnisch gemeint ist. Der typische Britta-Witz.

Beim zweiten Mal erreichte ich Band dann auf Tour im Bandbus, erfuhr beiläufig dass sie jemand fast mit rüber nach New York genommen hätte, und ich schätzte sie wären von da erstmal nicht zurückgekommen. Dafür spielten sie am 3. Mai wieder etwas ausgelaugt in der Maria vor bäuchigen Männern, oder sollt’ ich sagen Kommunisten nach dem Abendessen von der ‘Jungle-World’ Zeitschrift Rio Reiser ‘Wir müssen hier raus’.. die heilige Lage, wie das so ist.

Dabei ist die Band natürlich nicht nur Alt-Kreuzberg. Zuletzt kamen so Rike-Rike Anfeuerungsrufe für Rike Schuberty von Contriva am Keyboard aus dem Publikum! Auch auf der hauseigenen Flittchen Records Cd Stolz und Vorurteil findet man neuere, Berlin bekannte Acts. Eine Verbindung aus Tagen der Flittchen Bar. So gesehen ist die CD Kollektion Gold auch ein schönes Dankeschön an diejenigen, die sich die Nacht dort mit den Mädels bis morgens um die Ohren gehauen haben.

Bezeichnenderweise gab es an dem Abend Backstage ein recht üppiges Buffett mit französischem Käse und so liess dass auch nicht viele Worte übrig. Ich rief sogar Tag drauf noch ein Drittes mal an, vielleicht… . Aber die Sonne scheint, und den Mond interessiert das Thema nicht – oder so ähnlich.



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