Soap & Skin – Lovetune for Vacuum


(VÖ 13. März 2009, Couch Records/ PIAS/ Rough Trade)

März 19th, 2009 | 1 Kommentar ...  

Soap & Skin – Lovetune for Vacuum

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Die Erwartungen lagen hoch nach ihrer ersten, unter Soap & Skin selbst betitelten EP und den sagenumworbenen Liveauftritten, und Anja Plaschg hat sie erfüllt auf ihrem ersten Album Lovetune for Vacuum. Erwartungen, die sich in ihrer Höhe vielleicht auch nur erfüllen konnten durch das jahrelange Popaction-Diktat Englands, das nur auf eine junge Generation konsum- und feierfreudiger Kids ausgerichtet ist, und deutschen Durchfalls, das dasselbe entweder immer nur zu kopieren versucht, oder aber nie ganz überzeugen konnte. Nun also die Plaschg, aus dem Nichts einer Bergidylle, mit manischer Willenskraft bis hin zur oft als Selbstaufgabe beschriebenen Interpretation auf der Bühne, diese Plaschg legt ein Album vor, an dem sich kaum jemand messen kann, weil herausragend und in seiner Wirkkraft und Dichte gleichsam mehr als nur viel in den Schatten stellend, weil einfach die drei erweiterten Dimensionen der schönen Künste, Schönheit, Einfachheit und Eleganz bestimmend.

Und trotzdem tut sich für viele Hörer hier ein bis ganz neues akustisches Erlebnis auf, vor allem für die, die sich eine solch durchdringende, melancholische Selbstbeschreibung bislang nicht vorstellen konnten, und gleichsam auf ein solches Erlebnis gewartet haben. Es sind die vom selbstgefälligen und von Reunions der Kohle wegen geprägten Popmarkt enttäuschten bis hin zu den von Joy Division und ihren kommerziellen Melancholieverwertern geblendeten bis hin zu denen, die es ja schon immer gewusst haben, jetzt, wo sie sich diese Rückversicherung zum guten Geschmack ins Regal stellen können. Aber geht es darum auch dieser Anja Plaschg, die alleine für diese ihre eigene Musik verantwortlich ist, die alleine dieses Album geschrieben, produziert, abgemischt und, bis auf ein paar Cellis, Kontrabässe und Geigen selbst eingespielt und eingesungen hat nebst all den Stimmen, Overdubs und elektronischen Verzierungen?

In Interviews gibt sie sich (möglichst) wortkarg, wahrscheinlich auch, weil es auf die üblichen Fragen erstmal nichts zu antworten gibt, ohne den derzeitigen, ersten Rahmen des Vakuums zu verlassen. Auf Lovetune for Vacuum aber fasst sie auch nur zusammen, was sie in den letzten vier Jahren seit 2004 für sich erschaffen hat, durch welche Stimmungen und Lebensphasen sie seit ihrem (ca.) 14ten Lebensjahr gegangen ist, und arbeitet dieses Material eigenhändig auf mit der plötzlichen, seit letzten Jahr vorhandenen Unterstützung von Plattenfirmen und allem was dazu gehört, und schafft sich noch unter dem Eindruck der entflohenen Enge von Dorf und Pubertät dieses Denkmal, das trotz der aufgetragenen Dunkelheit und ihrer süß-rauhen, bis fast atemlosen, bis zur Verzweiflung getriebenen Stimme schimmert wie ein Kunstwerk einer Tracey Emin, selbstbewusst durchs allein sein, und überbordend sensibel bis in den Tod. Und es ist wahrscheinlich genau dieser schmale, scharfe Grat, den Partykonsumenten für nicht gangbar halten, weil der Party widersprechend, und trotzdem ein jeden anspricht, weil die Seele betroffen ist, und nicht der Schwanz (oder Muschg), ihr wisst schon.

Dazu wünschen wir Anja Plaschg alias Soap & Skin alles Gute, freuen uns auf erhabene, persönliche, ergreifende Konzerte und auch für die Zukunft viel Erfolg, wo immer dieser auch stattfindet.

www.myspace.com/soapandskin



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