Mignon – Kiss of Death


(Impedance Records / Cargo / bereits erschienen)

August 6th, 2011 | 0 Kommentare ...  

Mignon – Kiss of Death

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Was ist los? Dieses Wochenende ist Wacken und Mignon, Berlin’s Rockfrau No.1 ist nicht mit von der Partie. Dazu ist letzten Monat so gut wie unbeachtet ihr (erst) zweites Album Kiss of Death erscheinen, unbeachtet vielleicht auch, weil das Label Impedance Records aus Wollongong, Australien, trotz Internet und Büro in Hamburg nicht weiter weg von Berlin liegen könnte.

Dann aber steht Mignon auch wieder zwischen allen Stühlen.  Weder als Goth noch irgendwie Metal oder gar Experimental steht sie bei den einschlägigen Kreisen im Kurs, sondern als Berliner Indie-Punk/Rock, die mit bizarren Shows, Leder und Haarspray inklusive Sexappeal die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, was der früheren Modedesignerin Mignon nicht mal zu verdenken ist.

Was aber ist mit der Musik?  Nach ihrem selbstproduziertem Debut Bad Evil Wicked and Mean (2007), dem Dorfdisco noch “gestochenes Timing und verführerisches Erotik-tuning” sowie “Zeug zum … Radiosongschreiben” attestierte, war Mignon nicht unter einem Flug in die Rockhauptstadt Los Angeles zu haben, um dort mit Rob Hill (Cyprus Hill, Korn etc.) zusammen zu arbeiten. Heraus sprangen auch ein paar veritable Kracher wie Gimme Gimme oder jenes Hitverdächtige Hot Love, das eine Joan Jett von den Runaways nicht besser hätte abliefern können.

Assassin, eine dem Klang nach Art Witch-Wave Nummer, als auch Jury of the Damned surft noch ordentlich mit, dazwischen aber verliert die Produktion oft merklich, so als wäre Rob Hill mal eben runter zum Strand und nicht wiedergekehrt.

Wird dann die Stilkiste mit Rock-a-billy, Doppelbassgewummer, Slideswamprock bis zur Tränen-der-Trennungsballade Kiss of Death aufgerissen, will sich Mignon womöglich öffnen, klingt die Umsetzung aber nicht tricky oder fett genug, bzw. fehlt es in manchen Parts an einer bestimmten Rotzigkeit oder Coolness á la L7.

Dabei macht Mignon’s neue Band einen ganz schlagkräftigen Eindruck.  Namen wie Corwin Hambrick (Christian Death 1334, Astrovamps),  der halben ex-Peaches Band um Conner Rapp und Mathias Brendel (Peaches, Skew Siskin) sind alles gestandene Rock’n’Roller, nicht zu vergessen die immer mit präsente Blutsschwester Kamikaze Britney, das kaltblütigste weibliche Wesen der hiesigen Vorstellungssphäre, nebst einigen anderen Vamps, die der Show einen sündig-erotischen Pep verleihen.

Hätte man aber genau das – anstelle dieser viktorianischen Krausette samt zugenähten Röhre – mal auf’s Cover transportiert, eine ihren Göttern huldigende Szene hätte ihnen eine längst fällige Queen zur Seite stellen können. So bleibt zu hoffen dass Kiss of Death nicht das letzte Album bleibt, und Mignon mehr Glück im Booking von Liveshows findet. Dort liegt ihre Stärke, eine kleine Tour ins Land der Gläubigen wäre angesagt.

www.mignonmusic.com

Download Hot Love von Bandcamp



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