Afro-Pop: Percussion Gun vs. Burundi Beat


Wie White Rabbit Bow Wow Wows Burundi Beat spielt, und keiner sagt es

Januar 19th, 2010 | 1 Kommentar ...  

Afro-Pop: Percussion Gun vs. Burundi Beat
Musique du Burundi - erste Burundi Beat Platte, 1967

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Ach, bin ich doch über diese Stelle zu der aktuellen White Rabbits Single Percussion Gun auf Spiegel Online gestolpert:  Das Klavier spielt sich auf den meisten Songs von “It’s Frightening” selbst, die Voodoo-Trommeln kann auch kein Mensch beigesteuert haben ...” – Moment, diese Voodoo-Trommeln, die sind doch von … ja, Bow Wow Wow, Adam and the Ants! Und jetzt wirds spannend, hatten Bow Wow Wow bzw. the Ants diese doch wiederum  direkt vom afrikanischen Burundi Black Beat rüberkopiert.

Aber mal von vorne: Nach Recherchen auf Jahsonic geht der Burundi Beat zurück auf eine Aufnahme von 25 Trommlern vom Stamm Ingoma, Burundi  im Jahre 1967, welche ein Jahr später auf dem Album Musique du Burundi (siehe Cover oben) erschien.

Mitlerweile findet sich auch schon eine stattliche Anzahl an YouTube Videos, die diesen Drum-Stil belegen, zB. dieser hier:

1971 re-arrangierte ein Mike Steiphenson die oben erwähnte Platte mit Gitarren und Keyboards, und veröffentlichte eine 7″ namens Burundi Black, welche 1978 als 12″ Version wieder aufgelegt wurde. Dieser Track, der zu der Zeit in jeder besseren Disco rauf- und runterlief, verkaufte sich über 125.000 Mal. Hier das Video zu Burundi Black:

Nicht genug. Ein windiger Manager namens Malcom McLaren, der gerade eine Band namens Sex Pistols in den Sand gesetzt hatte und sein geklautes Geld in eine neue Truppe stecken wollte, nahm sich die Adam Ants Band, ersetzte den Sänger durch ein aus einem Waschsalon gecastete 13-jährige Anglo-Burmesin Annabella Lwin, und verordnete ihnen diesen Burundi Black Beat auf 45 – also doppelt so schnell zu spielen:

Ihre erste Single C30 C60 C90 Go! war gleich auf Skandal ausgelegt, sollte sie doch zum Raubkopieren von Radio auf Kassette animieren. Ansonsten brachten Bow Wow Wow, dessen Name einen bellenden Hund imitieren soll,  eine erstaunlich hohe Anzahl an tollen Platten und Titel (“See Jungle! See Jungle! Go Join Your Gang Yeah! City All Over, Go Ape Crazy.“) heraus, wobei die Erstveröffentlichung Your Cassette Pet, eine 8-Stücke Cassette auf EMI (EMI WOW 1, Cassette, 1980), heute ein wahres Sammlerstück ist.

Ach ja, schwelgen ergraute Männer in Piratenstiefeln heute noch von dieser Annabella, wurde sie doch auch ganz unterschwellig mit Begriffen wie Unschuld, Freiheit und Abenteuer vermarktet (das Plattencover zu See Jungle zeigte die Band als lebende Nachstellung von Manet’s 1863 Skandal-Gemälde “Dejeuner Sur L’Herbe” (Frühstück im Grünen)), und nehmen sich heutige Primadonnen wie Lady Gaga, Pink oder Peaches ja geradezu trivial aus:

Umdrehen: Cowboy! Annabella Lwin, "I Want Candy" Promo Pic

Nun aber kommen die Schwerenöter White Rabbits aus New York in ihren grauen Anzügen, farblosen Pullis und adretten Haarschnitten und erzählen was von Percussion Gun, zu dem der Spiegel nicht mal sagen kann “ob das von Menschen” gespielt wird (ja, es wird, von zwei farblosen Anzugsträgern in Kaputzenpullis):

Ok, kennt mich ja. Am Ende bekommen wir keine Gls mehr wegen sowas! Bow Wow Wow gibt es leider nicht mehr, und heute geht man eben zu White Rabbit, z.B. am 20.2. im Frannz Club (zusammen mit den feinen Spoon), und lauscht ihren “Get to Sleep so Easy” (Midnight and I) Betroffenheits-Gesang.

Zum Schluß aber sei noch gesagt, das es ja nicht nur White Rabbit mit diesen Beats halten, auch Vampire Weekend kreisen in diesen Filden, und wer weiß, was in Zukunft noch alles kommen wird. Ganz besonders aber sei Fools Gold aus L.A. ans Herz gelegt, dessen Surprise Hotel eine wirklich coole wie tanzbare Afro-Pop Überraschung ist. Ob die nicht vielleicht mal ein Duett mit Annabella Lwin… ?

Fools Gold – Surprise Hotel (Juli 2009) (Download)

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www.myspace.com/whiterabbits

www.myspace.com/foolsgold

www.myspace.com/officialannabellalwin

www.annabellalwin.com



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. Druschba  

    Bow Wow Wow waren toll, die habe ich mal im Kant Kino (so gegen Ende 1981) gesehen und war richtig begeistert.
    Burundi Beat wurde das schon damals genannt und es hat kein Aas interessiert, wer oder was das getrommelt hat.

    Von der Band White Rabbit hatte ich noch nie gehört und nachdem ich mir ihr Video angesehen und angehört (der Anfang ist 1:1 das Trommel Intro von Adam & The Ants "Kings Of The Wild Frontier") habe bin zuversichtlich, dass das so bleibt.

    Ich hatte mal eine Gürtelschnalle auf der stand White Rabbit Saloon, die war wirklich toll, aber ich habe sie einem alten Freund zum Geburtstag geschenkt, der sie noch viel toller fand. Wenn ich ansonsten was von White Rabbit will, dann höre ich das gleichnamige Lied egal ob in der Version von Jefferson Airplane oder The Damned.

    Die auch erwähnte Kapelle Vampire Weekend haben einen wirklich tollen Namen, das ist aber auch leider alles, denn ich habe sie letztens im Radio hören müssen und das war bei so einem Namen eine einzige Enttäuschung.

    Ansonsten ein netter und interessanter Artikel.