Wavves – Wavvves


(VÖ 17.7.09, Bella Union / Cooperative)

Juli 19th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Wavves – Wavvves

Von

Es klingt zunächst wie völlig übersteuerter DIY-Kassettenpunk, was Nathan Daniel William a.k.a. Wavves auf seiner zweiten CD Wavvves abliefert.

Verglichen mit dem kurz und knapp Wavves selbst betiteltem Vorgänger, ist dieses nur mit einem zusätzlichem, unscrabbelbarem “v” im Titel betitelte Folgealbum innerhalb eines halben Jahres sogar weniger krachig, fast heraushörbar, aber immer noch kaputt und unerhört leiernd genug, um jeden über dreißig in Rente zu schicken.

Denn, und das ist der Punkt, warten hinter all dem verzerrten, vernudeltem Krach eindeutig schräge Power-Pop-Songs, mit dessen Titeln (Goth Girls, Weed Demon, California Goths, Summer Goth, Killr Punx, Scary Demons, Surf Goth usw.) sich mehr wohl mehr suizid gefährdete Teenager identifizieren mögen, als der lieben Musikindustrie erst mal recht sein kann. So versteht es William solch Seele zerreißende Hymnen wie (I’m) So Bored, Beach Demon (going nowhere, going nowhere, going nowhere!) oder No Hope Kids (no car, no friends, no family, no friends, no girl) aus dem Handgelenk zu schütteln, angeblich zuhause alles selbst und ohne Umschweife auf 4-Spur aufgenommen, wozu Fans aus dem Häuschen sind und die hibbelige Kritikerelite das Büro leer räumt.

Irgendwie werden sie schnell gemerkt haben, dass mit ähnlich schäbig verkrustetem –aber in den entscheidenden Momenten großartigem– Lo-Fi-Fuzz  auch andere Westküsten Bands wie Lovvers (richtig, mit zwei v’s), No Age, Abe Vigoda, Silver Daggers, Mika Miko, Nodzzz usw. aufwarten. Gemeinsam surfen sie ihre, von findigen Schreibern schon Shitgaze genannte, neue Welle, die nach keinem Vergleich fragt, aber dennoch den DIY Hardcore L.A. Punk der 80er Jahre reflektiert.

Wozu aber Wavves? Herauszuheben ist der Umstand, dass sich die neuen Westküstenbands hauptsächlich über diesen (für uns noch neuen) Laden namens The Smell definieren, dort rumhängen oder auftreten. William aber stammt aus der US Militärstadt San Diego, und wird zunächst nur von The Smell aus der Ferne gehört haben. Ebenso alleine und abgeschnitten wie er selbst sind seine Songs. Sie erzählen mehr von gefühlter Langeweile und dem Blues, als die dann vergleichsweisen intellektuell-verschobenen No Age oder Elektro-tanzig beeinflussten The Mae Shi. Dazu schaut William den Bullen zu und säuft Bier im Park, wie das Info schreibt. Er hätte es auch mit Dauerregen in San Diego ausdrücken können.

Für seine hinter primitiven Effekten (und herrlichen Chorusse zu Tambourine auf dem Hi-Hat Trick) versteckte Kunstfertigkeit und Schöpfergeist von heute noch wenigen zurecht bewundert, man muss nur genau, und vor allem laut genug hinhören um es zu erkennen, ist Wavvves auch nur noch wegen zwei, drei unfertiger Füllstücke von einem Teenage Gothpunk Klassiker entfernt. Seinem insgesamt kraftvoll abgerockten und teilweise hypnotisch verträumten Hörstrudel hat sich William auf jedem Fall ein Denkmal gesetzt, das in etwa so viel Spass ist, wie der als primitiver Nihilismus abgetaner Punkrock einer Band namens Ramones zu seiner Zeit, oder die 70er Wavves Coverfotos eines Skateboarder-Magazin Skaters erster Generation.

www.myspace.com/wavves

Wavves: No Hope Kids



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