Mona Mur & En Esch – 120 Tage – The Fine Art of Beauty and Violence


(Pale Music / bereits erschienen)

März 7th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Mona Mur & En Esch – 120 Tage – The Fine Art of Beauty and Violence

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Sie hätte es ja auch einfacher machen können, die Mona, indem sie ihre frühen 80er Songs durch ein paar Neue in der Küche ergänzt hätte, mit Frickelelektronik, so wie es so viele gerne in dieser Stadt halten. Aber Mona, die in den letzten zehn Jahren wohl mehr Computerspielmusik (=Frickelelektronik) geschrieben und verkauft hat als jede andere Küchenschabe Berlins, denkt nicht daran, sondern holt mit dem ex-KMFDM Gitarristen En Esch gleich das Vernichtungsmittel heraus, auf dass es ja keine Verwechslungen zu irgendeiner anderen Phase oder Schiene ihres künstlerischen Schaffens gebe. Folglich heisst die schon seit Februar 2009 vorliegende Scheibe Mona Mur und En Esch, nur auf einigen, vornehmlich früheren Tracks ergänzt von Nikko Weidemann an Keyboards, ursprünglicher Mona Mur Musiker der ersten Stunde und einmal Jesse Evans on Sax.

So hört man noch mal ein paar alte Mona-Klassiker (genug berichtet), diesmal im Stil eines über Jahrmillionen verschleppten Monoliths, schwer und kräftig aufgrund der sich gesucht-gefundenen Mur/Esch Kombination. Doch wäre es müßig auf die heute wohl nur noch bei pigmentierten Leichen bekannten Nummern (120 Tage, Eintagsfliegen, Snake usw.) abzuheben, wären da neben den drei weiteren Brecht/Weill Nummern (incl. die exclusiv gestattete Ballade vom Ertrunkenen Mädchen) nicht die vier Neu-Kompostionen zu hören. Auf ihnen lässt die Mur nun ihren erotisch-bizarren Phantasien freien Lauf. Allein der Opener Candy Cane, ein tiefer Brocken mit gewalttätig erotischer-Macht Thematik und wie aus dem Off eines lebenden Toten, schiebt sich drohend und drückend vor das Release. Nichts für den Hausgebrauch, sondern am ehesten als Vorspeise zu einer mörderischen Sado-Maso Vergewaltigungsparty zu gebrauchen. Ähnlich geht es auch auf The Thin Red Line zu, einem Eingangs an Großraumraveparties erinnernde Synthflächen, das ebenfalls zu einem verschleppenden Monster mutiert, und textlich nur etwas gemäßigter ist, wenn man sowas wie Grab Me, Encounter Me, Forget Me als solches bezeichnen möge.  Würde der Mensch nicht auch vergessen können, wäre dies sicher der ideale Soundtrack zum wahnsinnig werden. Vision and Lies tut dagegen nicht so viel zur Sache und The Wound erinnert doch zu sehr an so Credo Nero und andere verweste 80er Zeiten. Doch um auf wenigstens eines der drei, wie zu erwarten gelungenen Kurt Weill/Berthold Brecht Neuinterpretationen zu kommen, Der Song von Mandelay sticht in den Klangfarben von Mur und Esch dermaßen erfrischend heraus, dass es vielleicht nur an einem körperlich kräftigen Drums anstelle der Drumbox fehlt, das wäre es. Das nächste Mal dann gleich ans Berliner Ensemble, bitte!

www.myspace.com/monamurenesch

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