Kasabian – West Ryder Pauper Lunatic Asylum


(Columbia, VÖ: 05.06.2009)

Juni 11th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Kasabian – West Ryder Pauper Lunatic Asylum

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Kasabian aus Leicester erfinden sich auf ihrem aktuellen Album zwar nicht neu, dafür entdecken sie unter anderem Neu!. Längst vergessen geglaubter, obskurer Krautrock aus Germany ist ja irgendwie der heiße Scheiß der Stunde. Selbst die brillantesten aller Brit-Rock Veteranen, Oasis, lassen sich inzwischen zu Lobhudeleien bezüglich Can und Konsorten hinreißen.

War die Band nach ihrem großartigen Debut gleich schon in die Stadion Rock Liga der Gallaghers entwichen, und schieden sich am Nachfolger Empire die Geister, dürfte nun wieder Konsens ob der Großartigkeit dieser Band herrschen, wo der Amphetamin-gesteuerte, Alkohol-getränkte Schweinerock des Vorgängers durch psychedelische Klangtapeten ohne zentnerschweren Firlefanz ersetzt wurde.

Die Band möchte West Ryder Pauper Lunatic Asylum als Konzeptalbum verstanden wissen. Benannt nach der ersten, längst geschlossenen Irrenanstalt für mittellose Menschen in Großbritannien, liefert die Band nicht weniger als die ganz große Kunst ab. Der Opener Underdog kommt in allerfeinster Gallagher-Manier daher, inklusive der in die Länge gezogenen, rotzigen Zerdehnung der Vokale. Ganz großer Working Class Shit und ein notwendiges, kompromissloses Statement in den Wirren unserer Zeit. Where did all the Love go beschwört den Geist des Acid House. Exzellentes Songwriting gekreuzt mit einem auf dem Mainfloor der Hacienda geerdeten Dancefloor-Groove. Fast Fuse, 2007 schon auf der gleichnamigen, limitierten EP erschienen, ist purer, schmutziger Garagenrock und würde auch auf das Raw Power Album der Stooges passen. Nach dem TripHop angehauchten West Rider Silver Bullet folgt Vlad the Impaler. Eine unmißverständliche Ansage an The Prodigy, die Chemical Brothers und John Lydon sich doch bitte endlich in ihren vom Publikum schon lange herbei gesehnten Ruhestand zu begeben.

Die Single Fire ist Morrison zu L.A. Woman Zeiten. Explosiv, bedrohlich und aufgeladen. Ein Roadtrip entlang der West Coast, mitten hinein in das dunkle Herz Amerikas. Für die Produktion des Albums zeigt sich Dan the Automator verantwortlich, der unter anderem schon das Gorillaz Projekt von Damon Albarn auf Dance-Kurs brachte.

Wenn dann zum Abschluss das Songwriter Duo Meighan/Pizzorno in Happiness völllig unverblümt die Beatles und das finale Gospel Armageddon des Stones’ Meisterwerkes Beggars Banquet zitiert, möchte man vor Glückseligkeit weinen, lächeln, auf dem Tisch tanzen, alles am Besten gleichzeitig.

Wer mit den Stone Roses, Happy Mondays, Primal Scream im besonderen und dem goldenen Zeitalter von Madchester im allgemeinen nichts anzufangen weiß, dem wird auch Kasabian nach wie vor nix geben. Alle Menschen mit geöffneten Herzen sollten das West Ryder Pauper Lunatic Asylum jedoch auf keinen Fall verpassen.

www.kasabian.co.uk



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