Röyksopp – Junior


(VÖ 20.03.2009, Wall of Sound/ EMI)

April 8th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Röyksopp – Junior

Von Philipp Brugner

Die Musik Röyksopps verbreitet gute Laune. Nach ihrem ersten Album „Melody AM” hatte sie noch kaum jemand auf der Rechnung, erst dessen Nachfolger „The Understanding” war der erhoffte veritable Erfolg.

Mit „Junior” könnten Röyksopp nun nochmals eine Stufe höher steigen. Die Masche, wie das gelingen soll, ist einfach: Um eine neue Klientel für sich zu gewinnen, rücken sie von ihrem bisherigen, stets auf die alternative Hörerschaft zugeschnittenen Sound ab. Ab sofort soll auch der normale Disco-Geher Röyksopp lieben lernen.

Glücklicherweise kommt aber nicht das ganze Album mit einem Discobeat, wie in „This must be it”, daher. Auch setzen Röyksopp nach wie vor auf ihre alten Stärken statt auf den massentauglichen 4/4-Takt. Vor allem mit den Sängerinnen Robyn, Lykke Li, Anneli Drecker und Karin Dreijer Andersson, die normalerweise bei den benachbarten schwedischen Synthpoppern The Knife engagiert ist, haben Torbjörn Brundtland und Svein Berge einen guten Griff getan. Mit den vier Damen hat man sich doch auch die repräsentative weibliche Klasse der aktuellen skandinavischen Elektronikszene als Gäste aufs Album geladen. Das Kalkül ist voll aufgegangen.

Robyn betört in „The Girl and the Robot”, Lykke Li tut dies in “Miss it so much”. Dazu noch Anneli Drecker, die unter anderem den Minimaltrack “You don’t have a clue” mit einem zart gehauchtem Timbre unterlegt und Karin Dreijer Andersson, die „Tricky Tricky” und „This Must Be It” zu einem gewissen sphärischen Charakter verhilft. Nur einmal intonieren Torbjörn Brundtland und Svein Berge selbst, der letzte Song auf „Junior” gehört ihnen. „It’s What I Want” klingt wie die Abschlusshymne für ein Album, das eingängiger und weniger kantig ist als seine Vorgänger. Beim Suchen nach anspruchsvollen Arrangements blieb man diesmal eben nur an der Oberfläche.

„Junior” rein auf Disco und House zu reduzieren, wäre aber doch zu voreilig. Durch Tracks wie das erwähnte „Tricky Tricky” bewahrt es sich doch einiger sehr sanft geschichteter Ambient-Spuren, die in die tiefen norwegischen Seelen führen. Durch hüpfende Beats wurden Röyksopp seit jeher sogar des Trip Hops bezichtigt – diese Vermutung kommt beim jetzigen Album sicher nicht auf. Auf “Junior” erlaubt sich die Band erstmals einfacher gestrickte Nummern. Man will ein breiteres Publikum erreichen und auch in den kommerzielleren Locations gespielt werden. Dies aber auf die Gefahr hin, dass man dabei eine langjährige Reputation zu verspielen hat und möglicherweise als zu glatt und radiotauglich daherkommt. Ob Röyksopp das verhindern können, wird sich spätestens im Herbst zeigen. Dann soll auf „Junior” der Nachfolger „Senior” erscheinen. Immerhin, im Alter wird man doch weiser.

www.myspace.com/r0yksopp

Röyksopp



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