Beats, Riffs, Drums: Dorfdisco in Wien


September 16th, 2008 | 0 Kommentare ...  

Beats, Riffs, Drums: Dorfdisco in Wien

Von Philipp Brugner

Wien gilt als die Wiege, der Schmelztiegel der klassischen Musik. Wien definiert sich fast ausschließlich über einzelne Namen, die die Stadt prägten. Keine andere Stadt der Welt macht das so stark wie Wien.

Das kann einerseits ganz förderlich, andererseits aber auch sehr hemmend sein. Wenn Touristenscharen allein wegen den Leb- und Wirkstätten von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven oder Franz Schubert hierher strömen, dann ist das sicher ertragreich – leider aber nur für Tourismus, „Fotografismus“ und „Souvenirismus“.

Eigentlich leidet die Stadt viel zu sehr unter dieser Klassische-Musik-Schablone, die ihr die Welt (vor allem Asiaten) und auch die Wiener selbst anlegen – und die alternative Musikszene leidet mit.

Bands, Künstler und Musiker die sich der Maxime dieser Art Musik verschrieben haben, kämpfen mit einem Aufmerksamkeitsdefizit. Kaum ein Mensch steckt sich für eine Stadt mit guter Clubdichte, prosperierender Musikszene und einem unterhaltsamen Nachtleben sein Fähnchen bei Wien auf die Landkarte, andere österreichische Städte inklusive.

Das Leben mit der Tradition, die Rückbesinnung auf und die zwanghaft erscheinende Aufrechterhaltung der „guten alten Zeit“ genießen in Wien überbordende Ausmaße. Man spielt mit kaiserlichen Attitüden und wickelt Veranstaltungen ab, die dem Hofzeremoniell Kaiser Franz Josephs eine Reverenz erweisen. Nur ja kein fortschrittliches Denken aufkommen lassen, das Lebensgefühl stets von früher speisen.

Progressive Musik verlangt aber nach – wie der Name schon sagt – progressivem Denken. Nun, die (Wiener) Musik scheint unter diesen Umständen einen schweren Stand zu haben.

Da uns die eigene Erfahrung aber bekanntlich am meisten lehrt, sollten wir die vorschnell über Wien gestülpte Käsglocke wieder entfernen und uns selbst einen Eindruck verschaffen, wie es um die Beats, Riffs, Drums und Snares in der österreichischen Hauptstadt steht. Die Erkenntnis, die beim Kennenlernen der musikalischen Wiener Seiten gemacht wird, ist dann auch eine recht erfreuliche.

An manchen Orten der Stadt riecht es nämlich nach echter Subkultur und Bands abseits von Christina Stürmer (Pop) und Mozart (Klassik). Dort sieht es dann aus wie das Flex (das sich seinen Platz unter den Top Ten der besten Clubs der Welt auf Lebensdauer gesichert hat), hört sich an wie die Sofa Surfers, fühlt sich an wie die Bässe der Elektro-Reihe Icke Micke und schmeckt nach Ottakringer Bier.

Wer Musik von Christoph&Lollo, Gustav, Heinz aus Wien(!), Fennesz oder Jonas Goldbaum hört, sollte sich auch mit Wien und seinem musikalischen Potpourri anfreunden. „Bewusst“ meine ich, hat man es mit dem Gefallenfinden an den genannten Bands unwissentlich doch schon getan. Wer dem Radiosender FM4 gerne seine Ohren schenkt, sollte sich auch zu einem Besuch dessen alljährlichen Geburtstagsfestes in der Wiener Arena, in der auch immer wieder Konzerte von Top-Acts alternativen Ursprungs zu bestaunen sind, aufmachen.

Natürlich, vorher sollte man sich überhaupt einmal gen Wien aufmachen, bevor man sich an die Exploration der dortigen Stätten musikalischen Ausdrucks macht. Die Stadt ist aus Berlin bequem per Flugzeug innerhalb einer Stunde und per Bahn mittels einer Nachtfahrt zu erreichen.

Schlussendlich können wir also ein etwas anderes Bild von Wien zeichnen, eines, das sich eher wie Popart als barocke Landschaftsmalerei ausnimmt. Eines, das dazu einlädt, nach Wien zu kommen um der Frage, wie das mit Kaiser Franz Joseph und der Progressivität funktionieren kann, auf den Grund zu gehen.

Dorfdisco. de hat mit ihrer ersten Dependance ausserhalb Berlins, die euch ab sofort mit dem Besten der Wiener Musik versorgen wird, den Anfang gemacht. Nun müsst ihr ihr nur noch folgen.



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