The Flaming Lips – Embyonic


(Warner)

Oktober 15th, 2009 | 0 Kommentare ...  

The Flaming Lips – Embyonic

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Ist es nicht komisch? Mit dem Begriff Zukunftsmusik, oder auch nur in die Zukunft weisende Musik wurde bislang immer all das zugeklebt, was nicht unter einer der gängigen Kategorien einzuordnen war. Und doch sind oder blieben alle Formen der Musik und deren Derivate wie Parties, Festivals etc. bestenfalls der verfeinerte Aufguss desselben, wiederholbar, austauschbar. Ein Grund auch, warum Innovation und Neuerungen grundsätzlich bei jüngeren Bands, oder neu auf dem Markt erscheinenden Musikern gesucht, bzw. dort erwartet wird.

Was aber wenn eine Band seit 1983 exsistiert, es seitdem auf 14 Alben gebracht hat, nebenbei ihre Konzerte zu skurrilen Happenings ausbaut, selbst von einem Majorlabel entdeckt und unter Vertrag genommen, von der breiteren Masse aber in 200 Jahren noch nicht wahrgenommen werden wird, und es aber schafft immer noch oder immer wieder genau das eigentliche des Begriffs Zukunftsmusik zu entsprechen? Was wenn ein Durchschnittspopelhörer auf diese Platte trifft und plötzlich denkt, das ist ja merkwürdig, cool, oder schräg aber schön, also immerhin eine Akzeptanzhaltung hierzu entwickeln kann, welche beim ersten Eindruck vielleicht noch als zu sperrig und unkonventionell erscheint. Was wenn der von Industrie und Marketing durchweg gesuchte Durchschnittshörer mit seinem immer wieder zu füllenden Wohlfühl und Spaßanspruch wie der bei der Stange gehaltene Raucher von der Zigarettenindustrie durch diesen Schleier der akustischen Gängelung hindurchbricht, und dort auf Sounds trifft, die wie eine entfernte Mischung aus deutschem Krautrock und aber auch gerade neuen elektronischen Möglichkeiten ohne billigen Hitpopkram oder gefälligen Berechtigungsschwindel dergleichen ist?

Was wenn all diejenigen, die bis heute Pink Floyds Wish You Were Here für das beste Stück aller Zeiten halten auf einmal auf eine Platte entdecken würden, die diese Meinung zumindest ausgleicht (The Flaming Lips haben genau das auf ihrem nächsten Album vor: Dark Side of the Moon 1:1 covern), und sich mit all jenen Hörern verbinden, die durch Radiohead zu Weiche sozialisiert wurden, und aber dazu noch auf jenen Restbestand exzentrischer Avantgardisten dissonanter Jazzkadenzen auf 10, oder Off-Kommentatoren spiegelflacher Tiefseeflächen oder neurotischer Retrohippies mit nervöser Fummelmanie vorm Sonnenuntergang trifft?

Wird der Beschreibung allein schon keine Grenzen gesetzt, die Inspiration eines an schon vielen Formen Rockmusik gewöhnten Ohrs opulent gefüttert, so sehr kann man diese Platte hochhalten und sie gleichstellen mit teurem Gemüse, seltenen Funden, Außervirtuellem, erst-noch-entdeckbaren aber ungleich-zugänglicherer Akustikwelt.

Oder schwarz-weiß ausgedrückt: die neue Platte für die immer schon fremde Planeten bereisten, eine Stunde und zehn Minuten Urlaub suchen, auf allerlei esoterische Therapieformen stehen, oder einfach nur der Meinung sind, dass seit der Schließung der Bar25 die Welt ihren Bauchnabel verloren hat.

http://www.myspace.com/flaminglips



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