Cobra Killer: Uppers and Downers – Stück für Stück


Oktober 5th, 2009 | 1 Kommentar ...  

Cobra Killer: Uppers and Downers – Stück für Stück

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Sie sind wieder da, Berlins einzige Granaten von internationalem Rang. Das muss man langsam so sehen, auch wenn wir es von Anfang an so gesehen haben. Auch Jared Swilley, Sänger und Bassist der Black Lips (“one of my most favourite german bands”) hatte sich letztens nach ihnen erkundigt. Und mitlerweile ist es scheints nicht nur eine Ehre mit Gina und Annika ein einem Atemzug genannt zu werden, sondern können die bedien Berliner auch jeden anderen bekannten Musiker zur Mitarbeit bewegen.

Waren es das letzte Mal noch “nur” Thomas Wydler von The Bad Seeds oder Conrad Standish von den Devastations, sind es dieses mal schon J. Mascis, Murph, Philipp Virus, Thurston Moore, Jon Spencer und, man reibt sich die Augen, Die Prinzen, die sich auf vier von elf Songs verewigt haben.

Und vier von elf Songs bei sechs Gästen ist das erste Indiz dafür, dass Cobra Killer immer noch ein einer anderen Liga spielen. Sechs Gäste auf vier Songs zu verteilen bedeutet sogar einige Kollaborationen zustande gebracht zu haben. Wer weiß, ob dies mit Hilfe digitaler Verschickungspraktiken geschehen ist, aber auch so hat es den Anschein, dass Gina und Annika einen Sack voller Superstarflöhe zu hüten wissen. Also rein in das fünfte Album der rotweinbekleckerten Plateausohlenweiber, rein ins Vergnügen etwas abzubekommen von weltläufiger Attraktivität made in Berlin, von aufreizender Erotik, schummrigen Zwielicht bis zu bösem Seelenfraß.

Uppers and Downers, das neue Album – Stück für Stück:

Hello Celebrity!
Das Bild tantalisierender Amzonen umgeben von Rockcelebrities vor Augen fängt das Stück zur Begrüßung dieser nicht nur aufreizend langsam und verhalten an, sondern wird derer Anwesenheit auch noch bis zum umkippen ins Neckische getrieben. Ein paar elektronische Schlieren, und schon setzt ein verzerrt geprügelter Beat zu einigem Topfschlagen ein, dessen stoisch wiederholte Begrüßung Hello Celebrity die Gäste und Hörer willkommen heißt.

Vitamine
Die braucht man erst mal. Subtiler als Opener Celebrity, und mit jenen typischen Annika-Loop versehen, klingt das Neubauten Studio durch die Ritze. My Vitamin stellt mit den Damen wohl so allerlei an, deswegen zischt und schreit es im Hintergrund, wo vorne eine klanglicher, letztes Jahrhundert Fabriksound muffelig abläuft.

Hang Up the Pin Up
garantiert das härteste Stück! Unter Mitwirkung von J. Mascis, Murph, Philipp Virus, Thurston Moore zu verrührten Mickeymauschören Gina und Annikas auf Helium mischt sich ein trashiger Feedbackbohrer Moores zu getrashtem Schlagzeug J.Mascis. Rocker!

Good Time Girl
Cobra Killer, wie man sie erwartet: rhythmisch relaxed zu einem Steady Beat, einer Voodoo Melodie und klarem, rhythmischen Wechsel-Gesang. Zur Hälfte setzt Jon mit seinem Spencer typischen Voodoorap ein, der ein perfektem Mittelteil ergibt, und genug Raum für eine Wiederholung des orientalisch angehauchten Loops gibt. Wenn das aber nicht J.Mascis an der Gitarre ist, fress ich nen Besen!

Listen: Cobra Killer: Good Time Girl

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  Download: Cobra Killer: Good Time Girl

Schneeball in die Fresse
Cobra Killer at its best – den Satz musste ich mir von Good Time Girl herabziehen. Bis zur totalen Depression? Cobra Killer beziehen sich wohl auf das kommende Berliner Winterwetter und zeichnen nebenbei Elektro neu, nämlich zerfetzt. Killertrack, deren Gitarre (Spencer) nicht kratziger sein konnte, und irgendwie gut nach Neukölln passen würde, aber nur Schneeball in die Fresse, bis zur totalen Depression. Wo eigentlich waren da die Prinzen? Oha, im Intro – und Chorus. Geht in Ordnung.

Mr. Chang
Mr. Chang, swingender 50s inspirierter Stripclubtrack, aber unheimlich bis hin zur ungeölten Tür. Geht’s um Kohle, Koks, Geheimpapiere? Scarface, Airport, Chicago kommen vor, und die Maschinenpistolen ragen unter den langen braunen Ledermänteln zweier Furien vor. War da mal was in China? Kein Geld, kein Flug?

Skibrille
Ok-ok, passt sicher zu einem Mode Event. Geschenkt.

Upside Down The Builiding
… gehört klanglich auch ins Cobra Killer typische Kuriosenkabinett. Vielleicht aber zeigt sich hier ein neues Selbstverständnis. Schweben sie schon so was auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn – und es könnte immer noch mehr werden, vermeiden sie es übliche Dancefloorrocker zu schreiben, sondern setzen lieber verträumt schleppende Spitzen, dessen Lebensdauer dreimal so lange währt, und auch in zehn Jahren noch als Avantgarde durchgeht. Toptrack!

My First Parachute
Hätten die Mädels je den Eindruck gemacht als hätten sie einen Fallschirm nötig, schnallen sie sich den bei einem etwas durch den Wind getriebenen Stück an. Gute Landung!

Matchy Matchy
Matchy Matchy, subsumiert er noch einmal den ganzen Suspense und produktiven Witz des Duos. Die Chöre erinnern ein bisschen an die ersten Platten von Foetus. Klingt cooler als Hip-Hop, scheint aber auch nur ein Filler zu sein.

The Univers Is In The Oven
Heat it Up! fordern sie auf dem letzten Track, der genauso gut der Opener des Albums hätte sein können, eigentlich fast müssen. Univers verfügt nicht nur über einen zu den vorangegangen Stücken fettere Produktion, sondern verspricht einen Hit, alles fließt alles hot und verflixt vielversprechend. Man hört noch einmal eine komplette Band von Schlagzeug, Bass, thematisch passende Melodie, so knapp wie Ginas Minirock, von Gitarre, zum Cobra Killer eigenen Loop. Hier schwappt und brodelt es, ist die Welt längst im Ofen.

Erste Note: cooles, hippes und wie immer gewagtes Album, das nicht schlechter als die Vorgänger und immer besser als jede bekannte Rockkonfektion ist. Erscheint am 13. Oktober.



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. old king cole younger  

    jared ist nicht der einzige Fan in der Band

    Die Platte ist übrigens Klasse