Das c/o pop Blog


Alles über die c/o pop 2009 mit Amanda Blank, Black Lips, Boys In A Band, Frittenbude, The Bloody Beetroots, Tiny Vipers, Bill Callahan, Who Made Who, Whitest Boy Alive, The Notwist, Antonelli, Von Spar, Kreidler uva.

August 16th, 2009 | 1 Kommentar ...  

Das c/o pop Blog

Von

Dorfdisco c/o pop Blog – kommt etwas spät, aber es kommt! Dorfdisco ist in Köln vor Ort, hört und sieht genügend, und davon klar – das Beste.

Wer über die c/o pop noch nicht im Bilde ist: als Popkomm Nachfolger entfaltet sich die nunmehr 6. c/o pop (Cologne On Pop) zu einer inhaltlich hervorragend besetzten Veranstaltung (man hat das Gefühl alle wichtigen Bereiche in Bestbesetzung vorzufinden), bei der Menschen mit gleichartigen Interessen zusammen kommen (Convention), sich präsentieren und miteinander diskutieren.

Neben den vielen Konzerthighlights gibt es zwei Tage Kreativ Forum mit über 100 Referenten die (zu einem Spottpreis vgl. zur abgesagten Popkomm) über ihre eigene Musikzukunft diskutierten. Themen wie Geistiges Eigentum & vs. Netzkultur oder Glaubhaft bleiben trotz Markenkooperation wären sicher spannend zu verfolgen.

Zusätzlich zu unserem Blog empfehlen wir das c/o pop eigene Blog!

Photos: c/o pop Köln, Pt 1: Whitest Boy Alive, Bill Callahan, mehr…

Mittwoch, 12.8. mit Tiny Vipers und viel Kölsch

Den Festival Auftakt mit Reden des Kölner Oberbürgermeisters verpassen wir um noch zeitig die Akkreditierung abzuholen. Wettermäßiger Auftakt mit heftigem Regen unterm Dach werden die ersten Kölsch getrunken und alte Bekannte wiedergetroffen (und später nachts nach Hause gefahren).

Im ausverkauften King Georg lauschen knapp 200 den Klängen von Tiny Vipers aka Jesy Fortino. Allein auf einem Holzstuhl mit ihrer Stimme und (Martin) Akustik Gitarre wirkt die junge Folksängerin aus Seattle zerbrechlich, trancig, unheimlich, aber beseelt. Ihre wie selbst erfundenen und hypnotisch versunkenen Griffe und Melodien werden ehrfurchtsvoll antizipiert, einzelne Noten finden noch in leisester Intensität ihre Abnehmer, selbst als diese fast Richtungslos umherirren. Würde irgendwo nach Authentizität gefragt, Tiny Vipers wäre die Antwort. Ihr zweites Album Life on Earth erschien kürzlich auf Seattles Label Sub Pop.

Tiny Vipers bildet den perfekten Einstieg zur c/o pop, da kann die Philharmonie noch sehr Beiruten. Und eigentlich wäre jetzt Moderat & Modeselektor im Gloria dran, aber wir sind ja nicht in Berlin! Satt dessen gehts ins Wonderland, wo Rough Trade Director Bötsch mit Kollege Blues, Rock und eh, Bluesrock Platten auflegt! Tränen der Begeisterung und Kölsch ums runterzuspülen fließen in rauen Mengen. Spruch des Abends: das man das noch mal erleben durfte!

Donnerstag, 13.8. mit Bill Callahan, Who Made Who, Cómeme Night

Heute klar in den Stadtgarten zu Bill Callahan gehen. Der Bariton des ex-Smog Sängers ist großes Erlebnis und korrekte Nachfolge von Tom Waits, Will Oldham etc. Lange Schlangen vor der Tür lassen erahnen dass es schnell ausverkauft ist. Drinnen kann man eine Stecknadel fallen hören – Callahan, barfuß und in weißem Hemd, spielt mit Band bestehend aus Gitarre, Schlagzeug, E-Cello und Geige und erreicht jede einzelne Seele im Raum. Ein begeistertes Publikum und mehrere Zugaben sind die Folge. Draußen lerne ich eine junge Dame kennen die mir erzählt, dass sie ihr Max Dax Buch im Flieger liegen gelassen hat, während auf dem Offenbachplatz Patrick Wolf den Mixer mit Gegenständen eindeckt.

Danach zurück in die Opernterrassen zur Danish Night mit Who Made Who. Die Operterrassen nebst Schauspielhaus und Offenbachplatz (Open air) sind eine wirklich coole Location für die c/o pop. 60er Jahre Chic trifft hier Ende-Nuller-Elektro. Um 1h spinnen Tomas Barford & Fredski die Crowd, welche zu dem hervorragend installierten Sound abgeht. Kurz vor 2h huschen Who Made Who auf die Bühne und fabrizieren einen 15 minütigen Soundcheck – zum DJ! Und als Who Made Who anfängt kocht die Stimmung. Irre!

Angefixt vom Partyfeeling noch versucht die Cómeme Night im Roxy mitzunehmen. Vielleicht liegts daran einmal im legendären Roxy einzulaufen. Drinnen aber ist es dermaßen heiß und eng, dass ich gleich wieder raus muss. Schade, südamerikanischen Elektro hätte ich mir gern angetan. Draußen wartet eine laue Sommernacht und Kölns Neon Nachtleben.

Freitag, 14.8. – Whitest Boy Alive, Boys in A Band, The Notwist, Amanda Blank, Frittenbude

Heute wirds schon schwieriger die guten Events auszusuchen. Auf jeden Fall will ich die Boys in a Band von den Farör Inseln sehen. Danach dann Whitest Boy, zum kennenlernen. Boys in A Band sind mein Tipp, und der Offenbachplatz füllt sich schnell – wegen Erlend Oye natürlich. Vorne warten ein dutzend Fotografen, wegen Erlend Oye natürlich. Aber Boys in a Band ziehen eine dermaßen authentische Rockshow ab, das auch das Whiteste Publikum erreicht und laut werden lässt. Voller Erfolg! Nur der Sound war nicht ihrer, so musste Sänger Zachariasson aka “Six String – Pissiling” ziemlich rote Halsadern schreien. Ansonsten die perfekten Anheizer!

Whitest Boy Alive wird frenetisch bejubelt. Die Band lässt Michael Jacksons Billy Jean einfließen und covert auch Chris Isaacs Wicked Game … softi pofti. Ich überlege zu Metronomy/Bonaparte/Schwefelgelb zu gehen, aber das ist ja zu zwei Dritteln aus Berlin! Also Amanda Blank und Frittenbude im Odonien, einem Schrottplatzgelände gegenüber Kölns größtem Puff, dem Pascha.

Vorher erreicht mich aber noch ein Hilferuf aus der Philharmonie, wo The Notwist mit dem Andromeda Mega Express Orchester spielen. Die Bekannte kann nicht raus und ich schaffe es immerhin ins Künstlerfoyer hinter der Bühne, wo das Konzert leise auf Monitore übertragen wird. Kein Kölsch macht Notwists Ambient Orchester erträglich, als sag-mir-wer zur Toilette flitzt. Pick Up the Phone…

Anschließend Abstecher ins Sonic Ballroom, der Laden ist eine Art Treffpunkt und Wohnzimmer Kölns, um weitere Bekannte aufzulesen und ab ins Odonien, dem Kunstschrottplatz. Weil es dort Elektro gibt ist das Publikum schon wesentlich jünger um labert gern. Der Bühnenraum ist relativ klein für Acts wie Amanda Blank oder Frittenbude und platzt bald aus den Nähten. Der Sound geht mehr nach hinten und vorne ist es sehr eng. Trotzdem wird gerangelt und zig Fotografen versuchen Amanda Blank abzulichten.

Blank hält es sportlich. “Nur” in T-Shirt und Strumpfhose rappt und joggt sie durch ihr Programm und zeigt sich gut in Form. Und irgendwie besser als in Berlin vor 4 Wochen, wo sie in dem ganzen Fashiontüll viel pomadiger rüberkam. Hier ist alles knackig und tough – und wir sagen es – besser als Peaches! Nur viel zu kurz, nach einer gefühlten halben Stunde ist es schon wieder vorbei.

Zu Frittenbude flippen die Raver richtig aus. Man kennt das Gerangel. Mindestens in Tausend Jahren und vor allem Elektrofikke werden laut mitgebrüllt. Die Bude kocht – voller Erfolg.

Samstag, 15.8. The Black Lips, The Bloody Beetroots

Heute gilt es zwischen gefühlten 50 Veranstaltungen zu entscheiden. Allein im Belgischen Viertel treten in jedem kleinen Fashionladen irgendwelche Bands unplugged auf. Der bekannteste dabei darf wohl Gonzales sein, der in der Herr von Eden Boutique Hof hält. Super Werbung, nicht?

Ich bleibe Rock’n’Roll und gönne mir die Black Lips, Lo-Fi-Garage at its best, perfekt! Zwar finden sich nur halb so viele Kenner ein, diese aber finden umso mehr Platz zum tanzen. Die halbe Kölner Club- und Bandelite ist auch dabei. Die Band spielt mit 1 1/2 Stunden den längsten Gigs ihrer Geschichte. Irgendwann stürzen ein Horde Rock’n’Roll gewordener über die Absperrung und stürmen die Bühne. Alles strahlt, kein Stress, nur Party.

Fans feiern mit The Black Lips auf der Bühne - Foto Dorfdisco 2009

Fans feiern mit The Black Lips auf der Bühne - Foto Dorfdisco 2009

Anschließend wieder im Ballroom, wo ich mich noch eine Stunde lang mit Jarred von den Black Lips unterhalte. Jared mag Amon Düül, The Pack (deutsch), PVC und fragt was denn aus Cobra Killer geworden ist, die wären eine der besten deutschen Bands! Das finde und frage ich mich auch. Vielleicht hätte es Angie Reed beantworten können, die zu der Zeit im Müllheimer Kulturbunker auftrat.

Zurück in den Opernterassen bei Fancy Footwork Party feat. The Bloody Beetroots, Goldie Locks, Almeida, ua. Dass es voll werden wird zeigte schon die Schlange nach dem Black Lips Konzert, dass es ein anderes Publikum sein wird auch.

Die Opernterrassen sind voll und Schweiß tropft von den Wänden. Almeida heizt die Menge an, bedeutet sie aber auch zurückzutreten, was aber nicht passiert, im Gegenteil. An der Bühnenkante drängt es sich derweil so stark dass man befürchten muss es könnte Verletzte geben. Wenn man denkt dass das nicht zu toppen ist… als The Bloody Beetroots (“We have the Greatest Party”) in ihren Masken erscheinen, bricht Chaos aus. Der Schrei der über 1000 ist laut wie die PA. Vorn fällt alles auf die Bühne und schubst das DJ Pult nach hinten. Schnell herbei gerufene Security versucht die brodelnde Masse in den Griff zu kriegen und wirft ein paar Vögel hinaus. Ob berechtigt oder nicht, darüber wird draußen heftig diskutiert. Die dort stehen kommen nicht mehr rein, zu voll. Am Ende vermittele ich zwischen dem Veranstalter und einem Pechvogel, der unsanft von der Bühne nach draußen flog und nur in Hose und Schuhen bekleidet konsterniert auf der Stelle steht. Er darf wieder rein. Die Party findet ein gutes Ende.

Sonntag, 16.8., letzter Tag

die Sonne scheint… Spex Fußballturnier, oder Ricardo Villalobos und Paul Kalkbrenner auf den Pollerwiesen? Am Abend gibts noch 10 Jahre Italic… oder nur mal eine andere Location? Mal sehen…

Und haben noch einmal gesehen – und gewundert, wie man auf Paul Kalkbrenner abfahren kann. Viel zu dürftig diese Sounds, das von einem aufs Wenigste getrimmte Publikum wie immer toll findet. Dagegen war die Italic Nacht noch einmal eine Offenbarung: Bei den beiden Live angesetzten Acts Von Spar und Kreidler gewann Von Spar deutlich. Wo beide das Erbe von Can oder Neu antreten, verläuft sich Kreidler in Fake-Jazz, wogegen Von Spar stringenter agiert. Absolut top dagegen der Auftritt von Antonelli! Selbst Nicht-Techheads finden in seinem Sound große Herzlichkeit, gekoppelt an eine gnadenlos trockene Bassdrum. Allein Antonellis Instrumentarium fiel aus der Reihe: Ein 20x30cm große Beatbox, das wars.

Damit fanden 5 Tage c/o pop ein würdiges Ende. Die Convention hat alle Erwartungen erfüllt, wenn nicht übertroffen und wird in bester Erinnerung behalten. Nach so vielen Top Acts, Parties und Programmpunkten wird man fast wehmütig Abschied zu nehmen – bis zum nächsten Jahr!

Eine Frage nur die offen beibt… wer hat das Spex Fußballturnier gewonnen?



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. anskar brinkfrau  

    http://www.youtube.com/watch?v=rBtMO5k65Dg

    genial