The Horrors – Primary Colours


(VÖ: 02.05.2009 / XL / Beggars / Indigo)

April 30th, 2009 | 0 Kommentare ...  

The Horrors – Primary Colours

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Eingeschlossen in einem fensterlosen Studio, kein Anruf von Niemanden, immer und immer wieder drüber gehen, Spider Webb von den Horrors berichtete über den Entstehungsprozess der neuen Platte Primary Colours als einen Nahe am Wahnsinn stehenden Prozess.

Um erst gar nicht in die Nähe irgendeiner Hitkiste gesteckt zu werden, greifen sie wieder tief in ihr Sujet von 60er Angst und 70er Rock. Doch wo manch anspruchsvolle Band allzu durchsichtiges abliefert, fetzen hier die Schräglagen, brodelt es melodramatische Melodien, schwimmen Gitarren und Gesang rund ums Bass/Schlagzeug Gebälk und verschwinden ihre Körper auf dem Cover bezeichnenderweise fast ganz.

Und gut, als durchgeknallte Spacken mit/ohne Check was eigentlich los ist (siehe: The Horrors Tour Diary Germany Pt.1 – im Radiointerview mit MC Lücke/Fritz:”Faris knows his shit”), erhielten sie ihre Reputation bislang mehr durch Auftritte, bei denen die Fenster aus der Decke oder Scheinwerfer von der Bühne fielen. Hauptsache man lässt ihnen auch sonst jeglichen Klamauk, hauptsache der Medititationskurs fällt aus der Wolke und die Sache rockt.

So eröffnet Mirror’s Image mit einem ungewöhnlichem Eso-Gebrummel, das über einen Loop in einen 4 Minuten 50 langen Ruf nach der Nacht führt, voll wehender Gitarren und rollender Drums, zu denen sich Sänger Rotter weiterhin seines Lebens wundert: Is it the way / She looks at you seeing her face / As you walk through the crowded avenue.

Wers bis hier hin schonmal geschafft hat, könnte auch Three Decades’ fliehende Schrägheiten gut finden, so sehr haunted jagen die Synth Spitzen über einen Wah-Wah-Hall, dass gute Ohren schnell mal ne Pause bräuchten.

Who Can Say macht das Horrors Emogazing dagegen besser.  Faris sagt was von And then I kissed her und scheppernde Becken und Fuzz Gitarre à la Jesus and the Mary Chain bollern, als gelte es das Haus zum Einsturz zu bringen. Wann wurde der letzte gute Tearjerker geschrieben?

Do You Remember startet stark, holt einen aus der Ecke und hat einen hyper Flashback, wird dann aber übertrieben gegen die große Hallwand geworfen. Schade. Gerade diese Nummer hätte mehr verdient.

Auch New Ice Age (besteht die Platte eigentlich nur aus Post-Joy Division Titeln?) zählt zu den besseren Stücken, in jedem Fall das beste Arrangement. Wieder viel Gefahr im Hall, aber einem Faris Rotter, der endlich engagierter zur Sache geht und irgendwas von „Agony” singt. Was sonst? Beste Momente: Anfang,  dazwischen, alles, und der lang gezogene Orgelakkord zum Ende.

Scarlet Fields und I Only Think Of You halten sich mehr zurück, was bei der Band neu ist. Viel passiert hier nicht, außer dass die Farben weiter gemischt werden, zu Fields klingt die Orgel wie bei The Ghost of Kintyre und auf You darf Rotter noch etwas älter klingen.

I Cant Control Myself, das Little Doll-alike Stooges Intro, schlägt noch mal die Anspieltip Ecke, und hätte auch schon früher kommen können. Leichtfertige Riffs mit etwas Joy Division Post-produktion, jede Schülerband spielt das – bis auf Joshs dann doch unnachahmliches Solo, das zeigt, dass es eben The Horrors sind, die den Knochen krumm machen.

Der Titeltrack Primary Colours bringt dagegen nur was für Billy Idol Geschädigte, während zum Schluß die aktuelle, hörenswerte Single Sea Within The Sea auch weiterhin alles überstrahlt.

Insgesamt hält Primary Colours genug Suspense, um als Steigerung zu ihrem Debut Strange House herzuhalten. Andererseits könnte man Strange House nachträglich wieder ein paar Pluspunkte zuschieben, die rockt im Vergleich nämlich etwas mehr.

Anhören:
The Horrors – Primary Colours

www.myspace.com/thehorrors



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