The Walkmen – Lisbon


VÖ: 14.09.2010; Bella Union

Oktober 2nd, 2010 | 0 Kommentare ...  

The Walkmen – Lisbon

Von

Das große Murren: Es gibt heutzutage viel zu wenig Musik, die mit jedem Hören wächst! Vielleicht gibt es aber auch zu wenig Bands, die konstant wachsen können, weil sie sich selbst die Zeit nicht lassen oder – heute fast schon Normalität – diese ihnen einfach nicht gelassen wird.The Walkmen haben den frühen Durchbruch nicht geschafft und wahrscheinlich stehen sie aus diesem Grund heute an einem Punkt, der ihnen ein Höchstmaß an konzentriertem und gleichzeitig entspanntem Arbeiten ermöglicht. Auf ihrem neuen Album klingen sie nun auch so,  als hätten sie nach langjähriger Suche endlich ihre Mitte, ihren unverwechselbaren Sound gefunden.

Lisbon gewinnt tatsächlich mit jedem Durchlauf an Intensität. Scheinbar einfach, mit keinem Gramm Fett zuviel, geht hier von jedem Ton eine Kraft und Leichtigkeit aus, die es schwer macht  sich dieser Platte zu entziehen.  Irgendwann  kam man diesem im Proberaum erstrebten und auf der Bühne verfeinerten Soundvorhaben wohl sehr, sehr nahe und spielten die Songs in gerade mal fünf Tagen Studioarbeit komplett ein.

Das erste Studioalbum der New Yorker erschien bereits 2002, im Player rotiert gerade Nummer sechs (neben mehreren Singles, Demo-Veröffentlichungen, Sampler-Beiträgen) und über den Strokes-Kopie-Vorwurf der ersten Jahre kann man im Rückblick nur lächeln. Es hat nicht unbedingt geschadet sich  abseits der großen  Aufmerksamskeitsverpflichtungen (Was bringt die neue Platte?? Ist die so gut wie letzte? Kann man während einer zweijährigen Welttournee wirklich immer noch bahnbrechende, neue Songs schreiben? etc.) ganz auf die eigene Weiterentwicklung konzentrieren zu können.

Mit traumwandlerischer Sicherheit decken The Walkmen mittlerweile das ganz  Spektrum ihrer  Möglichkeiten und Visionen ab: Die Reduziertheit, mit der die Band die traumhaften Melodielinien von Sänger/Gitarrist Hamilton Leithauser in Szene zu setzen versteht (etwa bei  All my Great Designs), die Durchdachtheit, die hier jeder Note, jedem Ausdrucksmittel – wie die ganz dezent angedeutete pathetischen Gesten in Stranded (Bläser) oder Torch Song (Streicher) – Sinn verleiht, der Wechsel zwischen dezenten Twang-Gitarrengedudel  und eruptivem Ausbruch (Angela Surf City). Für Leute, die es auch mal genießen können sich von vergilbten Polaroidbilder mit unterschiedlichsten Landschaftsszenarien auf die Reise schicken zu lassen.

Lisbon ist wahrscheinlich eines der unspektakulärsten Alben des Jahres und genau deshalb wohl auch eines der Wichtigsten.

www.myspace.com/thewalkmen



Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: